Von Niklaus Vontobel, Beat Schmid, Othmar von Matt und Patrik Müller

Für Hans Hess, Präsident des Industrieverbandes Swissmem, steht fest: «Unsere Lohnkosten müssen international wieder wettbewerbsfähiger werden.» Darum «sollten wir die Löhne auf dem heutigen Niveau halten», sagt der Industriepräsident im Interview. Dies müsse die Schweiz «einige Jahre» diszipliniert durchhalten. Denn die ausländische Konkurrenz in China oder in Osteuropa erhöhe ihre tiefen Löhne zurzeit stark. «Wir können die Differenz bei den Lohnkosten deutlich verkleinern.» Hess will auch die Gewerkschaften für seine Idee gewinnen. Denn so könne man ohne Einschnitte wieder konkurrenzfähiger werden bei den Löhnen und damit Jobs sichern.

Hess warnt vor einem Scheitern dieser Lohnverzicht-Strategie. «Sonst greifen ausländische Konkurrenten unsere Firmen und Jobs in der Schweiz noch härter an.» Deutschland habe mit dieser Strategie gute Erfahrungen gemacht. «Es hat sich dort in den vergangenen 10 Jahren ausbezahlt», sagt Hess. In Deutschland hatten die Gewerkschaften Mitte der Neunzigerjahre ein «Bündnis für Arbeit vorgeschlagen». Heute gilt dieses Bündnis unter Befürworten als Grundlage für das deutsche Exportwunder.

Die Schweizer Industrie habe allein im vergangenen Jahr 10 000 Stellen verloren, sagt Hess. Für dieses Jahr rechnet sein Verband mit einem Aderlass in ähnlichem Umfang.

Nach dem Kahlschlag bei Alstom/General Eletric – 1300 Jobs weg im Aargau – äussert sich nun auch Bundespräsident Johann Schneider-Ammann zu politischen Folgen. Er erteilt den Forderungen der Gewerkschaften nach einer interventionistischen Industriepolitik eine klare Absage. Stattdessen brauche es «Bürokratieabbau und Kostenreduktionen für die Unternehmen».

Ex-Bundesrat Joseph Deiss, Schweiz-Chef von General Electric, schweigt indes weiter – er bekam von der Zentrale einen Maulkorb verpasst. Man erwartet, dass Deiss die Firma verlässt.

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