Mit der Sorge frischgebackener Eltern lässt sich Geld verdienen. Dem Sprössling soll es an nichts fehlen. Er soll gedeihen, gross und stark werden, ein langes und gesundes Leben führen.

Dass man daraus ein lukratives Geschäft schlagen kann, haben nach den herkömmlichen Babyausstattern auch die Hersteller von elektronischen Körperüberwachungsgeräten, sogenannten Wearables, verstanden. Was ein Milliardenmarkt für Erwachsene ist, muss auch für die kleinsten Kunden funktionieren. Das tut es: Die globale Nachfrage nach smarten Sensoren für Säuglinge ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Bei einigen Anbietern warten Eltern monatelang auf die Zustellung. Doch die Sorgen um das Wohl des Sprösslings gehen noch weiter: Immer häufiger lassen Eltern als spätere Lebensversicherung im Krankheitsfall ihren Kindern bei der Geburt Stammzellen aus der Nabelschnur einfrieren.

Die Gesundheit des Sprösslings steht prominenter denn je im Mittelpunkt. Das lassen sich Eltern etwas kosten. Wie das Kölner Institut für Handelsforschung berechnet, liegen in Deutschland alleine die Erstanschaffungskosten eines Kindes bei knapp 3000 Euro. Für die Schweiz liegen die entsprechenden Zahlen nicht vor. Experten gehen aber von einer ähnlichen Grössenordnung für die Schweiz aus. Alleine für herkömmliche Baby-Artikel gaben Schweizer Eltern 2016 über 500 Millionen Franken aus, wie Marktbeobachter Euromonitor berechnet. Dabei sind die Ausgaben für Baby-Wearables oder Gesundheitskosten nicht berücksichtigt. Doch Monitoring-Tools und auch Stammzellen-Proben gehen ganz schön ins Geld.

Mit Letzterem verdienen besonders private Biobanken gutes Geld. Eine der grössten in Europa ist die Future Health Biobank (FHBB). Sie bietet ihren Kunden ein Rundum-Paket mit Zellentnahme aus dem Blut und dem Gewebe der Nabelschnur. Dieses wird dann während 25 Jahren eingelagert. Kostenpunkt: fast 4000 Franken. Die britische FHBB betreibt in Nottingham und am Genfersee zwei grosse Gefrierlager, in denen sie nach eigenen Angaben über 125 000 Proben aufbewahrt, deren Spender rund um den Globus reichen. Mit dem Entnahme-Kit gehen die Eltern zur Entbindung ins Spital, der Arzt entnimmt das Blut, die Biobank holt dieses anschliessend ab. Die Zellen aus dem Nabelschnurblut werden dann konserviert und können später bei bestimmten Krankheiten eingesetzt werden.

Ersatzteillager aus dem Baby-Blut

«Bei Blutkrankheiten wie Leukämie oder Blutarmut haben sich die fetalen Stammzellen als wirksames Mittel etabliert», sagt Daniel Surbek, Professor für Gynäkologie am Inselspital Bern. Aus den Stammzellen lassen sich gesunde Blutzellen bilden, die die Krankheit bekämpfen. Die Nachfrage nach solchen Eigenspenden habe in den vergangenen Jahren stark zugenommen, so Surbek. Das zeigt sich auch an der steigenden Anzahl durchgeführter Transplantationen.

Weltweit seien es jährlich etwa 40'000 Transplantationen, sagt Surbek. Die meisten werden bei Blutkrankheiten eingesetzt. Neben dem Blut aus der Nabelschnur sollen auch Zellen aus dem Nabelschnurgewebe für spätere Krankheiten wie Herzinfarkt, Diabetes oder die Autoimmunerkrankung multiple Sklerose wirken. «In diesem Bereich finden aktuell zahlreiche fortgeschrittenen Studien statt, die die Wirksamkeit der Gewebestammzellen prüfen.»

Auch Überwachung nimmt zu

Doch das ist noch nicht alles: Geht es nach Biobanken wie FHBB, soll auch das Zahnmark aus Milchzähnen der Kinder gegen Krankheiten helfen. Kliniker wie Surbek halten das für reine Geldmacherei. «Für die Wirksamkeit solcher Zellen gibt es bislang keinen einzigen klinischen Nachweis.» Angesichts der steigenden Nachfrage bei Eigenspenden startet Chefarzt Surbek demnächst mit der privaten Biobank Swisstemcell ein Projekt, das das Entnahmeangebot in dem Bereich einiges günstiger machen soll. Die Eltern haben dann die Möglichkeit, die Stammzellen ihres Sprösslings entweder für sich aufzubewahren oder an andere abzugeben, die auf eine Spende angewiesen sind.

Doch die Angst um die Gesundheit des Kindes fängt bekanntlich schon im Kinderbettchen an. Hier sollen smarte Sensoren Eltern Sicherheit über das Wohlbefinden ihres Sprösslings bringen. Auch das ist mit Preisen für die Geräte zwischen 150 und 300 Franken teuer. Die Lieferengpässe einiger Wearable-Hersteller zeigen aber: Die Nachfrage leidet deshalb nicht.
Einer, bei dem Eltern aktuell warten müssen, ist Sproutling. Die Firma, ursprünglich von Google-Mitarbeitern gegründet, bietet ein Fussband für Säuglinge, mit dem die Eltern über eine App, alle Vitalfunktionen wie Herzschlag, Atmung oder Körpertemperatur überwachen können. Das Start-up gehört heute zum US-Spielzeugriesen Mattel. Auf Websites wie «CoolMomTech» werden die smarten Bewacher rege besprochen. Auch ganz vorne mit dabei sind die Baby-Söckchen von Owlet. Die High-Tech-Socken kosten stolze 270 Franken und messen ebenfalls die Vitalfunktionen. Auch der Mimo-Onesie-Strampler ist gefragt. Mit einem Sensor ausgestattet, schlägt er Alarm, wenn das Baby sich im Schlaf auf den Bauch dreht.

Wie Fachverkäufer sagen, werden die meisten Wearables übers Internet bestellt. Aktuell beträgt der Baby-Wearable-Markt global etwa 900 Millionen Dollar, bis 2024 sollen es laut Experten 1,3 Milliarden werden. Auch in der Schweiz wird online bestellt. Der grösste hiesige Online-Händler Digitec/Galaxus verzeichnet eine steigende Nachfrage bei Baby-Wearables. Hier fängt die Überwachung schon im Bauch an: Der «Angel Sounds Fetal Doppler» mit dem man in der Schwangerschaft Herztöne, Schluckauf und Tritte des Babys im Bauch hört, erfreue sich einer starken Nachfrage, heisst es auf Anfrage. Man wolle das Sortiment für Baby-Wearables auf alle Fälle noch dieses Jahr ausbauen.