Als 10-jährige Hypotheken zu einem Zins von 2 Prozent vermittelt wurden, staunte die Bevölkerung bereits. Doch seither hat sich der Anlagedruck auf Banken, Versicherungen und Pensionskassen nochmals verschärft. Und mittlerweile erreichen die Zinssätze für 10-jährige Festhypotheken eine neue Grenze.

Silvan Kaufmann vom Hypothekenvermittler Hypoplus/Comparis sagt: «Das gilt derzeit zwar nur für die besten Schuldner, aber es ist so: Wir vermitteln derzeit Festhypotheken von Versicherungen über 10 Jahre zu einem Zinssatz von 1,0 Prozent.» Das sei für die Versicherungen immer noch ein gutes Geschäft. «Es ist auf jeden Fall viel attraktiver, als das Geld bei der Nationalbank zu minus 0,75 Prozent zu parken.»

Die Banken können derzeit mit den günstigsten Versicherungs-Angeboten nicht mithalten. Das gilt zwar schon seit langem, aber der Abstand hat sich nochmals vergrössert. Früher konnte Kaufmann mit Versicherungs-Hypotheken gegenüber Banken noch «einen Abschlag von 0,2 bis 0,4 Prozentpunkten für den Kunden herausholen». Heute sei die Differenz indessen bereits doppelt so hoch: 0,4 bis 0,8 Prozent.

Das ist aus Sicht der Hypothekarnehmer an sich traumhaft. Dennoch rät Adrian Wenger vom VZ Vermögenszentrum vom Abschluss zehnjähriger Festhypotheken ab. Man müsse sich fragen, warum man solche Konditionen angeboten bekomme. «Ich würde da nicht aufspringen, sondern abwarten.»

Am Markt gehe man davon aus, dass die Zinsen noch bis 2020 negativ bleiben würden. «Das Risiko eines baldigen Zinsanstiegs ist klein. In die umgekehrte Richtung ist vieles möglich.»

Die Schweiz hat nun seit bald einem Jahr negative Zinsen. «Bislang haben Banken, Versicherungen und Pensionskassen mehr oder weniger weitergemacht wie bisher», sagt Wenger. Doch allmählich müssten sie sich an die neuen Gegebenheiten anpassen. «Die grossen Entscheide stehen noch an», sagt Wenger. Dann seien 10-jährige Festhypotheken auch zu 0,5 Prozent möglich.

Eine Versicherung beispielsweise habe die Wahl, ihr Geld zu einem Minuszins von 0,75 Prozent am Geldmarkt anzulegen. Oder sie könne eine 10-jährige Festhypothek zu 0,5 Prozent vergeben. «An der Festhypothek verdient sie immer noch um 1,25 Prozent mehr.» Festhypotheken über 10 Jahre zu 0,5 Prozent – Hypothekarnehmer könnten ihr Glück kaum fassen. Wer früher schon zu einem Prozent gebunden hat, würde auf einmal vergleichsweise viel zahlen.

Dass die Zinsen weiter fallen, hat einen einfachen Grund: Banken, Versicherungen und Pensionskassen wissen nicht wohin mit ihrem Geld. 10-jährige Bundesobligationen warfen Ende der Woche nur eine «Rendite» von minus 0,21 Prozent ab. Alte Gewissheiten geraten ins Wanken. «Es gibt Spekulationen in alle Richtungen», sagt Wenger. So habe es für Hypotheken aller Arten und über alle Laufzeiten bislang eine Untergrenze von null Prozent gegeben. Doch diese Grenze gerate durch die Negativzinsen unter Druck.

«Dass wir Negativzinsen auf Hypotheken sehen werden, ist nicht mehr ausgeschlossen», sagt Wenger. Der Anlagedruck sei dafür bereits heute gross genug. «Sollte die SNB die Negativzinsen nochmals heraufsetzen, wird es nochmals schwerer, die Null-Grenze aufrechtzuerhalten.» Davon wären als erstes Geldmarkt-Hypotheken betroffen. Das VZ rät seinen Kunden schon seit langer Zeit zu Geldmarkthypotheken. «Die Kunden zahlen nur rund halb so viel und erhalten de facto nicht weniger Sicherheit.»

Gemäss VZ ist es ein Irrtum zu glauben, man sei mit Festhypotheken abgesichert. Denn irgendwann laufen auch diese aus – wenn man Pech hat mitten in einer Hochzinsphase. Der Kunde hat dann gemäss VZ jahrelang mehr bezahlt als mit einer Geldmarkt-Hypothek und muss am Ende der Laufzeit zu bedeutend höheren Zinsen verlängern.

Versicherungen und Pensionskassen bieten die besten Konditionen, nicht die Banken. Das ist kein Zufall. Im Unterschied zu den Versicherungen bleibt den Banken noch eine Hintertür. «Sie könnten notfalls die Negativzinsen an die Sparer weitergeben.» Die Versicherungen hingegen können keine vergleichbaren Massnahmen ergreifen. «Deshalb schlafen die auch bedeutend schlechter: Der Anlagedruck ist für sie noch grösser.»

Bislang versuchen die Banken noch, Negativzinsen auf Sparkonten zu vermeiden. «Negativzinsen auf Erspartem lassen sich den Kunden nur schwer vermitteln», sagt Wenger. Deshalb würden die Banken die zusätzlichen Kosten lieber ihren Hypothekarschuldnern draufschlagen. Doch habe dieser Weg seine Grenzen. «Sie können die Hypothekarschuldner nicht beliebig zugunsten der Sparer belasten.»

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