Wie kam es zur Untersuchung?
Kurt Grüter : Der Auftrag wurde mir von Bundespräsidentin Micheline Calmy-Rey erteilt – ad personam, nicht in meiner Funktion als Direktor der Finanzkontrolle. Die Nationalbank ist vom Geltungsbereich des Finanzkontrollgesetzes ausgenommen. Herr Hildebrand erklärte sich sofort bereit, uns sämtliche Bankkonti zu zeigen.

Es ging um die Konti von ihm, aber auch um jene seiner Frau und Tochter?
Richtig. Wir konnten Einblick in alle Konti nehmen, auf welche die Familie zugreifen kann oder Vollmachten hat.

Warum kam der Auftrag von Frau Calmy-Rey?
Der Bankrat beaufsichtigt die Nationalbank. Jedoch wird das Nationalbank-Direktorium vom Bundesrat gewählt, nicht vom Bankrat. Darum wurde die Bundespräsidentin aktiv. Der Bundesrat hatte ein legitimes Interesse, eine unabhängige objektive Überprüfung zu veranlassen.

Was haben Sie genau geprüft?
Wir schauten die Transaktionen an, um herauszufinden, ob es aussergewöhnliche Devisenkäufe oder ähnliche Vorgänge gab.

Es ging vor allem um zwei Dollartransaktionen vom 15. August, als Frau Hildebrand Dollar aufkaufte. Das war vor der Einführung eines Mindestkurses Franken/Euro, der den Franken ansteigen liess.
Wir haben alle Transaktionen geprüft, aber fanden nichts Aussergewöhnliches. Entsprechend haben wir – das heisst EFK-Vizedirektor Michel Huissoud und ich – an Frau Bundespräsidentin Calmy-Rey Bericht erstattet.

Der Auslöser für die Untersuchung waren Gerüchte, wonach Frau Hildebrand mögliches Insiderwissen ausgenützt habe. Warum startet man aufgrund blosser Gerüchte eine Untersuchung?
Wer das Interesse daran hatte, solche Gerüchte zu verbreiten, weiss ich nicht. Am 15. Dezember bekam die Nationalbank Kenntnis von solchen Gerüchten. Sie informierte daraufhin die Bundespräsidentin. In Absprache mit der Nationalbank haben wir entschieden, die Sache anzuschauen.

Um welchen Betrag geht es bei den Devisentransaktionen von Frau Hildebrand?
Dazu nehme ich keine Stellung. Was ich bestätigen kann: Bei den Transaktionen wurde nicht gegen das Reglement verstossen. Für uns ist das Dossier abgeschlossen.

Sie legen die Hand ins Feuer, dass die Familie Hildebrand integer handelte?
Absolut – mit dem Vorbehalt, dass diese Schlussfolgerung aufgrund der Dokumente gilt, in die wir Einblick hatten

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