Ein wenig sind sie enttäuscht von der Swisscom, die Banker der Credit Suisse (CS). «Slightly weak» seien die Kern-Indikatoren wie der Zuwachs an Abos im ersten Quartal gewesen, schrieben die Experten der Grossbank diese Woche in einem Kommentar zum Quartalsergebnis. Immerhin auf einem Gebiet macht dem blauen Riesen niemand etwas vor: Obwohl das Wachstum bei den Mobile-Abos stockt, rollt der Rubel bei den bestehenden weiterhin ganz zur Zufriedenheit der Analysten.

In ganz Europa gehört die Swisscom zu einer kleinen Gruppe von Anbietern, die im ersten Quartal die Preise erhöht hat. Die Schere zwischen den Nachbarländern und den hiesigen Preisen öffnet sich damit weiter, wie die aktuelle Tarif-Studie der CS zeigt. Es gebe keine generellen Preiserhöhungen, sagt hingegen Swisscom-Sprecher Armin Schädeli. Wenn Preise punktuell gestiegen seien, wie bei den Natel-Infinity-Abos, dann sei gleichzeitig die Leistung erhöht worden. Dazu gehörten etwa mehr Roaming-Minuten und mehr Datenvolumen im Ausland.

Doppelt so teuer, gleich gut
Genau das Roaming ist allerdings ziemlich überall ausser hierzulande ein Auslaufmodell. Nächstes Jahr wird die EU-Kommission die Roaming-Gebühren komplett abschaffen, nachdem sie bereits heute in fast unfühlbare Bereiche herunterreguliert worden sind. Viele europäische Anbieter verrechnen für das Roaming innerhalb Europas schon heute nichts mehr. Wer in der Schweiz ein Mobil-Abo mit inkludiertem EU-Roaming und höchster Surfgeschwindigkeit im Inland kaufen will, zahlt bei der Swisscom inklusiv des iPhone 6s über 3500 Franken in zwei Jahren. Beim österreichischen Marktführer A1 kostet ein vergleichbares Angebot mit demselben Gerät umgerechnet 2000 Franken – die Swisscom ist also um 76 Prozent teurer.

Noch schlechter schneidet die Schweizer Nummer 2 ab: Fast 100 Prozent teurer ist das vergleichbare Angebot von Sunrise. Gegenüber dem deutschen Marktleader Deutsche Telekom zeigt sich ein ähnliches Bild – ausser bei den Premium-Abos für Vielnutzer, wo Schweizer Anbieter sogar ein wenig günstiger sind. Nur der kleinste Schweizer Provider, Salt, der im letzten Jahr aggressiv die Preise gesenkt hat und verzweifelt Kunden sucht, vermag einigermassen mitzuhalten. 28 Prozent beträgt der Aufschlag gegenüber A1 beim Maximal-Abo, bei einem vergleichbaren kleineren Abo mit einer Inland-Flatrate und begrenzter Highspeed-Datennutzung sind es 20 Prozent plus gegenüber der Österreicher Nr. 1.

Der durchschnittliche Erlös pro Kunde, der sogenannte ARPU, spiegelt dieses Bild. Im ersten Quartal betrug der ARPU eines durchschnittlichen Swisscom-Mobile-Kunden 36 Franken, bei A1 waren es umgerechnet 16 Franken.

Ein Preisvergleich müsse kaufkraftbereinigt erfolgen, heisst es bei der Swisscom. Schliesslich passiere bei der Telekommunikation der grösste Teil der Wertschöpfung zwingend im Inland. Gemäss einer OECD-Studie von 2015 positioniere sich die Schweiz kaufkraftbereinigt beim mobilen Internet im Mittelfeld. Zudem könnten die Angebote nicht direkt verglichen werden, sagt Swisscom-Sprecher Schädeli. Man biete, etwa mit dem mobilen TV-Dienst, deutlich mehr Inklusiv-Leistungen. Auch seien etwa die Topografie oder die strengeren Grenzwerte in der Schweiz Kostentreiber. Gemäss einer PwC-Studie verteuern sie den Betrieb eines Mobilfunknetzes gegenüber Nachbarländern um 40 bis 110 Prozent.

«Essen kostet auch mehr»
Doch auch bei Telekom-Dienstleistungen, die nicht von Grenzwerten betroffen sind, zeigen sich grosse Unterschiede. Der Kabelnetzbetreiber UPC gibt das beste Beispiel: Die Österreicher und die Schweizer Tochter sind in einer gemeinsamen Organisation zusammengefasst. Die Länder sind sowohl von der Topografie als auch der Bevölkerungsstruktur her vergleichbar.

Auf die Preise trifft das nicht im Geringsten zu. Wer in der Schweiz eine Internetleitung mit 250 Mbit/s Geschwindigkeit will, berappt bei UPC Schweiz inklusiv der Kosten für die Kabeldose über 120 Franken im Monat. Bei UPC Österreich sind es umgerechnet nicht einmal 70 Franken. Den Aufschlag von 81 Prozent erklärt eine UPC-Sprecherin damit, dass das «allgemeine Preisniveau» eines Landes – also Lebenshaltungskosten, Immobilienpreise, Gehälter – eine Rolle spiele. Essen zu gehen, koste in Zürich auch mehr als in Wien.

UPC arbeite als Regionalorganisation länderübergreifend und nutze Synergien bei der Gestaltung vieler Prozesse. Das Preisniveau in Österreich sei aber eindeutig niedriger als in der Schweiz. Somit seien die Preise entsprechend angepasst. Und schliesslich habe der länderspezifische Markt Einfluss auf die Preise. Solange die Swisscom den Schweizer Markt dominiert und die Preise vorgibt, dürfte damit die Hoffnung auf Preise wie in Europa Wunschdenken bleiben.

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