VON YVES DEMUTH

Im Mailverkehr mit dem «Sonntag» diese Woche zeigte sich, wie enerviert der Easyjet-Gründer Sir Stelios Haji-Ioannou tatsächlich ist. Angesprochen auf die ständigen Verspätungen und seine Drohung, Easyjet die Lizenz zu entziehen, antwortete er: «Ob ich das Recht habe, den Lizenzvertrag zu kündigen und den Namen Easyjet zurückzunehmen, wird der Oberste Gerichtshof entscheiden und nicht Thomas Haagensen.»

Der Nordeuropa-Chef Haagensen parierte Haji-Ioannous Drohung zuvor gelassen: «Die Easygroup hat weder eine offizielle Kündigung herausgegeben, noch hat sie das Recht, den Lizenzvertrag aufgrund unserer momentanen Pünktlichkeitsstatistik zu kündigen.» Die Rechte am Namen Easyjet liegen indes nicht bei der Fluggesellschaft, sondern bei Haji-Ioannous Easygroup. Diese vergibt die Markenlizenz für den symbolischen Betrag von einem Pfund jährlich – rund 1.60 Franken. Dieser Lizenzvertrag ist in seiner Geltungsdauer nicht limitiert.

Seit die englische Presse am vergangenen Sonntag die Unpünktlichkeit von Easyjet am Flughafen London Gatwick pointiert thematisiert hat, ist bei der britischen Easygroup Feuer im Dach. Die «Sunday Times» titelte in ihrem Wirtschaftsteil «Aufgedeckt: Easyjet weniger pünktlich als Air Zimbabwe», woraufhin der Verwaltungsratspräsident der Easygroup, Haji-Ioannou, in die Offensive ging. Am Montag sendete das Anwaltsbüro des Easyjet-Gründers der Fluggesellschaft ein dreiseitiges Schreiben. Darin drohte er, der Airline den Namen zu entziehen, sollte sich die Pünktlichkeit in den nächsten 90 Tagen nicht bessern.

Ob der milliardenschwere Sir nun tatsächlich zum Anwalt der Passagiere geworden ist oder nur Druck macht, um mit einem neuen Lizenzvertrag mehr als jährlich 1 Pfund zu erhalten – Easyjet entrichtet keine Dividenden –, bleibt unklar. Aber wäre der Gründer tatsächlich bereit, seinem Kind diesen Schaden zuzufügen? Die Frage liess Haji-Ioannou offen. Dass der Mehrheitsaktionär von Easyjet mit der Fluggesellschaft im Streit liegt, ist indes nichts Neues: Erstens trat er vergangenen Mai per sofort aus dem Verwaltungsrat von Easyjet zurück – obwohl er zusammen mit seinen Geschwistern 38 Prozent an der Gesellschaft hält. Damit wolle er gegen die Wachstumsstrategie des Managements protestieren, sagte er damals.

Zweitens reichte er bereits am 18. August 2008 eine Klage gegen Easyjet wegen Verletzung der Lizenzbestimmungen ein, die noch immer hängig ist. Die Bestimmungen sehen vor, dass Easyjet höchstens 25 Prozent des Umsatzes ausserhalb des eigentlichen Fluggeschäfts erwirtschaften darf. Damit will der Easygroup-Präsident seine anderen Marken wie etwa Easyhotel schützen. In beiden Fällen kritisierte er den damaligen Firmenchef Andy Harrison scharf. Dieser hat den Chefposten Anfang Monat abgegeben.

Die Schuld an den schlechten Pünktlichkeitsstatistiken gibt Haji-Ionnaou nun Harrison. Über die Homepage der Easygroup führt er seit dieser Woche eine Art Privatkrieg gegen Easyjet. Am Mittwoch schrieb er unter anderem: «Harrison, der wusste, dass er bald gehen würde und sich seines Bonus unabhängig vom langfristigen Firmenerfolg sicher war, entliess im Winter so viel Kabinenpersonal, wie er konnte, und liess so die Halbjahreszahlen besser erscheinen, als sie eigentlich sind.» Die jetzigen Pünktlichkeitsprobleme seien eine klare Folge des «Short-Termism» eines Managers.

Am Freitag folgten auf der Easygroup-Homepage drei umfangreiche Beschwerden von Easyjet-Passagieren. Diese sollten «hoffentlich das neue Management beschämen» und zur Lösung der Situation beitragen, schrieb Haji-Ioannou.
Verspätungen gibt es bei Easyjet indes noch immer. Die Gesellschaft erklärt dies mit den anhaltenden Streiks in Frankreich und Spanien.

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