2015 lancierte der US-Getränkeriese Coca-Cola die vierte Geschmacksvariante seines Klassikers: «Coca-Cola Life» mit grüner Etikette. Der Konzern wirbt dafür mit dem Zuckerersatzstoff Stevia, der aus der gleichnamigen Pflanze aus Paraguay gewonnen wird. Doch nun gibt es erste Indizien, dass «Coke Life» die Kundschaft nicht überzeugt. Die Firma Selecta, die in der Schweiz 3000 Snack-Automaten betreibt, hat die Flaschen aus dem Sortiment genommen. «Leider lag die Performance unter den Absatzerwartungen», sagt Sprecherin Jasmin Jäggi. Coca-Cola nimmt zum Rauswurf und zur Entwicklung von «Coke Life» keine Stellung.

Dabei waren die Hoffnungen in der Nahrungsmittelbranche gross. Stevia wurde als Ablöser des ungesunden Zuckers angepriesen, da dessen Ersatzstoffe über 300 Mal süsser sind, jedoch zahnschonend und praktisch kalorienfrei. Doch der durchschlagende Erfolg ist nicht nur bei Coca-Cola ausgeblieben. Nestlé-Schweiz-Sprecherin Nina Kruchten sagt, man nutze Stevia nur «in äusserst begrenztem Umfang». Nur die aromatisierten Henniez-Wasserprodukte würden damit gesüsst. Weitere Produkte mit Stevia seien derzeit nicht geplant.

Der Luzerner Milchkonzern Emmi gibt an, regelmässig Rezepturen mit Stevia zu testen. «Bis anhin wurden aber unsere geschmacklichen Anforderungen noch nicht erfüllt», sagt Sprecherin Sibylle Umiker. Das Problem: Stevia hinterlässt einen leicht bitteren Nachgeschmack, ähnlich wie Lakritze. Migros verkauft nur sieben Produkte mit Stevia, Coop neun. Die Nachfrage sei nicht gestiegen, das Sortiment werde nicht erweitert, sagt Coop.

Der Zuckerkonsum hat sich weltweit seit den 60er-Jahren verdreifacht. 2015 senkte die Weltgesundheitsorganisation WHO die als «unbedenklich» geltende Menge von 50 auf 25 Gramm pro Tag, also rund sechs Würfelzucker. Allerdings: Schweizer konsumieren heute mehr als das Fünffache. In einem halben Liter «Coke Life» sind nebst Stevia noch immer 11 Würfelzucker enthalten. Im klassischen Cola sind es 18.

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