Finanzmarktaufsicht. Es ist das einzige Institut, das mit den neuen Regeln hadert.
VON BEAT SCHMID

Die Finma macht UBS-Chef Oswald Grübel kein Weihnachtsgeschenk. Wie «Der Sonntag» aus gut unterrichteter Quelle erfahren hat, muss die Grossbank ihr Bonussystem auf Druck der eidgenössischen Finanzmarktaufsicht (Finma) in letzter Minute ändern.

«Es ist klar, dass sich die UBS anpassen muss», sagt ein Kadermann, der nicht genannt werden möchte. Die Bank stellte ihr Entschädigungssystem erst diesen Frühling komplett um.

Hintergrund ist das vor über einem Jahr vorgestellte Finma-Rundschreiben «Vergütungssysteme», das die grösseren Banken und Versicherungen per Ende Jahr umsetzen müssen. Die meisten Banken und Versicherungen hätten sich den Forderungen der Finma unterworfen, sagen Eingeweihte. Selbst die Credit Suisse befindet sich mit der Finma auf einer Linie. Lediglich mit Vertretern der UBS seien die Gespräche noch am Laufen. Involviert in diese Gespräche sei auch Konzernchef Oswald Grübel.

Das Ziel des Rundschreibens ist es, Banker davon abzuhalten, unangemessene Risiken einzugehen. Insbesondere legte die Finma Wert darauf, dass höheren Kadern ein «bedeutender Teil» ihres Bonus während mehrerer Jahre gesperrt wird. Zudem sollen die Systeme einen Malus-Mechanismus enthalten, sodass die Manager bei schlechter Leistung ihren Bonus wieder verlieren können.

Für die Konzernleitungsmitglieder und andere Topmanager entwickelte die UBS sechs unterschiedliche Bonusprogramme mit aufschiebender Wirkung. Am umstrittensten ist der so genannte Incentive Performance Plan (IPP). Er wurde für die obersten 900 Manager aufgebaut. Die Gewinnchancen für die Manager sind gewaltig: Bei guter Aktienkursentwicklung können die Manager über die nächsten fünf Jahre bis zu 3 Milliarden Franken Bonusgewinn einstreichen. Bekannt wurde das Programm letzten Frühling mit der Veröffentlichung des Geschäftsberichts.

Die UBS schrieb damals, dass die Boniprogramme den «Trends» in der Branche und «zukünftigen Regulierungen» Rechnung tragen. «Wir verstärken unsere Anstrengungen, die Gesamtkompensation besser mit dem langfristigen Ergebnis und den Interessen der Aktionäre verknüpfen zu können.» Das Besondere am IPP ist allerdings, dass die Manager kein Geld verlieren. Auch bei schlechter Leistung würden sie stets den Einsatz zurückerhalten. Rückforderungen von bereits ausbezahlten Boni (so genannte Clawbacks) sieht dieses Programm nicht vor.

Da die Finma nicht vorgängig über das neue umstrittene Bonusprogramm informiert worden war, kam es zu einem kleinen Eklat. Die Behörde kündigte umgehend eine Untersuchung an. Kurz darauf musste Verwaltungsratspräsident Kaspar Villiger erklären, dass es sich beim IPP um ein einmaliges Instrument handle. Auf Anfrage schrieb die Bank am Freitag, dass das IPP-Programm im Rahmen des Turnarounds eingeführt worden sei und nicht wiederholt werde.

Offen bleibt, ob das umstrittene IPP-Bonusprogramm nachträglich mit einer Clawback-Funktion versehen werden muss, um dem Finma-Rundschreiben gerecht zu werden.

Ein weiterer Diskussionspunkt ist das Verhältnis zwischen direkt ausbezahlten und aufgeschobenen Boni. Ein Bonusplan nur für Konzernmitglieder (der so genannte Cash Balance Plan) sieht vor, dass bis zu 60 Prozent direkt ausbezahlt werden können. Lediglich 40 Prozent werden aufgeschoben. Es ist fraglich, ob dies ein «bedeutender Teil» ist, wie dies das Rundschreiben fordert.

Ein weiterer heikler Punkt ist die von der Finma geforderte Verknüpfung der Boniausschüttung mit der Kapital- und Liquidationsplanung. Bekanntlich müssen die Grossbanken in den nächsten Jahren je 60 Milliarden Franken aufbauen (25 Milliarden Eigenkapital; 35 Milliarden Wandlungskapital). Wenn eine Bank knapp bei Kasse ist, muss sie eine «konservative Vergütungspolitik» verfolgen, verlangt die Finma.

«UBS hielt und hält sich selbstverständlich an alle regulatorischen Vorschriften», schreibt die Bank in einer Stellungnahme.

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