Die SNB hat ein für sie schwieriges Jahr mit Bravour beendet. Denn unabhängig ist sie schon lange nicht mehr, und die linken Parteien wollen ihr auch noch den Glauben an die Unabhängigkeit nehmen, offiziell mit einer «Reform». Ganz unschuldig an der Entwicklung
ist die SNB nicht. Sie hätte wissen müssen, dass es schwierig wird, unschuldig und unabhängig zu bleiben, wenn sie mit der Politik ins Bett geht. Die verheerende Liaison, die drei Jahre dauerte, endete vor einem Jahr mit der Abschaffung des Euro-Fixkurses. Dass das Experiment 2015 nur 20 Milliarden gekostet hat, ist der Professionalität des SNB-Personals zuzuschreiben. Der Verlust an Glaubwürdigkeit durch das Fixkurs-Abenteuer wiegt dagegen schwerer.

Sowohl die Medien als auch die Politik haben sich auf die SNB eingeschossen und lassen keine Gelegenheit aus, sie für eine schwächelnde Exportwirtschaft verantwortlich zu machen. Die Fakten aber zeigen , dass alles sehr gut läuft, wenn man das globale Umfeld berücksichtigt. Die Exporte sind, gemessen an einem um 10 Prozent stärkeren Franken, nur um 3 bis 4 Prozent zurückgegangen, die Importe um 8 Prozent gefallen.

Die Schweiz wird 2015 einen rekordhohen Handelsbilanzüberschuss ausweisen, und das in einem Umfeld mit rückläufigem Wachstum weltweit. Ein Glanzresultat, um das uns viele Staaten beneiden werden. Die Politik wäre gut beraten, die Unabhängigkeit der SNB zu betonen, anstatt die Medien mit Drohgebärden zu füttern. Eine Verteidigung der Unabhängigkeit der SNB könnte dem Ansehen unserer Politiker nur förderlich sein.

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