Für viele Reisehungrige beginnen die Ferien jeweils mit einer Recherche auf Google: Flug von Zürich nach San Francisco, billiges Hotel in Tokio, günstige Flüge ans Meer. Diesen Vorteil will Google nutzen. Ohne hierzulande allzu gross darauf aufmerksam zu machen, baut der Internetriese aus Kalifornien seine neuen Funktionen Hotelfinder und Google Flights stetig aus.

Bisher wurde vor allem in den USA dafür geworben. Doch Google ist daran, auch die Schweizer Reiseindustrie an sich zu binden – insbesondere die Swiss. «Eine Partnerschaft ist geplant und in Umsetzung», sagt Swiss-Sprecherin Myriam Ziesack. Schon jetzt tauchen Swiss-Flüge zum Beispiel von Zürich nach New York in den Resultaten von Google Flights auf. Die Suchmaschine benötigt von jeder Airline ihre Fluginformationen. Anfang Jahr gab Europas grösste Passagierfluggesellschaft Ryanair bekannt, Google- Flights Flugdaten zu liefern.

Die Flugsuche funktioniert ähnlich wie bei Reiseportalen wie Ebookers.ch, HRS, Kayak, Booking oder Expedia. Man gibt den gewünschten Flug mit Datum ein und erhält verschiedene Flugoptionen. Der grosse Unterschied: Auf Google Flights wird der Kunde nach dem Klick auf die Website der entsprechenden Airline weitergeleitet. Die Airline wickelt den Verkauf selber ab. Sie bezahlt Google pro Klick. Allerdings hat sie beim sogenannten «Pay per Click»-Prinzip keine Gewähr, dass der Kunde den Flug danach auch tatsächlich bucht.

Dennoch dürfte das Argument der Verkaufshoheit für die Airlines überwiegen, da sie dem Kunden so auch einfacher Zusatzdienstleistungen verkaufen können. Bei der Swiss heisst es, eine Ausweitung der Zusammenarbeit sei «vorstellbar». Google-Schweiz-Manager Philipp Ries kündigte Anfang Jahr am St. Galler Touristiker-Tag an, dass einer grossen Lancierung von Google Flights in der Schweiz nichts im Weg stehe, sobald genügend Partner in der Plattform integriert sind.

«Mit Google könnte es zu einer Revolution im Reisemarkt kommen», sagt der Schweizer Onlinepionier Roland Zeller, der 2000 das Reiseportal Travel.ch gründete, das heute zur Migros-Tochter Hotelplan gehört. Er glaubt, dass die etablierten Reiseportale wie Ebookers.ch, Kayak.com, aber auch Travel.ch unter Druck geraten werden, je bekannter Google Flights wird.

Matthias Thürer, Marketingchef von Ebookers.ch, bestätigt: «Sobald Google den Hahn voll aufdreht, haben sie eine enorme Power im Markt.» Im Gegensatz zu Ebookers.ch oder Metasuchmaschinen wie Swoodoo und Trivago müsse Google keine teuren Werbespots schalten. «Jeder kennt Google.» Vorerst sei die Suchmaschine mehr Partner als Konkurrent. Rund 40 Prozent der ebookers.ch-Besucher gelangen über Google auf das Reiseportal, hauptsächlich dank der Adwords. Wie alle Reiseportale investiert Ebookers.ch viel in diese Werbeform, um Anzeigen zu schalten, die sich an den Suchergebnissen orientieren. Zudem ist Ebookers.ch bereits mit einzelnen Angeboten auf Google Flights präsent.

Die grosse Frage, die sich die Branche stellt und vor der sich viele fürchten, lautet: Wird Google irgendwann auch den Buchungsprozess an sich reissen? Der Internetkonzern streitet ein solches Vorhaben ab. «Unmöglich ist das aber nicht», sagt Thürer. «Allerdings würde der Konzern dann auf die lukrativen Klickeinnahmen verzichten, die Google von den Reiseportalen und Airlines einkassiert.» Andererseits besteht die Gefahr, dass Google die Suchresultate nicht nur nach Relevanz ordnet, sondern besser bezahlende Airlines bei der Resultat-Anzeige bevorzugt.

Dieses Problem bestehe schon heute, wenn man nach einem bestimmten Hotel auf Google suche, sagt Thomas Allemann, Geschäftsleitungsmitglied des Branchenverbands Hotellerie Suisse. Dennoch rät er seinen Mitgliedern, das Portal «Google Hotelfinder» mit einer gewissen Vorsicht auszuprobieren: «Niemand weiss, wie viele Klicks es benötigt, bis es zu einer Buchung kommt.»

Für kleine Hotels dürfte die technische Herausforderung zwar zu gross sein, um Google stets die neusten Preis- und Zimmerinformationen zu liefern. Für manche dürfte «Google Hotelfinder» dennoch ein Hoffnungsschimmer sein, um von den mächtigen Buchungsportalen wie Booking.com oder Hotels.com unabhängiger zu werden, die Kommissionen von bis zu 30 Prozent und Tiefpreisgarantien verlangen. Hotellerie Suisse, Schweiz Tourismus, SBB und die Regionalbahnen haben deshalb die Plattform swiss-hotels.com kreiert, welche von der gemeinsamen Tochter Switzerland Travel Centre (STC) betrieben wird und nur 10 Prozent Kommission verlangt. 2000 Hotels sind laut STC-Chef Michael Mäder an Bord: «Spätestens im Herbst sind wir mit unserem Hotelportfolio auf Google Hotelfinder präsent.»

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