Diese Woche endete für die drei Genfer Banken Pictet, Lombard Odier und Mirabaud eine Epoche. Die Epoche des Privaten. Als Banken mit voll haftenden Teilhabern mussten sie bisher keine Geschäftszahlen offenlegen. Doch mit der Umwandlung zu Aktiengesellschaften, die diese Woche abgeschlossen wurde, schulden sie der Öffentlichkeit neu Rechenschaft.

Bereits sind erste Zahlen bekannt, welche die Banken beim Genfer Handelsregister eingereicht haben. Der «Schweiz am Sonntag» liegen die Bilanzen der Banken vom vergangenen Herbst sowie Angaben über die Beteiligungsverhältnisse vor. Gemeinsam ist allen drei Instituten, dass die in AGs umgewandelten Gesellschaften tiefe Eigenkapitalquoten aufweisen. Keine der drei Banken bestreitet die Zahlen auf Anfrage.

Die dünnste Eigenkapitaldecke hat Pictet mit 2,8 Prozent. Ende September befand sich in der Bilanz der noch als Kommanditgesellschaft geführten Bank bei einer Bilanzsumme von 35 Milliarden Franken exakt 1 Milliarde Franken Eigenkapital. Die Bank erklärt das Verhältnis mit dem Anlagenotstand der Kunden. Diese hielten viel Geld in Cash-Positionen, was die Bilanz vergrössere, ohne dass man darauf einen grossen Einfluss habe, sagt Sprecher Simon Roth. Laut Bilanz hält Pictet rund 13 Milliarden Franken liquide, vermutlich bei der Nationalbank. Weitere 10 Milliarden stecken in Finanzanlagen.

Die Bilanz zeichne bloss das Geschäft des Schweizer Stammhauses ab, betont Pictet. Ihre Auslandsbeteiligungen wurden bisher offenbar nicht von der Bank, sondern von einer unabhängigen Beteiligungsgesellschaft gehalten. Ein konsolidiertes Ergebnis werde nach dem ersten Halbjahr 2014 publiziert, sagt Roth.

Auch Lombard Odier sagt, man habe «wenig Einfluss» auf die Grösse der Bilanz, da diese im Wesentlichen von den Kundeneinlagen abhänge. Ende Juli 2013 wies die Bank eine Eigenkapitalquote von 3,1 Prozent bei einer Bilanzsumme von 15,9 Milliarden Franken aus. Die 11,5 Milliarden Franken Kundengelder hat die Bank praktisch vollumfänglich bei der Nationalbank deponiert.

Die kleinste der drei Genfer Banken ist Mirabaud. In ihrer Bilanz von insgesamt gut 3 Milliarden Franken stehen fast ausschliesslich Kundengelder. Rund die Hälfte davon hält Mirabaud liquide, der Rest ist hauptsächlich bei anderen Banken oder den eigenen Kunden angelegt. Die Eigenkapitalquote von Mirabaud liegt bei 4,1 Prozent.

Erstmals wird auch klar, wer wie an den drei Banken beteiligt ist, denn mit der Umwandlung wurden die bisher voll haftenden Teilhaber zu Aktionären. Bei Lombard Odier erhielt die Beteiligungsgesellschaft und künftige Konzernholding Compagnie Lombard Odier SCA die Mehrheit der Aktien. Die übrigen Anteile, die gemäss Ankündigungen der Bank ebenfalls in Besitz der Holding übergehen sollen, wurden in gleichen Teilen auf die Gesellschafter verteilt. Präsident Patrick Odier erhielt wie alle anderen Partner 5,1 Prozent der Aktien.

Pictet übergab die Aktien praktisch vollständig den haftenden Gesellschaftern. Die bisherige Kommanditärin Pictet Capital SA hält nur 0,2 Prozent. Unter den Partnern gibt es jedoch zwei Kategorien: Die meisten erhielten wie Präsident Jacques de Saussures 14,97 Prozent. Marc Pictet und Betrand Demole jedoch wurden nur mit 4,99 Prozent abgegolten.

Gänzlich ungleich wurden die Aktien bei Mirabaud verteilt. Präsident Yves Mirabaud wird mit 23,5 Prozent aller Aktien als der mit Abstand bedeutendste Teilhaber geoutet vor Thierry Galissard de Marignac mit 14,7 Prozent.

Mit der Umwandlung der drei Genfer Banken und dem angekündigten Wandel der Bank La Roche verbleiben in der Schweiz noch sechs Banken mit Status «Privatbankier», darunter die Genfer Häuser Bordier, Gonet und Morgue d’Alge. Als Grund für die Abkehr vom System mit voll haftenden Teilhabern nennen die drei grossen Banken die Tatsache, dass dieses im Ausland nicht verstanden werde und dass das Geschäfte erschwere. Faktisch dürfte aber auch der Rechtsstreit mit den USA eine Rolle für das Ende der Haftung gespielt haben.

Formal beschlossen wurde das Ende der Ära als Privatbankiers bei allen drei Instituten Anfang Dezember. So gross der symbolische Schritt war, so klein und einfach war die Generalversammlung, an der er abgewickelt wurde. Innerhalb von fünf Tagen trafen sich die Gesellschafter der Genfer Banken zum stets gleichen Ritual beim Notar. Gerade mal zehn Minuten dauerte die Sitzung im Falle von Pictet. Ein gutes Geschäft machte dabei die Kanzlei Poncet, Buhler, Lacin & Vallery. Notar David Lacin betreute alle drei Generalversammlungen nach dem stets gleichen Muster.

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