Die Grossbank Credit Suisse zieht die Sparschraube kräftig an. Insgesamt will Konzernchef Tidjane Thiam in den nächsten zwei Jahren die Kosten zusätzlich um eine Milliarde Franken senken. Das sagte er diese Woche am Investorentag in London. Die Schweiz ist von der Sparmassnahme betroffen und muss die Kosten in der Swiss Universalbank (SUB) zusätzlich um 200 Millionen Franken abschmelzen. Auch das sagte Thiam und bestätigte Informationen der «Schweiz am Sonntag», die vor einer Woche darüber berichtete.

Insgesamt gehen dadurch nochmals Tausende Jobs verloren. Auf Gruppenebene verschwinden bis Ende 2018 zwischen 4000 und 5000 Stellen. Seit Thiam vor eineinhalb Jahren das Zepter übernahm, sind bereits 6000 Stellen dem Sparhammer zum Opfer gefallen. Allein in der Schweizer SUB-Einheit werden es 1000 bis 1300 Stellen sein. Da hierzulande auch Abteilungen angesiedelt sind, die nicht zur SUB gehören, wie etwa die zentralen Funktionen (Corporate Center), wird der Abbau in der Schweiz sogar noch grösser ausfallen. Zudem kündete Tidjane Thiam in London eine Reduktion der Gewinnziele um rund 25 Prozent an. Die Region Asien muss bis 2018 noch 1,6 Milliarden Franken Gewinn abliefern, das International Wealth Management 1,8 Milliarden Franken. In der Schweiz bleiben die Vorgaben unverändert.

Die Börse reagierte euphorisch
Dass der CS-Chef nach nur einem Jahr seine Ziele anpassen musste, liess den Markt unbeeindruckt. Die Börse reagierte sogar euphorisch auf die Nachrichten. Die CS-Aktien schossen zeitweise um über acht Prozent in die Höhe. So überraschend ist das nicht. Die Analysten hatten die Rechnung schnell gemacht: Schlägt die einzusparende Milliarde auf den Gewinn durch, ergibt sich daraus eine Wertsteigerung des Unternehmens um 10 Milliarden Franken. «Das Kalkül von Thiam ist aufgegangen», sagt ein hoher CS-Kadermann und fügt an: «zumindest kurzfristig».

Er meint, dass die grosse Thiamsche Sparrunde auch erhebliche Gefahren birgt. Spart die zweitgrösste Bank der Schweiz nämlich zu stark und am falschen Ort, kann sie damit ihre Ertragsaussichten nachhaltig schmälern. Beispielsweise können ihr dann schlicht die Fachleute fehlen, um das Geschäft vorwärtszubringen und die Kunden zu betreuen. «Es ist ja nicht so, dass CS bisher nicht gespart hätte. Wenn jetzt noch mehr Stellen gestrichen werden, kann das zu echten Problemen führen», sagt ein Insider. Selbst die Geschäftsführerin des Bankpersonalverbands sieht das so: «Mit Stellenabbau allein stellt man keine Weichen für die Zukunft», sagt Denise Chervet.

Berater einsparen
Die jüngsten Nachrichten, die von der Bank nach aussen dringen, deuten jedenfalls genau in diese Richtung. So will die Bank in der Schweiz nicht nur bei den rückwärtigen Bereichen (Backoffice) Leute einsparen, sondern auch an der Kundenfront. So sollen künftig Kunden mit Portfolios bis 250 00 Franken nur noch im Call Center bedient werden. Mit dieser Übung kann die Bank zwar Berater einsparen, doch sie riskiert auch, Kunden an die Konkurrenz zu verlieren. Ein Sprecher sagt, dass die Bank das Geschäftsmodell den sich «ändernden Kundenbedürfnissen» anpasst. Künftig wird unterschieden zwischen «Kunden mit höheren und weniger hohen Beratungsansprüchen». Intern kommen die Änderungen nicht gut an.

Hektik statt Ruhe
Die Ruhe, die in den letzten Monaten in die Bank eingekehrt zu sein scheint, ist nun einer spürbaren Hektik gewichen. Thiam bleiben zwei Jahre, um seine Strategie zum Erfolg zu führen. Wird er es schaffen? Die Rücknahme der Gewinnziele ist jedenfalls ein herber Rückschlag. Er begründete die Senkung mit dem Argument, dass sich die Märkte verschlechtert hätten – eine ziemlich gewagte Aussage. In den letzten 12 Monaten sind im Gegenteil etliche Unsicherheiten verschwunden (Stichwort Brexit und US-Wahlen). Die Aktienmärkte befinden sich auf einem Allzeithoch. Zudem gibt es Banken, die ihre Ziele weiter erfüllen.

Auch Thiam müsste wissen, dass die Lage nicht so schlecht ist. Er muss sich nur im eigenen Haus umschauen. Da wird er feststellen, dass viele CS-Fonds im Asset Management ein exzellentes Jahr hinter sich haben. Schade nur, dass sie teilweise nur sehr geringe Volumen aufweisen und offensichtlich nicht engagiert genug verkauft werden. Dass Thiam mit dem Märkte-Argument beim Verwaltungsrat durchkam, spricht nicht für die Qualität dieses Gremiums.

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