Bei der Swiss rumort es gewaltig. Grund dafür ist die ausgebliebene Revolution vor einem Monat. Mitte April schickten die Airbus-Piloten des Verbands Aeropers einen mühsam ausgehandelten Gesamtarbeitsvertrag (GAV) bachab, der die Fusion mit den günstigeren Piloten der Jumbolino-Flotte vorsah. Vor allem für Letztere, die im Verband IPG Cockpit organisiert sind, wäre die Fusion eine einmalige Karrierechance gewesen. Der Wechsel auf die Langstrecke wäre für sie, deren Ursprünge auf die Crossair zurückgehen, deutlich einfacher geworden.

Swiss-Chef Harry Hohmeister verlangte im Gegenzug jährlich um 20 bis 30 Millionen Franken tiefere Kosten, unter anderem durch weniger Lohn und Ferientage bei den besser bezahlten Aeropers-Piloten, deren Verband auf die Swissair zurückgeht. Doch im Gegensatz zu den IPG-Piloten zeigten sie der Vorlage mit einer grossen Mehrheit die kalte Schulter. Obwohl Hohmeister während der Verhandlungen und auch öffentlich drohte, dass er bei einem Nein in Zukunft die besser bezahlten Aeropers-Piloten umgehen würde.

Was Hohmeister damit meinte, ist jetzt klar. Laut «Schweiz am Sonntag»-Informationen liegt der IPG, deren Piloten mit den kleinen Jumbolinos vorwiegend Kurzstrecken fliegen, ein brisantes Angebot vor. Hohmeister bietet ihnen die neuen Langstrecken-Maschinen an, die prestigeträchtigen Boeing 777, die ab 2016 zur Swiss stossen und die Airbus-Langstreckenflotte der Aeropers-Piloten ablösen sollen.

Dass die IPG-Piloten auf Hohmeisters Angebot eingehen, ist wahrscheinlich. Es wäre die Retourkutsche auf die Ohrfeige der Aeropers-Kollegen. Dabei hatten beide Pilotencorps in den letzten Jahren stets betont, die Feindseligkeiten und der Neid aus alten Swissair-Crossair-Zeiten seien verflogen. Doch das GAV-Abstimmungsresultat hat alte Wunden aufgerissen. Diesen Zwist versucht Hohmeister nun auszunützen und einen Keil zwischen die beiden Corps zu treiben. Der GAV der düpierten IPG-Piloten läuft nur noch bis Ende Juni. Die Gespräche laufen auf Hochtouren.

Mit den Plänen der Swiss konfrontiert, zeigt sich Aeropers-Geschäftsführer Henning Hoffmann nicht überrascht: «Wir haben Kenntnis von diesen Plänen. Das Angebot der Swiss an die IPG ist ein Vollangriff auf unseren Verband und die Sozialpartnerschaft.» Dazu passe, dass Hohmeister der Aeropers das Gespräch verweigere und die IPG von der Swiss einen Maulkorb erhalten habe. «Sollten sich die Swiss und die IPG darauf einigen, dass die neuen Boeing-Maschinen zur IPG gehen, während unsere Airbus-Flotte abgebaut wird, wäre die Existenz unseres Verbandes infrage gestellt.»

Nach Auslaufen des GAV Ende 2016 könnte die Swiss den Aeropers-Piloten neue Stellen anbieten unter GAV-Bedingungen der IPG, nach dem Motto «Friss oder stirb». Die Swiss schreibe regelmässig Gewinn, da sei es mehr als stossend, dass Hohmeister das ganze System komplett umstellen wolle, sagt Hoffmann.

Die Swiss schreibt, man führe Verhandlungen mit der IPG, Gerüchte und Spekulationen kommentiere man nicht. Die IPG war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper