Diese Woche liess die Finanzmarktaufsicht (Finma) eine Bombe platzen. In Anwendung ungewohnter Amtshärte enthob sie den Verwaltungsrat der KPT seiner Funktionen. Für die bereits zurückgetretenen Verwaltungsräte Walter Bosch und Bernhard Liechti lautete das Verdikt der Aufsichtsbehörden noch vernichtender: Sie werden mit einem vierjährigen Berufsverbot im Finanzbereich belegt. Der einstige «Zürich»-Top-Manager Peter Eckert wurde von der Finma eingesetzt, um die Geschäfte per sofort zu führen.

Der Hintergrund: Am 10. Mai 2010 gab die KPT bekannt, mit Sanitas fusionieren zu wollen. Später flog auf, dass die KPT-Chefs sich mit dem angedachten Schulterschluss massiv persönlich hätten bereichern können. Die Verwaltungsräte deckten sich laut Finma im Frühling mit günstigen KPT-Aktien ein.

Zu diesem Zeitpunkt war jedoch der geplante Aktienrückkauf durch die KPT zu einem deutlich höheren Kurs bereits absehbar. Wäre der Rückkauf tatsächlich abgewickelt worden, hätten die Verwaltungsräte erhebliche Gewinne erzielt. Die Befunde sind so happig, dass die Finma letzte Woche eine Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft des Kantons Bern einreichte.

Zusätzlich zu diesem vereitelten Aktiendeal kommen weitere mutmassliche Verfehlungen hinzu, die möglicherweise ebenso schwer wiegen. So deckte die Finma bei ihrer Untersuchung neue Ungereimtheiten auf, die reichlich Sprengstoff enthalten. Die Behörde schreibt: «Über die vereinbarten festen Verwaltungsratshonorare und Boni hinaus bezogen mit einer Ausnahme alle Verwaltungsräte teilweise substanzielle Zahlungen aus Mandatsverträgen.»

Wie Recherchen ergeben haben, bezogen Verwaltungsräte Zusatzhonorare von teilweise mehreren hunderttausend Franken pro Jahr. Abgewickelt wurden die geheimen Transaktionen über eine Innerschweizer Treuhandfirma, über die auch die ordentlichen VR-Honorare ausbezahlt wurden. Die Treuhandfirma hatte Zugriff auf ein Konto KPT Versicherungen AG, über welches die Zahlungen mit Doppelunterschrift ausgelöst wurden. Die Gelder wurden in Monatsraten überwiesen. Von diesen Entschädigungen hatte nur ein sehr beschränkter Kreis Kenntnis – sämtliche Verwaltungsräte und der CEO.

Die Zahlungen sollten Aufwendungen der Verwaltungsräte abgelten, die über das ordentliche VR-Mandat hinausgehen. Wie die Finma festhält, standen diesen Zahlungen aber keine «zusätzlichen Leistungen gegenüber, die nicht bereits von den festen Verwaltungsratshonoraren abgedeckt waren».

Der angeschossene ehemalige VR-Präsident Walter Bosch sieht dies anders. Auf Anfrage sagt er: «Gemessen am Mehrwert, den ich für die Firma geschaffen hatte, verdiente ich eher bescheiden. Im Jahr 2011 habe ich eine Entschädigung von rund 200 000 Franken über den Mandatsvertrag bezogen.» Sein ordentliches VR-Mandat belief sich auf 150 000 Franken.

Bosch bestätigt, dass sich seine Gesamtentschädigung für 2011 auf 350 000 Franken belief. Wie viel er in den Jahren 2009 und 2010 bezog, konnte Bosch, der in den Bergen weilt, gestern nicht sagen. Laut mehreren Insidern sollen damals die Bezüge höher gewesen sein.

Der ehemalige Vizepräsident Bernhard Liechti bestätige ebenfalls, dass er über einen Mandatsvertrag Zusatzgelder bezogen hatte. Er gibt an, dass die Arbeitsbelastung sehr hoch gewesen sei. Zur Höhe des Zusatzhonorars machte er keine Angaben. Liechti sagt, dass er für die Zusatzleistungen einen üblichen Treuhandstundenansatz verrechnet habe. Liechti führt ins Feld, dass er in der fraglichen Zeit rund 2800 E-Mails erhalten und gegen 1500 beantwortet habe. Seine Stellenpensum bei der Treuhandfirma Engel Copera habe er auf 50 Prozent reduzieren müssen.

Die Finma fordert die Rückerstattung der Bezüge aus den Mandatsverträgen seit 2009. Die Verfügung ist noch nicht rechtskräftig und kann beim Bundesverwaltungsgericht angefochten werden. Bosch wird den Einbezug anfechten.

Auch die anderen Verwaltungsräte müssen um ihre Zusatzeinnahmen bangen. Der von der Finma eingesetzte Peter Eckert sagt: «Wir prüfen verschiedene Optionen, auch die einer Zivilklage.» Damit macht er klar, dass die neue KPT auch die geheim ausbezahlten Zusatzhonorare von Simon Schenk (ehemaliger Berner SVP-Nationalrat) sowie von Willi Morger und Sandra von May zurückfordert.

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