Das gab es im Schweizer Tourismus noch nie: Zwei Wintersportgebiete, die eigentlich Konkurrenten sind, machen gemeinsame Sache. Heute Sonntag starten das Bündner Schneesportgebiet Arosa/ Lenzerheide und der Walliser Skiort Saas-Fee eine 50 000 Franken teure Werbekampagne mit dem Ziel, die teilweise unbekannten Zusatzdienstleistungen ihrer Destinationen übersichtlich und kompakt aufzulisten. Dazu gehören der kostenlose Ortsbus, die Gratis-Skischule für Kinder oder die Gratisanreise mit dem öffentlichen Verkehr.

«Wir wollen darstellen, dass zwar der Preis teurer geworden ist, wir aber auch viel dafür bieten – vielleicht mehr, als viele wissen», sagt Pascal Jenny, Tourismusdirektor von Arosa. Die Idee entstand wenige Tage nach dem Entscheid der Nationalbank, den Euro-Mindestkurs aufzuheben. Damit wurden Ferien in der Schweiz für Gäste aus dem Euroraum auf einen Schlag um 20 Prozent teurer. In Arosa sind deswegen die Anfragen aus EU-Ländern für den März um 50 Prozent eingebrochen. Gleichzeitig locken die günstigeren Nachbarländer die Schweizer Gäste an.

Die Kampagne mit TV-Spots, Plakaten und Social-Media-Präsenz startet zunächst in der Schweiz. Mitte Februar wird sie auf den zweitwichtigsten Markt, Deutschland, ausgedehnt. In einer dritten Phase werden auch gemeinsame Produkte angeboten. Geplant ist beispielsweise ein Tiefpreis-Paket für die zweite Hälfte der Wintersaison: Wer mindestens vier Hotelnächte bucht, erhält auf Übernachtung, Skipass und Verpflegung einen Rabatt von 20 Prozent.

Bemerkenswert ist, dass die Frankenstärke zwei Gebiete zusammenrücken lässt, die 155 Kilometer auseinanderliegen. «Wenn jeder für sich arbeitet und nur den eigenen Ferienort vermarktet, dann verpufft das», sagt Pascal Schär, Tourismusdirektor von Saas-Fee. «Daran kränkelt der Schweizer Tourismus heute. Zusammen erreicht man mehr.» Sein Aroser Kollege Pascal Jenny sagt: «Unsere Konkurrenten sitzen nicht im Wallis, sondern in Österreich und im Südtirol.»

Jürg Schmid, Direktor von Schweiz Tourismus, nimmt die gemeinsame Aktion der Bündner und Walliser erfreut zur Kenntnis. «Das ist der Weg: Kantönligeist fallenlassen und mit Kooperationen in die Offensive gehen. Diese Orte werden nun zusammen vermehrt gehört.» Der Kooperationsdruck werde mit dem starken Franken zunehmen, sagt Schmid. «Und das ist gut so. Jetzt muss auch der Letzte verstehen, dass wir nur zusammen weiterkommen.»

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