Mit 11,5 Millionen Passagieren im Jahr ist Nizza an der Côte d’Azur der drittgrösste Flughafen Frankreichs – nach den Pariser Flughäfen Charles de Gaulle und Orly. Um die Staatskasse aufzubessern, will die «Grande Nation» Nizza und weitere Flughäfen privatisieren – was in Kloten auf Interesse stösst. Laut Daniel Schmucki, Finanzchef der Flughafen Zürich AG (FZAG), planen die Zürcher, an der Ausschreibung für die Konzession in Nizza teilzunehmen, zusammen mit dem australischen Infrastrukturfonds Hastings. Je nachdem, welche weiteren Flughäfen privatisiert würden, werde man auch sie prüfen, sagt Schmucki.

Die FZAG, die zu 33 Prozent dem Kanton Zürich gehört, hat ihre Ausland-Strategie erweitert. Dem Vernehmen nach hat Schmucki kürzlich vor Analysten angekündigt, dass man in den nächsten zwei Jahren rund 800 Millionen Franken investieren wolle – einerseits in Kloten, aber eben auch in ausländische Engagements. Das ist massiv mehr als in den Vorjahren.

FZAG-Sprecherin Jasmin Bodmer will den Betrag und den Zeitraum nicht bestätigen. Sie sagt aber, dass man «in den kommenden Jahren» gewillt sei, deutlich mehr auszugeben – sofern die Opportunitäten als positiv bewertet würden. «Es scheint, als wolle man sich nun auch an grössere Flughäfen wagen, wie Nizza zeigt», sagt Armin Rechberger, Analyst der Zürcher Kantonalbank (ZKB). Laut französischen Berichten beträgt der 60-Prozent-Staatsanteil in Nizza rund 1,6 bis 1,8 Milliarden Euro. An Ausschreibungen für andere europäische City-Flughäfen waren die Zürcher einige Male gescheitert, vor allem weil von den Staaten riesige Summen verlangt wurden. «Bei diesen Flughäfen ist aber das Risiko gewöhnlich kleiner», sagt Rechberger.

Die FZAG ist schon heute an zehn Flughäfen in sieben Ländern in Lateinamerika und Asien präsent, sei es in Form von Beratungsmandaten, wie in Kasachstan, oder mit Beteiligungen, wie auf der Karibikinsel Curaçao, in Chile oder Brasilien. Wirklich lukrativ ist das Auslandengagement bisher nicht – mit einer Ausnahme: 2009 konnten die Zürcher in Indien 12 Prozent ihrer Aktien am Flughafen Bangalore verkaufen und 75 Millionen Franken verbuchen. «Ansonsten ist der Beitrag an den Ertrag fast schon vernachlässigbar», sagt Rechberger. Tatsächlich sind es gewöhnlich einstellige Millionenbeträge. Das ist wenig bei einem Konzerngewinn von zuletzt 180 Millionen Franken.

Als langfristiges Ertragsziel nannte Schmucki einst 20 Millionen Franken für das Ausland. Ein Ziel, das 2015 wohl verpasst wurde. Laut Geschäftsbericht resultierte bei den assoziierten Gesellschaften in Brasilien oder Chile ein Wertverlust von rund 10 Millionen Franken (siehe Kasten). Bei den konsolidierten Gesellschaften gab es laut FZAG ein positives Resultat, ohne dass Zahlen genannt werden.

Dass die Ausland-Engagements Gefahren beinhalten können, zeigt Venezuela. 2006 enteignete Venezuelas inzwischen verstorbener Präsident Hugo Chavez die Zürcher. Auch ein Brief des damaligen FZAG-Chefs Thomas Kern höchstselbst an Chavez brachte keine Einigung. Die 49,5%-Beteiligung am Flughafen Isla Margarita ging flöten – und verursacht Kosten bis heute. Zwar entschied das internationale Schiedsgericht in Washington D. C. 2014 zugunsten der Zürcher und verpflichtete Venezuela zu Entschädigungszahlungen. Doch der Staat erhob Einspruch, und so stehen im August erneut mündliche Verhandlungen in D. C. an, zu denen die Zürcher hinfliegen müssen. «Da stellt sich die Frage, wie sinnvoll diese Strategie ist», sagt ZKB-Analyst Rechberger.

Dasselbe fragte SP-Kantonsrat Ruedi Lais – und antwortet gleich selbst: «Im Flughafen Zürich stecken noch immer viele öffentliche Gelder. Es ist seine Aufgabe, für gute Fluganbindungen zu sorgen, aber nicht in riskante Geschäfte wie in Venezuela zu investieren.» Er wünsche sich, dass dafür separate Gesellschaften gegründet würden, um das Risiko für die Steuerzahler zu minimieren.

Der Drang aus dem Kerngeschäft zeigt sich auch beim Milliarden-Projekt «The Circle», das die FZAG mit dem Assekuranz-Konzern Swiss Life verfolgt. Der Komplex entsteht vis-à-vis dem Flughafengelände und soll 2019 eröffnet werden. Zu den Vormietern des Luxus-Tempels gehören die Hyatt-Hotelgruppe, der Uhrenhersteller Swatch sowie das Universitätsspital Zürich. Zuletzt stockte die Akquirierung neuer Mieter. Die FZAG begründet die aviatikfernen Pläne mit den Wachstumsgrenzen in Kloten. Aufgrund von politischen Rahmenbedingungen stosse das Fluggeschäft mittelfristig an die Sättigungsgrenze. Und: Im Ausland strebe man ein «Wachstum mit Augenmass und nicht um jeden Preis» an.

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