Zürich ist und bleibt der grösste Schweizer Flughafen – doch Genf und Basel holen kräftig auf. Dies zeigt ein Vergleich der monatlichen Passagierzahlen 2013. Während sie sich in Zürich zwischen minus 2,9 und plus 2,1 Prozent bewegen, liegen sie an den anderen beiden Flughäfen stets deutlich im Plus, in Genf per Ende November kumuliert 3,9 Prozent und in Basel gar 10 Prozent. In Zürich sind es nur 0,2 Prozent.

Genf und Basel profitierten in den letzten Jahren vom stark erweiterten Angebot des englischen Billigfliegers Easyjet. Über 10 Prozent der Easyjet-Gesamtflotte sind mittlerweile in Basel und Genf stationiert. Die 21 Flugzeuge beförderten zuletzt 9,5 Millionen Passagiere – ein Wachstum von 12,3 Prozent. In Genf wurde das Passagiervolumen laut Easyjet-Nordeuropa-Chef Thomas Haagensen in den letzten vier Jahren gar verdoppelt.

«In der Dreiländerregion rund um Basel besteht grosses Wachstumspotenzial, denn die Nachfrage ist mit 3 Millionen Einwohnern, die weniger als eine Stunde Fahrzeit vom Flughafen Basel entfernt wohnen, sehr gross», sagt Haagensen. Ende März fliegt auch die irische Ryanair wieder ans Rheinknie. Laut Aviatik-Spezialist Hansjörg Bürgi vom Magazin «Skynews.ch» wäre noch mehr möglich: «Wenn der lange geplante Bahnanschluss endlich Realität würde, könnte Basel auch einen Teil des Zürcher Verkehrs übernehmen.»

Für 2014 rechnet der Basler Euroairport mit einem Wachstum von 5,8 Prozent auf 6,2 Millionen Passagiere. «Wir haben eine Kapazität für rund 8 Millionen Passagieren», sagt Sprecherin Vivienne Gaskell. Schon jetzt plant der Euroairport den Bau eines leistungsfähigeren Gepäcksortiersystems und einen grösseren Ankunftsbereich.

In der boomenden Léman-Region wächst der Flughafen Genf dank mehr Destinationen und grösseren Maschinen weiterhin markant. Laut Hansjörg Bürgi ist allerdings wegen der einzigen Piste das Ende der verfügbaren Slots absehbar. Man verfüge noch über «ein gewisses Potenzial», sagt Flughafen-Sprecher Bertrand Stämpfli. Allerdings muss zum bestehenden Terminal ein neuer Ost-Flügel gebaut werden für die Abfertigung der Langstrecken-Flüge.

Zürich zählt rund 25 Millionen Passagiere pro Jahr und hätte theoretisch ein Potenzial für 35 Millionen. «Viel wichtiger sind aber die Spitzenkapazitäten», sagt Flughafen-Sprecherin Sonja Zöchling. Denn im Gegensatz zu Genf und Basel, die in erster Linie Direktverbindungen anbieten, ist Zürich ein Drehkreuz, das auch auf Umsteigepassagiere ausgerichtet ist. «Das Netzwerk mit dem Zubringersystem zu betreiben, ist komplexer als die Punkt-zu-Punkt-Verbindungen an den anderen Standorten», sagt Swiss-Sprecherin Susanne Mühlemann.

Nebst der längeren Nachtflugsperre kommt in Zürich laut Hansjörg Bürgi hinzu, dass der Flughafen wegen der Fluglärmdebatte «massiv politisch gelähmt» sei und die An- und Abflugwege in Bezug auf die Effizienz und Sicherheit nicht ideal seien. «Solange in Zürich ‹Politics first› und nicht ‹Safety first› gilt, ändert sich daran nichts.»

Während die Swiss in Zürich die absolute Nummer 1 ist, ist sie in Genf und Basel im Hintertreffen. Gegenüber 2006 hat die Swiss die Anzahl Destinationen in Genf zwar mit 21 verdreifacht und die Passagierzahl mit 2 Millionen im Jahr 2012 verdoppelt. Allerdings wollen auch andere Airlines ein Stück vom Genfer Kuchen. Deshalb versucht die Swiss nun der Konkurrenz mit Kampfpreisen und neuen Buchungsklassen Paroli zu bieten. Sollte diese Strategie Erfolg haben, könnte sie die Swiss auch in Basel anwenden. 2011 hatte sie dort zusammen mit der damals zur Lufthansa gehörenden BMI noch grosse Wachstumspläne verkündet. Kurz darauf wurde BMI vom Kranich-Konzern abgestossen – und damit kam auch die Swiss-Offensive zum Erliegen.

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