VON YVES DEMUTH

Der Top-Jobschaffer von 2011 ist Lidl. Mit der geplanten Eröffnung von 30 weiteren Filialen im kommenden Jahr wächst der Personalbedarf des Discounters rasant. 350 bis 400 neue Stellen schafft Lidl-Chef Andreas Pohl deshalb in den nächsten zwölf Monaten. 2012 sollen voraussichtlich nochmals so viele dazukommen, wie Pohl dem «Sonntag» sagt.

Dank dem erstmals abgeschlossenen Gesamtarbeitsvertrag sollte für Lidl die Besetzung dieser Stellen einfach sein. Denn mit dem ab nächstem März gültigen Arbeitsvertrag kann Lidl Schweiz das schlechte Arbeitgeber-Image korrigieren und Mitarbeitern Arbeitsbedingungen bieten, die mit jenen von Coop und Migros vergleichbar sind.

Einen unglaublichen Boom erlebt der zweitgrösste Job-Macher Nespresso. Der Umsatz von Nestlés Kapselkaffee-System wuchs jährlich um rund 30 Prozent. Die weltweit einzigen Produktionsstätten in Avenches VD und Orbe VD genügen Nestlés am schnellsten wachsenden Geschäftsbereich deshalb nicht mehr. In Avenches wird bis 2012 die Zahl der Fertigungsstrassen verdoppelt. Es werden 400 neue Arbeitsplätze vorab in der Produktion entstehen.

Mehr Personal braucht auch die Swiss. Die Fluggesellschaft erhöht die Frequenzen und baut das Streckennetz weiter aus. Bereits seit Sommer fliegt die Swiss neu San Francisco regelmässig an. Die Lufthansa-Tochter wird 2011 deshalb Piloten, Kabinenpersonal und Techniker rekrutieren. Es entstehen 200 zusätzliche Arbeitsplätze. In der Finanzbranche sind die grossen Stellenabbauprogramme ebenfalls beendet. Mehrere Banken rechnen wieder mit einem Job-Wachstum.

Die Credit Suisse hat bereits in diesem Jahr «mehrere hundert Stellen» geschaffen – allein die Informatikabteilung umfasst 300 Mitarbeiter mehr. Die Grossbank rechnet damit, dass sie «auch im kommenden Jahr insgesamt Stellen schaffen» wird. So werden etwa 50 neue Lehrstellen angeboten. Die UBS hat zwar bis Ende September unter dem Strich 693 Vollzeitstellen abgebaut. Die Abbaumassnahmen blieben allerdings auf die erste Jahreshälfte beschränkt. I

m dritten Quartal schuf die UBS bereits wieder 166 Vollzeitstellen. Mit einem weiteren Ausbau ist 2011 aber nicht zu rechnen – im Gegensatz etwa zur Privatbank Julius Bär, die weiter wachsen will, oder Postfinance, die im nächsten Jahr über 100 neue Stellen schaffen möchte.Der gelbe Riese will auch im Bereich Postauto 100 neue Chauffeure einstellen. Trotzdem geht die Post für 2011 insgesamt von einer stabilen Anzahl Vollzeitstellen aus, da in anderen Bereichen wie etwa der Briefpost Stellenprozente abgebaut werden.

Bei den vier grössten Schweizer Arbeitgebern sieht es ähnlich wie bei der Post aus. Bei den SBB liegt der Fokus ebenso auf Produktivitätssteigerungen wie bei den Grossverteilern Migros und Coop. Beim Detailhandel kritisieren Gewerkschafter, dass der Markteintritt Lidls zwar zu tieferen Preisen geführt habe, dadurch aber Arbeitsplätze bei den beiden Grossverteilern verloren gehen. Migros und Coop, die zusammen über 100000 Vollzeitstellen bieten, stellen dies zwar in Abrede. Doch ging die Zahl Vollzeitstellen bei Migros in diesem Jahr leicht zurück – unter anderem wegen Produktivitätssteigerungen aufgrund des intensiven Preiskampfs.

Ebenfalls trüb sind die Perspektiven für Basels Pharmakonzerne. Roche streicht in der Schweiz 530 Stellen, und bei Novartis wird der Spardruck ebenfalls zunehmen. Gegensteuer im Raum Basel geben hingegen der Saatgutkonzern Syngenta sowie das Biotechunternehmen Actelion. Sie befinden sich weiterhin auf Expansionskurs. Die Maschinen- und Elektroindustrie wird 2011 einer harten Prüfung unterzogen. Die Frankenstärke wirkt sich auf 79 Prozent der Industriefirmen negativ aus, wie eine Umfrage der Nationalbank vom 24. Dezember zeigt. Bei Alstom sollen zudem 760 Arbeitsplätze verschwinden.

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