VON PETER BURKHARDT

Weder Rettungspakete noch Sparmassnahmen lösen die Probleme der Eurozone. Das ist der Befund der Grossbank UBS. In ihrer kürzlich veröffentlichten Studie «Die Zukunft des Euro» zeichnet sie ein düsteres Bild der europäischen Einheitswährung. Er sehe «die Existenz des Euro in Gefahr», schreibt Chefökonom Andreas Höfert.

«Statt der erhofften Stabilität im Zug der Finanzkrise traten massive Ungleichgewichte innerhalb der Europäischen Währungsunion zutage, die den Euro und die europäische Integration gefährden.» Der Einheitszins für alle Mitgliedsländer und grosse strukturelle Unterschiede hätten wirtschaftliche Verzerrungen hervorgebracht.

Das Grundproblem ist laut der UBS, dass «ein eigentlicher Grabenbruch mitten durch die Eurozone geht». Auf der einen Seite stehen die vier gesunden «Kernländer» Deutschland, Österreich, die Niederlande und Finnland, die weltweit konkurrenzfähig sind und ihre Leistungsbilanzüberschüsse steigern konnten.

Auf der anderen Seite finden sich die vier schwächelnden «Peripherieländer» Spanien, Irland, Portugal und Griechenland. Sie werden immer weniger wettbewerbsfähig, ihre Handelsbilanzen verschlechtern sich zunehmend und ihre Staatsverschuldung steigt.

Die Einführung des Euro hat also nicht zur erträumten Annäherung zwischen den Mitgliedsländern geführt. Im Gegenteil wurden die Unterschiede sogar noch vergrössert. Viele der Auswege seien blockiert, schreibt die UBS. So stehe die Option einer Währungsabwertung nicht mehr zur Verfügung.

Daran ändert laut Sandro Merino, Leiter Research Europa der UBS, auch das Programm für mehr Haushaltdisziplin nichts, welches die EU-Kommission am Mittwoch vorgelegt hat. Sie will Euroländer, die wirtschaftlich nicht mithalten können, mit Strafmassnahmen zu Reformen zwingen und Defizitsünder schärfer büssen.

«Die Schwachpunkte der Währungsunion sind damit nach wie vor vorhanden», sagt Merino. Laut der UBS-Studie reicht die Wurzel des Problems viel tiefer: Die wirtschaftlichen Ungleichgewichte hätten inzwischen ein solches Ausmass angenommen, «dass sie unseres Erachtens zwangsläufig zu einer Neuordnung oder Aufspaltung der Europäischen Währungsunion führen werden.

Kurzfristig kann eine überraschende und schnelle Auflösung, ein plötzliches Ausscheiden eines Landes oder ein Auseinanderbrechen nicht völlig ausgeschlossen werden.» Als mögliche Ursachen sieht die UBS soziale Unruhen in den «Peripherieländern» oder den totalen Zahlungsausfall eines Eurolandes.

Das sei aber wenig wahrscheinlich. Langfristig müsse deshalb die Eurozone umgestaltet werden. «Das könnte auch heissen, dass einige Länder die Eurozone verlassen müssen, damit der Euro überleben kann.»

Hierzu machen die UBS-Ökonomen einen verblüffenden Vorschlag: Ein Austritt von Griechenland, das im Zentrum der Schuldenkrise steht, würde die Probleme der Union nicht lösen. «Interessanter- und überraschenderweise scheint es am vernünftigsten, dass Deutschland ausscheidet.»

Dieses dominiere mit seiner exportgetriebenen, wettbewerbsfähigen Wirtschaft und seiner vergleichsweise zurückhaltenden Ausgabenpolitik die Zinspolitik der Eurozone. «Die Peripherieländer stecken einfach in einer wirtschaftlichen Zwangsjacke», so die UBS.

Die Lösung sieht sie in der Einführung einer neuen deutschen Währung, die sich gegenüber dem Euro deutlich aufwertet. Das hätte laut UBS für beide Seiten Vorteile: Gestärkt würden die deutsche Binnenwirtschaft und die deutschen Konsumenten. Profitieren würden aber auch die anderen Länder der Eurozone: Ihre Wettbewerbsfähigkeit nähme zu, weil ihre Exportindustrien von deutschen Konkurrenten nicht mehr an die Wand gedrückt würden.


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