VON PATRIK MÜLLER

Bruno Gehrig hatte seine erste Verwaltungsratssitzung just vor dem 16. Oktober 2008, dem Tag der Staatshilfe. Was er antraf, erstaunte den Starökonomen, der jahrelang im Direktorium der Schweizerischen Nationalbank gesessen hatte: «Ich war überrascht, was für eine Belastung auf die UBS in den USA zukommt.» Und Gehrig weiter: «Über Jahre machte man Sachen, die verboten waren – das hat mich enttäuscht.» Eine unmissverständliche Anprangerung der illegalen Steuerumgehungspraxis in Amerika. So deutlich hatte es noch keiner aus der Bank selbst gesagt.

Gehrig spricht glasklar und druckreif – obwohl er im Herbst 2005 einen Hirnschlag erlitten hat. Dieser Schock war es, der ihn davon abhielt, nach Marcel Ospels Rücktritt das Verwaltungsratspräsidium zu übernehmen. An einem Kundenanlass der PR-Agentur L & W Communications beeindruckt der Wirtschaftsprofessor, der bis vor kurzem Verwaltungsratspräsident der Swiss Life war, durch seine Offenheit. Noch immer fliesse Geld ab aus der UBS, «das New Money ist negativ», so Gehrig. «Insofern ist die UBS noch nicht über den Berg. Dies sollte aber bald der Fall sein. Im Verlauf dieses Jahres sollte es möglich sein, die Schwelle zur Profitabilität zu überschreiten, vielleicht gegen Jahresende.»

Dann sei es aber noch ein weiter Weg: «Wir benötigen vielleicht zwei oder drei Jahre, bis das Vertrauen wieder zurück ist.» Gehrig engagiert sich persönlich, um Vertrauen zu schaffen. Er tritt an Kundenanlässen auf, kommende Woche etwa in St. Gallen.

Wiederholt spricht Gehrig vom «alten Management» – und verhehlt nicht seinen Ärger über die Fehler von Marcel Ospel, Marcel Rohner, Peter Kurer & Co. «Das alte Management wurde abgelöst, weil es besser war, neu zu beginnen und die Ära Ospel zu vergessen», so Gehrig im Gespräch mit dem «Sonntag». Die ehemaligen Chefs hätten es auch versäumt, die Kosten zu senken, so wie dies dringend nötig gewesen wäre und nun nachgeholt wird. Gehrig: «Mit Ossi Grübel läuft es jetzt gut.»

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