Langsam beginnen sich die Fälle zu häufen. 32 Frauen und 38 Männer sind bei der eingestellten Gratiszeitung «.ch» betroffen. Beim Industriekonzern OC Oerlikon sind es 132 Mitarbeiter des verkauften Geschäftsbereichs Optics.
Und den über 100 Entlassenen bei OC Oerlikon in Balzers und Trübbach droht dasselbe – eine Teilliquidation der Pensionskasse. Dies heisst bei einer Kasse in Unterdeckung: Den Entlassenen wird nicht ihr gesamtes Pensionskassenguthaben ausbezahlt, sondern nur ein Teil davon. Möglich ist dies in der Regel dann, wenn mehr als 10 Prozent der Belegschaft entlassen werden.

Bei «.ch» werden die Leute tatsächlich nicht nur auf die Strasse gestellt, sie verlieren auch noch einen Teil ihres angesparten Altersguthabens. Die «.ch»-Pensionskasse PKG mit einem Anlagevolumen von 2,4 Milliarden Franken hat momentan eine Deckung von 93,2 Prozent. Hat ein «.ch»-Angestellter in seinem bisherigen gesamten Berufsleben 200 000 Franken in eine Pensionskasse einbezahlen müssen, verliert er 6,8 Prozent oder 13 600 Franken.

Gemäss Erich Peter, Chef des Zürcher Amts für berufliche Vorsorge und Stiftungen, ist dies der Normalfall: «Gemäss dem Gesetz können Unterdeckungen mitgegeben werden, wobei aber das obligatorische Altersguthaben nicht gekürzt werden darf. Eigentlich ist das eine gerechte Lösung, weil in guten Zeiten auch eine Überdeckung mitgegeben werden muss.» Schwierig sei es natürlich für die Betroffenen, die die Arbeit verlieren und denen gleich auch noch das Vorsorgevermögen gekürzt werde. «Das Pensionskassensystem ist ein sicheres System. Wenn man aber Leistungen in einer garantierten Höhe erwartet, muss dies auch finanziert werden können», so Peter.

Zum Beispiel, indem die Firma dies im Sozialplan vorsieht. Dieses Glück hatten die 60 Entlasssenen der Chemiefirma Clariant. Die Unterdeckung von 3 Prozent wird vom Konzern ausgeglichen. «Die Frage ist aber, ob das bei weiteren Entlassungswellen auch so gemacht werden kann», sagt der Präsident der Betriebskommission, Jörg Studer. Auch der Industriekonzern Georg Fischer zeigt sich kulant und gleicht den Fehlbetrag von 13 Prozent aus. Kostenpunkt: 3 Millionen Franken.

Das Bundesamt für Sozialversicherung warnt, «dass es infolge Umstrukturierungen und Massenentlassungen bei Unternehmungen vermehrt zu Teilliquidationen bei Vorsorgeeinrichtungen kommen wird. Da 50 bis 60 Prozent aller Vorsorgeeinrichtungen eine Unterdeckung aufweisen, wird es für Versicherte zu finanziellen Einbussen kommen», so Daniel Ruppen.

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