Am 22. Februar veröffentlichte der Verwaltungsrat des Ostschweizer Bauausrüsters eine «Einigung zwischen AFG und Edgar Oehler». Das Gremium zwang den Patron, private Bezüge in der Höhe von 2,4 Millionen Franken zurückzahlen. Umgekehrt machte er 500000 Franken für nicht bezogene Ferien geltend.

Der «Einigung» ging ein wochenlanges Seilziehen voraus. Gemäss Recherchen ging die interne Untersuchung wesentlich weiter und umfasste auch millionenschwere Projekte, die Oehler teilweise ohne Einwilligung des Verwaltungsrats vorantrieb. Dazu gehören:

Headquarter «de Luxe»: 1,5 Millionen Franken (nicht genehmigt).
Oehler hat das Budget für den Bau in Arbon massiv überschritten, statt 25 Millionen Franken kostete der Bau schliesslich 50 Millionen. Ein Teil davon geht zulasten privater Wünsche Oehlers. Unter anderem liess er sein Büro in eine feudale Lounge umfunktionieren, er verbaute teuerstes Material. Der Verwaltungsrat hatte dazu nichts zu sagen, da Oehler sich vom Management eine Generalvollmacht ausstellen liess.

Sponsoring/PR in eigener Sache:1,5 Millionen Franken
Hier gibt es Ausgaben, die Oehler vor allem im eigenen Interesse und nicht im Dienste des Unternehmens machte. Dazu gehört zum Beispiel die AFG-Lounge im St.Galler Fussballstadion, die vor
allem von seiner Familie mitsamt Anhang und seiner persönlichen Entourage genutzt wurde. Die Firma und die Mitarbeitenden profitierten weniger. Weitere Beispiele: Riders-Cup-Sponsoring für mehrere 100000 Franken, grosszügiges Cash-Daily-Sponsoring für ebenfalls mehrere 100000 Franken.

Miele-Küchen-Projekte: 4,0 Millionen (nicht genehmigt)
Oehler verfolgte diverse Küchen-Projekte in eigener Sache, ohne Einverständnis des Verwaltungsrats. So gab er zum Beispiel im Zusammenhang mit den Miele-Küchen unmittelbar nach dem Erwerb des Unternehmens im Vorstadium einer möglichen künftigen Zusammenarbeit mehrere Millionen aus. Diese Projekte wurden umgesetzt. Eines davon trug den Projektnamen «Stella» und stand für eine mögliche Zusammenarbeit mit «Armani Casa» – also mit dem Hause Armani – zu völlig überrissenen Konditionen.

Profite aus Küchenrabatten/ MA-Konditionen): 7,0 Millionen (nicht genehmigt). Dieser Betrag ist schwierig zu beziffern, da er sich über viele Jahre hinzog. Insgesamt baute Oehler rund 100 Wohnungen, die er in fünf eigenen Immobilienfirmen verwaltet.

Hartchrom/STI: 62,0 Millionen (vom VR genehmigt).
Besonders teuer zu stehen für die Aktionäre kommt der Kauf der Firma Hartchrom. Oehler verkaufte 2007 den Oberflächenveredler aus seinem persönlichen Besitz an die AFG und erhielt dafür 62 Millionen Franken in bar. Der Preis basierte weitgehend auf einem Businessplan, den Oehler selbst erstellte. Die Firma war marode und schrieb bald nach der Integration nur noch
Verluste und musste restrukturiert werden.

Für Oehler war der Hartchrom/STI-Deal sehr lukrativ. Er hatte die Firma für 20 Millionen Franken gekauft. Aufschlussreich ist sein Kommentar am Schluss der Medienkonferenz zum Hartchrom/STI-Verkauf im Januar 2007 sagte: «Aus meiner persönlichen Sicht als Verkäufer der STI kann ich festhalten, dass in dieser Preisgestaltung sowohl meine Wünsche zur Sicherstellung der Zukunft der STI als auch meine finanziellen Erwartungen zum Ausdruck kommen.»

Attika-Wohnung: 3,0 Millionen Franken (nicht genehmigt).
Bei dieser Privatwohnung, die Oehler an die AFG als Showroom vermietete, sind seit 2007 weitere Einbauten und Anpassungen dazugekommen, weshalb sich der Wert gegenüber den ursprünglichen Einbauten von 2 Millionen Franken noch erhöht hat. Oehler hat die Wohnung über Jahre für sich und seine Familie benutzt. Im Rahmen der Einigung hat er die Einrichtungen für 1,2 Millionen übernommen.

Spesen aller Art: 1,8 Millionen Franken (Schuldeingeständnis).
Oehler hat private Blumensträusse, Tankrechnungen, private Fahrzeuge für sich und seine Familie über die Firma abgerechnet. Dies ist ebenfalls Teil der Vereinbarung und des Schuldeingeständnisses. Oehler zahlte 1,2 Millionen zurück.


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