Economiesuisse bekommt mit Heinz Karrer nicht nur einen neuen Präsidenten. Der Dachverband der Wirtschaft wird auch kräftig umgebaut. Oder «repositioniert», wie es Vizepräsident Hans Hess ausdrückt. «Im Verlauf des Sommers haben wir im Vorstandsausschuss dazu ein Massnahmenpaket erarbeitet.» Wichtigster Punkt: «Economiesuisse konzentriert sich in Zukunft thematisch auf das Wesentliche.» Die drei Kernthemen seien: die Aussenwirtschaft und insbesondere die Beziehungen zur EU, die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen für möglichst wettbewerbsfähige Unternehmen sowie die Energiepolitik, weil ohne Strom die Wirtschaft nicht funktionieren könne. Die Zeit, in der Economiesuisse Politiker und Medien mit Bergen von Positionspapieren und Communiqués regelrecht eindeckte, sei vorbei, verspricht Hess.

Eine Folge der thematischen Konzentration beim Dachverband: Die Branchenverbände erhalten mehr Gewicht. Unter ihnen auch der Maschinenindustrieverband Swissmem von Hans Hess. «Wir machen jetzt das, was wir eigentlich schon 2005 hätten tun sollen», erklärt Hess. Damals muckte Swissmem unter Präsident Johann Schneider-Ammann, dem Vorgänger von Hess, auf und drohte gar aus Economiesuisse auszutreten, weil den Anliegen der Industrie in dem von Banken und Pharma dominierten Spitzenverband zu wenig Beachtung geschenkt wurde. Die Economiesuisse kam der Industrie entgegen, und Swissmem blieb Mitglied. «Damals hat man den ersten Schritt getan: Wir werden heute innerhalb von Economiesuisse viel besser erhört. Doch jetzt ist die Zeit reif für den zweiten Schritt: Wir wollen unsere Swissmem-Positionen gegenüber Politik, Verwaltung und Öffentlichkeit noch klarer und direkter vertreten.»

Die Branchenverbände sollen künftig einzeln für ihre spezifischen Anliegen kämpfen. «Wenn Einzelinteressen auf Stufe Economiesuisse angepackt werden, kann es schlecht herauskommen», sagt Hess und verweist auf die Swissness-Vorlage: Swissmem wollte, dass bei Industrieprodukten nur 50 Prozent der Herstellungskosten hierzulande anfallen müssen, der Uhrenverband pochte auf 60 Prozent. Der unorthodoxe Vorschlag von Economiesuisse: 50 Prozent für alle ausser für die Uhren. Das Parlament ging nicht auf diesen Deal ein und beschloss 60 Prozent für alle – zum Leid der Industrie. «Dieser Fall zeigt exemplarisch: Es wäre besser gewesen, wir hätten unsere Argumente als Swissmem dargelegt und verteidigt, so wie das auch der Uhrenverband getan hat. Dann können die Politiker entscheiden, wem sie folgen sollen», sagt Hess.

Auch nach innen erhalten die Verbände mehr Macht: «Wir müssen die Branchenverbände und Fachkommissionen in Zukunft besser einbinden», sagt Hess. «Ihnen besser zuhören, damit wir merken, wo ihre Interessen sind. Und ihr spezifisches Wissen besser nutzen.»

reformbedarf erkennt Hess auch bei der Kommunikation. «In den vergangenen Jahren und Monaten sind wir von einer Kampagne zur nächsten gehetzt. Wir sind nicht eine Kampagnenorganisation.» Hess möchte, dass der Dachverband kontinuierlich einen «Informationsteppich» ausrollt, der Politik, Verwaltung und Öffentlichkeit auf dem Laufenden hält, was die Wirtschaft brauche, um national und international konkurrenzfähig zu werden oder zu bleiben.

Damit die Botschaft auch gehört wird, gibt es einen neuen Stil. «Wir müssen mit der Öffentlichkeit und mit der Politik verständlicher kommunizieren», sagt Hess. «Es braucht eine klare und verständliche Sprache, einen neuen Ton und eine neue Bescheidenheit.» Das erhofft sich Economiesuisse nun vom mediengewandten und in der Politik gut vernetzten Heinz Karrer.

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