Google hat diese Woche die vorweihnachtliche Preisschlacht bei den E-Books eingeläutet. Der Internetgigant lancierte in der Schweiz in seinem Onlineshop «Google Play» den Verkauf von elektronischen Büchern und Comics. Hunderttausende digitale Werke stehen nun zum Herunterladen bereit. Im Ausland bietet Google zudem auch Zeitschriften, Filme und Serien auf seiner Play-Plattform an. Damit greift Google in erster Linie den Online-Händler Amazon an.

Ein Preisvergleich zeigt nun: Google unterbietet die Preise der Konkurrenz deutlich. Romane sind zum Teil um die Hälfte billiger. Ein Beispiel: Der neue Krimi-Bestseller «Inferno» von Dan Brown kostet als E-Book auf Exlibris.ch, Books.ch (Orell Füssli) und Weltbild.ch je 23 Franken, bei Google hingegen nur Fr. 16.10. Damit sind die Schweizer Anbieter 42 Prozent teurer. Bei anderen Büchern beträgt der Aufschlag sogar bis zu 164 Prozent!

Bisher scheint Google auf seiner neuen Plattform vor allem mit erotischen Stoffen punkten zu können. Die Rubrik Top-Bestseller zeigt vor allem Titel wie «Lust und Schmerz», «Der perfekte Liebhaber», «Blosse Fantasie und andere scharfe Storys» oder «Der Super-Orgasmus» in den vordersten Rängen. Offenbar ist der Online-Kanal beliebt für solche Bücher, da die Hemmschwelle im realen Laden grösser ist, leicht anrüchige Werke zu kaufen.

Noch sind E-Books für den Buchhandel in der Schweiz ein Nischengeschäft, doch das Beispiel von Google zeigt: Die Marktdynamik nimmt zu – und mit ihr steigen auch die Umsätze. Man rechne derzeit damit, dass im laufenden Jahr der Umsatzanteil der E-Books auf 5 bis 7 Prozent ansteige, sagt Dani Landof, Geschäftsführer des Buchhändler- und Verlegerverbands (SBVV). Michele Bomio, Chef von Orell Füssli Thalia, sagte diesen Sommer im Gespräch mit der «Schweiz am Sonntag», er rechne damit, in «zwei bis drei Jahren» rund 15 Prozent des Umsatzes mit E-Books zu machen.

Genaue Zahlen zum digitalen Markt gibt es heute noch nicht. Offenbar können von der Marktforschung des Buchhändlerverbandes, die ansonsten jedes Buch erfasst, keine Detailzahlen erhoben werden, weil der Marktanteil von Amazon noch derart hoch ist, dass sich dieser einer Auswertung widerlegt, um einen Einblick in das eigene Geschäft zu erlauben.

Beim Schweizer Anbieter Ex Libris gibt man sich entspannt gegenüber dem neuen Kampfangebot. Google sei nun gerade mal zwei Tage auf dem Markt, sagt Sprecherin Marie-Christine Schindler. «Natürlich beobachten wir die Entwicklungen über die Markt-Eintritts-Phase hinaus sehr aufmerksam. Für eine Beurteilung ist es jedoch noch zu früh.»

Mittlerweile setzen auch kleine, unabhängige Buchhandlungen auf elektronische Bücher. Zusammen mit dem Verband haben sie vor rund einem Monat den E-Book-Reader «eBookit» lanciert. Buchhandlungen können das Gerät so programmieren, dass es beim Kauf bereits direkt mit dem eigenen Online-Auftritt verbunden ist. Der Anbieter könne aber durchaus frei gewählt werden, sagt Verbandsdirektor Landolf. Der Verband hofft, im Weihnachtsverkauf mit dem eigenen Produkt punkten zu können.

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