Ende August informierte Präsident Urs Rohner den Verwaltungsrat der Credit Suisse über eine wichtige Strukturanpassung. Das Asset Management sollte als eine von drei Divisionen verschwinden und unter den Bereichen Vermögensverwaltung und Investmentbank aufgeteilt werden. Ziel war ein Entscheid bis Ende September. Wer meinte, die Sache sei gegessen, machte die Rechnung ohne CS-CEO Brady Dougan. Ohne eigenständiges Asset Management sah Dougan seine umfassende Machtposition gefährdet. Der Konzernchef hatte die Division stets zum gleichwertigen Pfeiler seiner Onebank-Strategie erklärt.

Tatsächlich hiesse der grosse Sieger Hans-Ulrich Meister. Der Chef der CS-Vermögensverwaltung und seine Schweizer Mitstreiter würden das Filetstück des Asset Managements erhalten. Meister könnte seinen Gewinnbeitrag erhöhen und mehr Boni für sich und seine Truppe einfordern. Im September spitzte sich die Machtfrage zu. Auslöser war CS-Präsident Urs Rohner. Im Magazin «Bilanz» setzte der Bankkapitän eigenhändig ein Fragezeichen hinter das Asset Management als dritte Division. Seither verweist die CS auf diese Aussagen.

Die überraschende Offensive lässt Rohner als schwachen Präsidenten erscheinen. Offensichtlich war er bei Dougan aufgelaufen mit seinem Wunsch, die Vermögensverwaltung und damit die Schweizer Fraktion zu stärken.

Der wahre Herrscher der Bank hiess nach wie vor Dougan. Dieser verteidigt seine Macht mit Zähnen und Klauen. Und dazu gehört eben auch, dass er sich gegen eine Degradierung des Asset Managements stemmt. Alles andere wäre ein Gesichtsverlust für den operativen Chef der Bank. Es würde offensichtlich, dass Dougan mit seiner «heiligen» Onebank, die auf drei Pfeilern basiert, gescheitert ist. Die Schuld an der Misere liegt bei Dougan und seinem Asset Management-Chef Robert Shafir. Die beiden Angelsachsen haben nicht geschafft, was sie 2008 nach der Absetzung von Dave Blumer lauthals versprachen – nämlich, das Asset Management zu neuer Blüte zu bringen.

Dies trotz Pauken und Trompeten gleich zu Beginn. Shafir, ein Ex-Lehman-Brothers-Aktienhändler, verkaufte wenige Monate nach seinem Amtsantritt das Ausland-Fondsgeschäft an die aufstrebende schottische Aberdeen-Gruppe. Damit löste er das vermeintlich grösste Problem, nämlich die horrenden Verluste seiner Sparte von jährlich bis zu einer Milliarde Dollar. Die Börse applaudierte. Ab Frühling 2009 explodierte der CS-Aktienkurs von unter 25 auf über 60 Franken. Die Investoren hatten Hoffnung geschöpft und setzten auf ein erfolgreiches Asset Management.

Bald wurden sie enttäuscht. Es zeigte sich, dass weder Dougan noch Shafir ein klares Konzept für eine Vorwärtsstrategie ihres Asset Managements hatten. Statt nach dem Aberdeen-Deal die Finger vom hart umkämpften Fondsgeschäft zu lassen, lancierten sie bald wieder eigene. Noch schlimmer war ihr schlechtes Timing. Dougan und Shafir zahlten vor zwei Jahren über 400 Millionen Dollar für eine 30-Prozent-Beteiligung an York Capital, einen US-Hedgefund. Damit wollten die beiden Amerikaner den Erfolg der US-Grossbank J.P. Morgan kopieren. Diese hatte 2004 eine Mehrheit am Hedgefund Highbridge erworben und kaufte den Rest 2009.

Während die Kunden von J.P. Morgan die Highbridge-Produkte liebten, fand die vermögende Klientel der CS-Vermögensverwaltung wenig Gefallen an den York-Capital-Investments. Die gut 400 Millionen Dollar machten sich nicht bezahlt. Zuletzt blieben die Multi Asset Class Solutions (MACS) als praktisch einziges starkes Business des Asset Managements zurück. MACS strukturiert Vermögensverwaltungsmandate für reiche Kunden im Private Banking der CS, sei es mit Aktien, Zinspapieren oder Produkten anderer Assetklassen.

Faktisch repräsentiert MACS den Schweizer Teil innerhalb des globalen Asset Managements. Unter Führung von Gerhard Fusenig, der in Zürich sitzt, erzielt MACS Bruttorenditen von über 100 Basispunkten. Bei 100 Milliarden verwalteten Vermögen bedeutet das mehr als 1 Milliarde Ertrag im Jahr. Damit stellt MACS vieles im höhermargigen Private Banking in den Schatten. Dorthin würde MACS eigentlich gehören. Es war Dougan, der zwecks Aufpeppung das Geschäft vor ein paar Jahren in sein angelsächsisch kontrolliertes Asset Management verschoben hatte. Das leuchtete nicht ein. Das UBS-Pendant ist jedenfalls im Private Banking.

Ob Dougan doch noch Hand zur Degradierung des Asset Managements bietet, blieb vorerst unklar. Ein CS-Sprecher wollte sich nicht dazu äussern. Mitte Woche jettete Dougan nach London, kurz darauf nach New York. Dort hat Asset-Management-Chef Shafir seine Kommandozentrale. Gut möglich, dass Dougan einen eigenen Coup ausheckt. Damit würde der CEO seinem Präsidenten und der Schweizer Fraktion ein Schnippchen schlagen. Was Dougan braucht, ist eine Story, die sowohl für ihn als auch die Investoren gut klingt. Diese kann nur heissen: Die CS bleibt eine Onebank. Dougan weiss, was sonst als Nächstes aufs Tapet kommt. Warum braucht die CS noch eine Investmentbank als eigene Division? Das ist es, was Dougan wirklich fürchtet.

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