Einmal mehr stehen die Schweizer Grossbanken am Pranger. Besonders für die UBS wäre es fatal, erneut einer Absprache beschuldigt zu werden. Denn als eine der Hauptakteurinnen im Skandal um die Absprache von Libor-Zinssätzen vor eineinhalb Jahren steht die grösste Schweizer Bank unter besonderer Beobachtung.

Die UBS willigte Ende 2012 in eine Zahlung von 1,4 Milliarden Franken ein. 59 Millionen Franken flossen an die Finma. Der Fall brodelt weiter. Erst vor drei Wochen wurde UBS Japan zu einer Zahlung von 100 Millionen Dollar verdonnert. Auch in der Schweiz droht der Bank eine Busse. Die Wettbewerbskommission (Weko) untersucht, ob Händler Zinssätze in London manipuliert hatten. Noch unklar ist, wie hoch die Busse ausfallen könnte. Grundsätzlich richten sich die Bussen der Weko nach den erzielten Umsätzen.

Und jetzt gibt es schon wieder Ärger mit der Weko. Indizien deuten darauf hin, dass Händler der UBS im Devisenhandel Kurse manipuliert haben. Zwei fehlbare Mitarbeiter wurden offenbar bereits entlassen. Für die UBS würde es doppelt teuer, würde nachgewiesen, dass ihre Händler auch beim Handel mit Fremdwährungen illegale Absprachen getroffen haben. Im Wiederholungsfall sieht das Kartellgesetz nämlich eine Verschärfung der Strafe vor. Und obwohl es sich mit dem Devisenhandel um einen anderen Bereich des Bankings handelt, ist die Wertung als Wiederholungsfall wahrscheinlich. Weko-Vizedirektor Patrik Ducrey sagt: «Wenn eine Bank, die vom Libor-Verfahren betroffen ist, noch nach dessen Eröffnung an einer Devisen-Absprache teilgenommen hat, würden wir das mit grosser Wahrscheinlichkeit als mehrfachen Verstoss werten.»

Noch ist unklar, weswegen Weko und Finma ermitteln. Kommuniziert wurde von beiden Behörden diesen Freitag lediglich der Verdacht auf «Manipulation» von Wechselkursen. Die UBS ist einer der ganz grossen Player im globalen Devisenmarkt: Gemäss einer aktuellen Studie von Euromoney hat sie als Nummer 5 einen Marktanteil von 10,1 Prozent. Täglich werden im Devisenmarkt 5 Milliarden Dollar umgesetzt.

Bereits im vergangenen Juni berichtete die Agentur Bloomberg von Devisenmanipulationen, die zur Eröffnung einer Untersuchung durch die britische Financial Conduct Authority (FCA) geführt haben. Demnach haben die Händler Referenzkurse der Finanzagentur Reuters manipuliert. Möglich war dies, weil gemeinhin bekannt war, dass diese Kurse jeweils um 16 Uhr britischer Zeit erhoben werden. Mit gezielten Aufträgen konnten die Händler diese Kurse steuern. Diese Manipulation wirkte sich dann auf andere Geschäfte aus, welche die Referenzkurse als Grundlage nutzten.

Den Banken wird auch sogenanntes «Front Running» unterstellt. Dabei verschafft sich der Banker einen Vorteil dadurch, dass er weiss, dass demnächst ein grosser Devisenauftrag zum Referenzkurs abgewickelt wird. Er kann diesem Auftrag mit einem eigenen Geschäft zuvorkommen und damit einen Gewinn erzielen. Solche Geschäfte seien seit mindestens zehn Jahren üblich gewesen, zitiert Bloomberg einen Händler.

Früher seien diese Praktiken in allen Bereichen des Bankwesens üblich gewesen, erzählt ein Schweizer Banker. «Überrascht bin ich nicht. Vor 20 Jahren liefen die gleichen Manipulationen im Aktienhandel.» Mit der Einführung des elektronischen Handels war es nicht mehr möglich, Aktien eines Kunden zu einem schlechteren Kurs zu verkaufen als eigene Papiere.

Mit den elektronischen Handelssystemen sind Tricksereien schwieriger geworden. Dennoch sind in den letzten Jahren neben jüngsten Wechselkurs-Manipulationen und den Libor-Zinssätzen weltweit weitere Untersuchungen eröffnet worden. Eine Untersuchung betrifft den Ölhandel. Händler sollen den sogenannten Platts-Benchmark manipuliert haben. Die EU hat Ermittlungen aufgekommen. In den USA untersuchen die Behörden mutmassliche Betrügereien beim Isdafix-Benchmark. Diese Ermittlungen sind insofern speziell, da die entsprechende Behörde Isdafix mitüberwacht.

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