Erstmals äussert sich der CEO einer der Schweizer Banken, welche die Wettbewerbskommission (Weko) wegen möglicher Absprachen im Devisenhandel ins Visier nimmt. «Wir haben keine Indizien dafür, dass irgendjemand etwas falsch gemacht hat», sagt Julius-Bär-Chef Boris Collardi zur «Schweiz am Sonntag». Vor der Weko habe bereits die Finanzmarktaufsicht (Finma) den Devisenhandel angeschaut, ohne auf Probleme zu stossen. Collardi: «Wir waren darum überrascht, dass sich nun auch die Weko dem Thema annimmt.»

Offenbar wurden auch die anderen verdächtigten Banken überrascht. So sorgte die Credit Suisse (CS) für Augenreiben mit ihrer etwas verstört wirkenden Mitteilung, in der sie die «Vorwürfe» der Weko als «rufschädigend» brandmarkte. Nebst Julius Bär und CS stehen die UBS, die Zürcher Kantonalbank sowie vier ausländische Banken im Fokus. Der «Tages-Anzeiger» vermutete, Bär könnte «am Ende am meisten unter dem Verfahren wegen möglicherweise manipulierter Währungskurse leiden».

Bär kooperiere «gerne», sagt Collardi. Man sammle zurzeit Informationen und sei am Organisieren eines Treffens mit den Behörden. Der Bankchef zeigt sich auch darum gelassen, weil die Preisfestlegung, das sogenannte Reuters Fixing, «nicht zu unserem Geschäftsmodell gehört»: «Wir sind kein Market Maker.» Collardi weist Medienberichte zurück, wonach Händler in den Handelsräumen «bis vor kurzem», wie der «Tages-Anzeiger» schrieb, Kundenaufträge per Handy entgegengenommen hätten. «Das stimmt nicht», sagt er. «Wir haben seit Jahren eine Weisung, die klar sagt, dass es keine Telefone auf dem Trading Floor gibt– schon gar nicht, um Kundenaufträge entgegenzunehmen.»

Die Weko kündigte ihre Untersuchung am Montag an, nachdem bereits im vergangenen Jahr darüber spekuliert wurde, welche Banken im Fokus eines solchen Verfahrens stehen könnten. Vor gut zwei Jahren hatte die Weko bereits eine Untersuchung wegen Absprachen bei der Festlegung der Libor-Zinssätze eingeleitet, die noch immer läuft. UBS und Credit Suisse waren schon damals Ziel der Untersuchung, wobei mittlerweile bekannt wurde, dass die UBS als Kronzeugin von einer zumindest teilweise Strafbefreiung profitieren dürfte.

Die Weko hat sich einen Wettstreit unter ungleichen Gegnern aufgehalst. Allein die Pressestelle der Grossbank Credit Suisse verfügt über mehr Ressourcen als die Berner Wettbewerbshüter. «Wir haben für diese Verfahren Ressourcen zusammengekratzt und Leute von anderen Aufgaben abgezogen», sagt Rafael Corazza, Leiter des Weko-Sekretariats.

Auch so sind die Mittel mager: «Neben mir und meinem Stab sind sechs Personen mit der Devisen-Untersuchung beschäftigt», sagt Corazza. Für die zwei Bankverfahren habe man total sechs bis acht Stellen zur Verfügung. Immerhin sei der Weko vor kurzem ein Zusatzbudget von 600 000 Franken über zwei Jahre bewilligt worden. «Das ermöglicht es, weitere Leute anzustellen.»

Für den Zuzug externer Experten sind – anders als bei der Finma – kaum Mittel vorhanden. «Wir haben ein Honorarbudget von 150 0000 Franken und können nicht einfach zusätzliche Stellen schaffen», sagt Corazza. «Das würde das Parlament nicht akzeptieren.» Insgesamt budgetiert der Bund in seiner Rechnung 2014 für die Weko Kosten von 12 Millionen Franken.

Die Weko muss den Banken nachweisen, dass diese mit Absprachen andere Akteure an den Finanzmärkten geschädigt haben. Koordiniert haben sich die Devisenhändler offenbar über Chatfunktionen, die der Datenverarbeiter Bloomberg anbietet, und dies, obwohl die Chats protokolliert werden. Nicht gerade ein Beleg für vorhandenes Unrechtsbewusstsein.

Bär-Chef Collardi sagt, in der «relativ ausführlichen Auswahl von Chats», welche die Bank analysiert habe, sei «kein Fall festgestellt worden, bei dem wir entweder Kundeninformationen weitergegeben oder irgendwelche Kommentare gemacht haben, die zu Preismanipulationen hätten führen können». Die Grossbanken UBS und Credit Suisse äussern sich nicht zu den Vorwürfen.

Für die Weko kommt erschwerend hinzu, dass sie sich nicht mit ausländischen Wettbewerbsbehörden austauschen kann, obwohl dort teilweise analoge Verfahren laufen – so zum Beispiel in der EU. Zwar haben die Schweiz und die EU bereits letzten Sommer ein Abkommen zum Austausch von Daten unterzeichnet. Doch noch steckt dieses auf Schweizer Seite in den parlamentarischen Mühlen. Voraussichtlich im Sommer wird es im Nationalrat behandelt.

Für die Weko sei es ein grosses Problem, dass sie keine Daten austauschen könne, sagt Walter Stoffel, Rechtsprofessor und früherer Präsident der Wettbewerbskommission. «Das Abkommen reduziert auch das Personalproblem der Weko, weil es verhindert, dass Arbeit doppelt gemacht wird.» Er verweist auf «Widerstände» vonseiten der Politik.

CVP-Ständerat Pirmin Bischof bestätigt, dass es eine «allgemeine Skepsis» gegenüber Datenlieferungen ins Ausland gebe. Grundsätzlich sei das Anliegen, Kartelle zu bekämpfen, aber aktueller denn je. «Man hat den Eindruck, dass das zugenommen hat.»

Heikel wird es vor allem für Banken wie UBS und CS, die sich bereits zum zweiten Mal wegen Finanzmarktabsprachen im Fokus der Weko befinden, denn das könnte sich strafverschärfend auswirken. «Das ist sicher ein Diskussionspunkt», sagt Weko-Direktor Corazza, auch wenn man darüber diskutieren könne, ob es sich um eine «Wiederholungstat» im engen Sinne handeln würde. «Wir stellen uns diese Frage aber erst in eineinhalb Jahren», sagt Corazza.

Erst aber muss der Weko-Direktor mit acht Sachbearbeitern acht Grossbanken in die Knie zwingen. Eine Aufgabe wie David gegen Goliath? Corazza schmunzelt und sagt trocken: «David hat gewonnen.»

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