Frau Ruoff, Sie wollen 600 Poststellen ab und wollen stattdessen 500 neue Postagenturen bei Dritten aufbauen, wie Volg oder Apotheken. Deren Personal aber verfügt aber nicht über die gleiche Ausbildung wie das Postpersonal. Das ist ein massiver Qualitätsabbau.
Susanne Ruoff: Das stimmt nicht. Wir bauen den Service insgesamt sogar aus, werden statt wie heute 3700 rund 4000 Zugangsmöglichkeiten bieten. Mit der Zusammenarbeit mit Partnerfirmen, seien es Lebensmittelgeschäfte, Apotheken oder sogar Hotels, bauen wir die Öffnungszeiten massiv aus. Und in ländlichen Regionen kann so das Postangebot weiterhin gewährleistet werden, auch wenn die eine oder andere traditionelle Postfiliale schliessen wird.

Die Kunden werden dann aber oftmals nicht mehr von Postangestellten bedient.
Wir messen die Servicequalität unserer Partner akribisch. Wenn es Problemfälle gibt, werden diese im Gespräch mit den Beteiligten bis hin zu Schulungen korrigiert, genauso wie auch in unseren eigenen Filialen. Europaweit gehört unser Service zu den besten überhaupt.

Sie glauben also, eine Apothekerin bietet den genau gleich guten Service wie eine Postangestellte?
Die Frage ist, was für einen Service benötigen Sie als Privatperson? Der Grossteil der nachgefragten Dienstleistungen am Postschalter sind unkompliziert und standardisiert. Einfache Paket- und Briefdienstleistungen können unsere Partner problemlos übernehmen. Für selten nachgefragte spezialisierte Privatkundenwünsche haben die Agenturpartner einen direkten Draht zur Post. Wir bieten heute eine breite Palette von Möglichkeiten an, von der eigenbetriebenen Filiale über Partnerfilialen zur mobilen, digitalen Möglichkeit per Smartphone bis hin zu Paketautomaten oder dem Hausservice, wo Sie die Zahlung von Rechnungen gleich an der Haustüre mit dem Pöstler vornehmen können.

Mit dem Outsourcing an Firmen wie Volg sparen Sie vor allem bei den Lohnkosten, da Dritte nicht im Rahmen des Post-GAV angestellt werden.
Das sind nicht irgendwelche Drittfirmen, sondern von uns geprüfte Partner, die unsere Qualitätsansprüche erfüllen müssen. Unsere Servicepartner erbringen für uns die gewünschte Leistung. Unsere Strategie der Ausweitung des Angebotes ist keine Lohn-Sparmassnahme, sondern eine klare Ausrichtung an die heutigen und sich entwickelnden Kundenwünsche. Wir wollen nicht in Infrastrukturen investieren, welche von den Kunden immer weniger genutzt werden, wir müssen schauen, dass die Post auch in Zukunft rentiert, in nachgefragte Dienstleistungen investiert und Leistungen zu fairen Preisen anbieten kann. Denn wir möchten Preiserhöhungen wo möglich vermeiden.

Bei den Postagenturen arbeiten Sie heute vor allem mit dem Detailhändler Volg zusammen, der 265 Postagenturen für Sie betreibt. Was ist mit Migros und Coop?
Die Türen stehen selbstverständlich auch Migros und Coop offen für weitere Kooperationen. Für den Ausbau der Postagenturen sind Partner mit einem Netz von Filialen, ideal. Mit ihrem breitgefächerten Filialnetz sind beide, Coop und Migros bereits heute gute Partner genauso wie Valora oder die SBB. Hier nutzen wir ein grosses Synergie-Potenzial. Aber wir arbeiten auch mit regionalen Detailhändlern zusammen, wie zum Beispiel der Kette Edelweiss im Wallis.

Und wann bezahlen wir unsere Rechnungen beim Brezelkönig?
Wir haben schon heute Postagenturen in Bäckereien mit tollen Öffnungszeiten am Samstag und oft auch am Sonntag. Der Brezelkönig wäre wahrscheinlich rein von der Fläche her zu klein.

Sie haben kürzlich gesagt, Sie würden auch für 500‘000 Franken im Jahr arbeiten. Heute verdienen Sie rund das Doppelte. Ist der Verwaltungsrat bereits auf Sie zugekommen mit einer Lohnkürzung?
Der Verwaltungsrat entscheidet über meinen Lohn.

Also gibt es Gespräche?
Das liegt in der Kompetenz des Verwaltungsrates, er entscheidet über meinen Lohn.

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