Am Mittwoch geht es für die Swiss um die Zukunft ihrer Langstreckenflotte. Dann entscheidet der Lufthansa-Aufsichtsrat über den Einkaufswunsch von Swiss-Chef Harry Hohmeister. Auf der Traktandenliste des Gremiums steht die Beschaffung von drei Boeing-777-Flugzeugen, wie Konzerninsider bestätigen. Gemäss Listenpreis des US-Aviatikkonzerns käme dieser Kauf auf einen Betrag von knapp einer Milliarde Franken zu stehen. Allerdings dürfte die Swiss mit einem Rabatt rechnen, hat sie doch bereits 2013 sechs Maschinen des gleichen Typs für 1,5 Milliarden Franken bestellt. Diese sollen ab 2016 in Zürich starten und landen.

Das Okay der Kranich-Oberen für die drei zusätzlichen «Triple 777»-Flugzeuge müsste Formsache sein, denn die Swiss ist gezwungen, ihre 15 in die Jahre gekommenen Airbus-340-Langstreckenmaschinen zu ersetzen. Die neuen 777-Jets sollen der Swiss ihr Image als Premium-Airline bewahren. Denn die heutigen Entertainment-Systeme und Kabineneinrichtungen halten dem Vergleich mit der Konkurrenz aus Asien und den Golf-Staaten je länger, je weniger stand.

Zudem sind die Boeing-Flugzeuge treibstoffsparender, was sich positiv auf die Kostenrechnung auswirkt. 777-Alternativen, wie zum Beispiel neuere Airbus-Modelle, scheinen vorläufig vom Tisch zu sein. Zwar sind die 777-Maschinen deutlich grösser und verfügen mit 330 Sitzen über rund 50 Prozent mehr Kapazität als der Airbus. Doch wird sich die Frage stellen, wie und in welchem Umfang die Swiss den Rest ihrer A340-Flotte ersetzen wird.

Am Donnerstag – einen Tag nach der Aufsichtsratssitzung – kann Hohmeister den Boeing-Zusatzkauf möglicherweise bereits bekannt geben. Dann lädt die Swiss zur Präsentation der Jahreszahlen nach Kloten. Hohmeister wird einen besseren Gewinn als im Vorjahr ausweisen, auch dank des zurzeit günstigen Kerosins, das 30 Prozent der Kosten ausmacht. Aber er wird auch über die Währungssituation klagen. Denn ein Grossteil der Kosten – wie viel, verrät die Swiss nicht – fällt in Franken an. Im Mitarbeitermagazin kündigte Hohmeister denn auch an, den Spardruck zu erhöhen.

Dazu passen Klauseln, die sich die Swiss-Führung im neuen Piloten-Gesamtarbeitsvertrag (GAV) ausgehandelt hat. Dieser wurde dem Vernehmen nach vom Verwaltungsrat bereits abgesegnet, das Okay der Cockpit-Crew dürfte Anfang April folgen. Demnach haben die Langstreckenpiloten dem Management eingeräumt, dass die Swiss mit der günstigeren Schwester-Airline Edelweiss praktisch unbegrenzt wachsen darf – solange den Swiss-Piloten unter dem Strich gleich viele Destinationen bleiben.

Zwar flog die Edelweiss bereits die letzten zwei Jahre mit einer A330 für die Swiss von Zürich nach New York. Doch ansonsten waren die Auslagerungsmöglichkeiten im GAV stark beschränkt. Dank des neuen Vertragswerks könnte Hohmeister der von ihm präsidierten Edelweiss nach Eintreffen der ersten 777-Flugzeuge einige A340-Maschinen übergeben und im Zweiklassensystem ohne First Class fliegen lassen.

Solche Auslagerungen sind ein Spagat für die Swiss. Denn wer ein Swiss-Ticket bucht, kann beim Boarding die grosse Überraschung erleben, dass er gar nicht in einer Swiss-Maschine sitzt. Auf der Strecke Zürich–Lugano fliegt beispielsweise die österreichische Tyrolean Airways mit einer neutralen Bemalung des Airlineverbundes Star Alliance für die Swiss. Und auf mehreren Europa-Flügen hilft Helvetic Airways der Swiss aus, weil die zwanzig bestellten C-Series-Maschinen von Bombardier als Ersatz für die Jumbolino-Flieger Verspätung haben.

«Das Management ist sich dieses Image-Problems bewusst», sagt ein Insider. Hohmeister will zwar alle Kosten überprüfen, die nicht unmittelbar zur Swissness der Firma beitragen. Doch nach aussen soll der Helvetia-Schein gewahrt bleiben. So hält sich Hohmeister im neuen GAV die Möglichkeit offen, Kleinmaschinen von Dritten, wie zum Beispiel von Tyrolean, mit Swiss-Bemalung operieren zu lassen – sofern dies der Partner zulässt. Allerdings pochten die Swiss-Piloten auf eine optische Unterscheidung. Im GAV finden Namen wie Swiss Express oder Swiss Regional Erwähnung, die zum Einsatz auf solchen Kurzstreckenflügen kommen könnten. Zudem hält die Lufthansa die Rechte am Namen Swiss Wings.

Nebst Sparmassnahmen soll auch ein neues Tarifmodell langfristig schwarze Zahlen sichern. Ein solches, auf die individuellen Wünsche der Passagiere angepasstes Modell mit günstigen Einstiegstarifen, hat die Swiss bereits in Genf getestet. Nun soll es auch in Zürich eingeführt werden – nicht zuletzt, um Kunden für die grosse Europa-Expansion zu gewinnen. Ab diesem Frühling fliegt die Swiss 22 neue Städte an.

Die Lufthansa wollte sich auf Anfrage nicht zum Inhalt der Aufsichtsratssitzung äussern. Und auch die Swiss nahm keine Stellung «zu Spekulationen oder Vermutungen», die die Flottenentwicklung und Wachstumsstrategie betreffen.

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