Ein Glas Champagner vor dem Abheben, viel Beinfreiheit, ein Sitz, der per Knopfdruck zum Bett wird, und mehr als nur Chicken und Pasta auf der Menükarte. Bisher war die Businessclass in erster Linie den oberen zehntausend vorbehalten. Dabei war das Vornsitzen selten so billig wie jetzt. Zürich–Bangkok via Doha gibt es bereits für weniger als 2000 Franken bei Qatar Airways, Egyptair und Etihad Airways. Nach Delhi kostet der Flug mit Swiss und Air India nur unwesentlich mehr.

Laut Matthias Thürer, Marketingchef des Reisebüros Ebookers.ch, liegen die Businessclass-Preise auf Mittel- und Langstreckenflügen zurzeit 5 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Bereits 2014 waren sie um 3 Prozent gesunken. Besonders erschwinglich sind Businessflüge nach Asien. Hier betrug der Preiszerfall laut Thürer im vergangenen Jahr 7 Prozent.

Zu verdanken sei diese Entwicklung in erster Linie den arabischen Fluggesellschaften, sagt Thürer. «Sie sind günstiger als die europäischen Airlines, obwohl sie meistens einen besseren Service anbieten.» Für ein Asien-Business-Ticket liege der Durchschnittspreis bei den europäischen Fluggesellschaften bei 3600 Franken, bei den Golf-Airlines hingegen bei nur 2770 Franken – also 23 Prozent weniger. Allerdings muss der Kunde das Umsteigen in Kauf nehmen, sei es in Abu Dhabi, Dubai oder Doha.

Der preisliche Sinkflug wird sich ab Herbst verschärfen, da Emirates einen zweiten A380-Riesenvogel auf der Strecke Zürich–Dubai einsetzen wird. Ab dann sind bei Emirates täglich rund 150 Business-Sitze ab Zürich im Angebot. Auf den Nordamerika-Strecken spielt die Middle-East-Konkurrenz hingegen nicht. Im Vergleich zu den Flügen Richtung Osten sind sie massiv teurer, kosten schnell einmal über 4000 Franken.

Wer den Bangkok-Flug mit Qatar Airways für 2000 Franken kauft, zahlt je nach Buchungszeitpunkt und Airline gar weniger als für ein Economy-Ticket. So beträgt der Economy-Flex-Tarif auf der Swiss-Website für die gleichen Reisedaten 2500 Franken. Der Direktflug in der Businessklasse kostet bei der Lufthansa-Tochter 3100 Franken.
Qatar Airways wirbt zurzeit mit Partnertarifen sowie mit «zwei Champagnersorten zum Aperitif, Gourmetspezialitäten, einem flachen Bett und spannenden Filmen aus über 1000 Unterhaltungsoptionen». Das Umsteigen in Doha wird schmackhaft gemacht mit dem Besuch der Business-Lounge auf zwei Stockwerken, die auch mit einem Game Room und Business Center ausgerüstet ist.

Die Lufthansa-Tochter Airplus bestätigt den preislichen Sinkflug. Laut dem Anbieter von Firmenkreditkarten betrug 2012 der Durchschnittspreis, den Schweizer Firmen für Businessflüge ab Zürich ausgaben, rund 3000 Franken. Inzwischen seien es noch 2800 Franken, sagt Tobias Frei, Marketingchef von Airplus Switzerland. 53 Prozent der Geschäftsreisenden bevorzugen die mittlere Klasse, 2 Prozent die First Class. Die Krisenzeiten, in denen Banker mit der Economyklasse vorliebnehmen mussten, scheinen vorbei zu sein.

Die Airlines setzen ihre Margen auch selber unter Druck. Lufthansa, Singapore Airlines, Air China oder Air France haben zuletzt eine sogenannte Premium-Economy-Klasse eingeführt oder angekündigt – eine Mischung zwischen Economy und Business. «Wir wissen nicht, ob die Geschäftsreisenden eher von der Economy hoch in die Premium-Economy wechseln werden oder von der Business runter», sagt Tobias Frei von Airplus. Die Durchschnittserlöse dürften aber sinken. Bei der Swiss ist die Premium-Economy vorläufig kein Thema. Doch auch sie hat das komfortablere Fliegen billiger gemacht. Seit neustem lässt sich bei ihr ein Upgrade ersteigern.

Wer bei der Businessclass noch mehr sparen will, kann sich eines altbekannten Buebetrickli bedienen, da Flüge im Ausland oft günstiger sind als Direktflüge aus der Schweiz. Swiss-Kunde Erwin S.* zum Beispiel musste kürzlich geschäftlich nach Chicago reisen, doch mit der Swiss kostete der Businessflug ab Zürich 6300 Franken. «Das war mir eindeutig zu teuer», sagt der Zürcher Vielflieger.

Also kaufte er für 135 Franken ein Return-Ticket in der Economy von Zürich nach Mailand und genoss einen Abend in der italienischen Metropole. Mit im Gepäck: ein Swiss-Business-Ticket für die Strecke Mailand–Zürich–Chicago und Chicago–Zürich–Mailand für 2160 Franken.

«So bezahlte ich rund drei Mal weniger, als wenn ich ab Zürich direkt geflogen wäre, auch wegen des günstigen Eurokurses», sagt Erwin W. Natürlich sei das zusätzliche Umsteigen umständlich, aber er habe den Aufenthalt in Mailand mit einem Geschäftstermin verknüpfen und in einem Holiday Inn Express für 49 Euro übernachten können. «Und am nächsten Tag konnte ich mich in der Businessclass vorzüglich erholen.» Erwin W. ist nicht allein. Wolfgang Riegert vom Online-Reisebüro Vornesitzen.de sagt, dass seit der Aufhebung des Euro-Mindestkurses die Nachfrage aus der Schweiz für Business-Flüge mit Start im Ausland um 20 Prozent gestiegen sei.

Bei der Swiss heisst es, die Schweizer Businessclass-Tarife seien bei ihr in den letzten zwei Jahren um durchschnittlich 8 Prozent gesunken, im Europaverkehr gar um 22 Prozent. Zum Buebetrickli und der Preisdiskrepanz zum Ausland sagt Sprecherin Karin Müller: «Bei der Preisfindung orientieren wir uns an Angebot und Nachfrage sowie den jeweiligen Marktgegebenheiten.»

*Name der Redaktion bekannt

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper