Es rumort in den Poststellen. Die Vorgabe, möglichst viele postfremde Produkte zu verkaufen, hat die Stimmung unter den Angestellten bedenklich beeinträchtigt. Das zeigen Zahlen der Gewerkschaft Syndicom.

Seit einigen Jahren verkaufen die Pöstler nicht nur Briefmarken, geben Pakete heraus und nehmen Zahlungen entgegen. Sie verkaufen auch Verpackungsmaterial, schliessen Natelverträge und Versicherungen ab und bringen Kioskartikel vom Schoggistängeli bis zu den Panini-Bildchen an den Mann. Die Postfilialen haben sich in kleine Gemischtwarenhandlungen verwandelt.

Für die Postangestellten sind diese Produkte nicht einfach eine Ergänzung. Sie haben klare Verkaufsvorgaben. «Jeder Angestellte muss eine bestimmte Zahl Mobilfunkverträge abschliessen oder Autobahnvignetten verkaufen», erklärt Bruno Schmucki von der Gewerkschaft Syndicom. «Das erzeugt einen hohen Verkaufsdruck für die Einzelnen und fördert die Konkurrenz im Team.»

Eine Umfrage von Syndicom bei Postangestellten in den Kantonen Solothurn und Aargau, die bisher nicht publiziert wurde, zeigt das Ausmass: Von den mehr als 400 Pöstlern, die an der Umfrage mitgemacht haben, finden nur 5 Prozent, die Verkaufsvorgaben seien realistisch. Ein Drittel hält sie für hoch, aber machbar. Deutlich mehr als die Hälfte jedoch bezeichnen sie als «sehr hoch» und als «grosse Belastung». Gewerkschafter Schmucki fordert die Post auf, diese Sorgen ernst zu nehmen.

Eine mögliche Lösung wird bereits getestet. In Pilot-Poststellen gälten differenzierte Verkaufsvorgaben und Teamziele, sagt Schmucki. So könne sich jeder auf das konzentrieren, was er am besten könne. «Gleichzeitig wird die Teamleistung höher bewertet.» Anders als die Kritiker aus dem Gewerbeverband stellt die Postgewerkschaft den Verkauf von Drittprodukten nicht grundsätzlich infrage. Sie weiss zu gut, dass ohne die Einnahmen aus Papeterie- und Geschenkartikeln manche Poststelle gefährdet wäre. Rund 500 Millionen Franken Umsatz mache die Post mit diesem Geschäft, sagt Post-Sprecher Bernhard Bürki. Das ist ein Drittel aller Einnahmen des Segments Poststellen. «Wir brauchen diese Umsätze, um das Defizit im Poststellennetz zu verringern.» Vor allem bei Brief- und Paketpost sind die Umsätze stark rückläufig.

Sprecher Bürki bestreitet, dass die Stimmung schlecht sei. «Die Zufriedenheit ist gross.» Er verweist aber darauf, dass sich das Berufsbild der früheren Monopolbeamten stark geändert habe. «Schalterangestellte sind heute ausgebildete Detailhändler.»

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