Erreicht man einen Verwaltungsrat von Mossack Fonseca & Co. Zürich am Telefon, meldet er sich nur mit «Ja?» und nennt keinen Namen. Diskretion – auch in eigener Sache – ist ihr Geschäftsmodell. Jetzt, da die ganze Welt wegen der Enthüllung der Panama Papers über den viertgrössten Briefkasten-Weltkonzern spricht, meiden sie Öffentlichkeit noch mehr als sonst.

Ins Rampenlicht geraten ist von den Männern hinter den Schweizer Mossack- Fonseca-Ablegern in Zürich, Genf und Lugano bisher nur der 41-jährige Christoph Zollinger, der 1995 nach Panama auswanderte, dort ein Bob-Team aufbaute und eine steile Karriere in der 1977 gegründeten Kanzlei mit heute 600 Angestellten und Büros in 33 Ländern hinlegte. Gemäss Handelsregister ist Zollinger 2014 aus dem Verwaltungsrat der Zürcher Mossack-Fonseca-Filiale ausgeschieden. Dem «Tages-Anzeiger» sagte Zollinger, er besorge für die Firma nur noch die Jahresrechnung und berate sie in IT-Fragen. «Einer der Gründe für meinen Rücktritt aus der Gruppe war, dass ich mich nicht mit dem Offshore-Business identifizieren konnte», so Zollinger. «Ich möchte nicht für mögliche Verfehlungen Dritter unverschuldet Verantwortung übernehmen müssen.»

Gewissensbisse und Sorgen, die verbliebene Verwaltungsräte offenbar nicht haben. Seit November 2015 sitzt der gebürtige deutsche Staatsbürger Johannes-Ekkehard Roth im Verwaltungsrat von «Mossack Fonseca & Co. Zürich», die zwei Jahre zuvor von der Konradstrasse 17 im Zürcher Stadtkreis 5 ins Seefeld umgezogen ist und im selben Jahr eine Zweigniederlassung in Lugano gegründet (und in Zug geschlossen) hat. Roth, der in Zug wohnt und als Präsident der Reformierten Kirchenpflege Zug-Menzingen-Walchwil amtet, will nichts zu seinem Verwaltungsrats-Posten bei der Kanzlei sagen. Freundlich, aber bestimmt sagt er am Telefon: «Für die Kommunikation ist Panama zuständig.»

Telefonisch unerreichbar bleibt diese Woche der amtierende Verwaltungsratspräsident der drei Schweizer Mossack-Fonseca-Ableger: Dieter Buchholz (60), derzeit wohnhaft in Appenzell und seit der Gründung der ersten Filiale 1997 in Zürich für die Kanzlei tätig. Buchholz gehört zum innersten Kreis des Briefkastenfirmen-Konzerns, der in den letzten 40 Jahren 200 000 anonyme Firmen in über 20 Ländern gegründet hat – jede sechste davon in der Schweiz. Im Genfer Ableger sitzt er zusammen mit den Firmengründern Jürgen Mossack und Ramón Fonseca im Verwaltungsrat. Daneben ist Buchholz solider KMU-Verwaltungsrat bei der Textilbeschichtungs-Firma Wico Textil in Altstätten SG.

Bis dato kommt der Schweizer Ableger von Mossack Fonseca – anders als am Hauptsitz in Panama und an anderen Standorten – durch die publik gewordenen Geschäftsunterlagen nur indirekt unter Druck. Die Finanzmarktaufsicht (Finma) will abklären, inwieweit Schweizer Banken ihre Dienstleistungen genutzt haben und ob dabei Schweizer Gesetze verletzt wurden. In Genf hat die Staatsanwaltschaft ein Verfahren gegen Anwaltskanzleien eröffnet, die mit Mossack Fonseca geschäfteten. Ihr Glück ist auch das von Mossack Fonseca: Anwälte unterstehen in der Schweiz nur dem Geldwäschereigesetz, wenn sie direkten Zugriff auf die Geldflüsse hatten. Dagegen erwächst jetzt – nicht zum ersten Mal – politischer Druck.

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