Seit vergangenem Herbst prangen schweizweit Plakate für die Website hypomat.ch. Dort vertreibt die Glarner Kantonalbank (GLKB) Hypothekarkredite, die es mit ihren extrem tiefen Zinssätzen immer wieder auf die vordersten Ränge der Zinsvergleiche schaffen. Eine zehnjährige Festhypothek kostete diese Woche gerade mal 1,82 Prozent.

Das Geschäft laufe bestens, sagt Bankchef Hanspeter Rhyner im Gespräch mit der «Schweiz am Sonntag». «Wir haben den Business-Plan massiv übertroffen.» Erstmals nennt er Zahlen: In den sechs Monaten seit dem Start im vergangenen Herbst seien Hypotheken im Wert von mehr als 100 Millionen Franken ausbezahlt worden. Der Wert der gebuchten Kredite dürfte noch höher liegen. Nicht schlecht für eine kleine Kantonalbank, die in ihrer Bilanz per Ende 2012 Hypotheken von knapp 3 Milliarden Franken stehen hatte.

Der Name ist Programm: Die Online-Hypotheken der GLKB sind stark automatisiert. Kunden beantragen den Kredit auf der Website, geben alle notwendigen Daten ein und erhalten am Ende des Prozesses die Zusage mit definitivem Zinssatz. «Immer vorausgesetzt, dass sie alle Angaben korrekt machen», wie Rhyner erklärt.

Verglichen mit den normalen Ansätzen der GLKB sind die Online-Kredite 20 bis 40 Prozent billiger. Möglich seien die tiefen Zinsen hauptsächlich wegen der Automatisierung und des wegfallenden Beratungsaufwandes, sagt Rhyner.

Und noch etwas senkt den Preis: Online ist die Bank strenger, was die Tragbarkeit des Kredits angeht. Der Hypomat vergibt nur Hypotheken im 1. Rang, und die Immobilien werden konservativer bewertet. Auch werden bisher nur bestehende Kredite abgelöst, was für die Bank den Vorteil hat, dass zuvor schon einmal jemand die Werthaftigkeit des Objekts geprüft hatte. Doch auch das soll sich ändern, wie Rhyner ankündigt: «Wir werden bald auch Neugeschäfte über Hypomat zeichnen.» Die Lancierung erfolge in weniger als einem Monat.

Die Glarner Kantonalbank befindet sich mit ihrem Internet-Angebot in bester Gesellschaft, denn nach Zahlungsverkehr und Börsenhandel scheint nun auch das Geschäft mit Hypotheken ins Internet zu wandern. Bereits 2011 ist die Basellandschaftliche Kantonalbank (BLKB) eine Kooperation mit dem InternetBroker Swissquote eingegangen. Rund 130 Millionen Franken hat die Baselbieter Bank bis Ende 2012 auf diesem neu vergeben. Auch hier gilt: Swissquote-Hypotheken sind 20 bis 35 Prozent billiger als normale BLKB-Kredite.

Nun ist es nicht so, dass die beiden Banken einfach zu viel Spargeld in den Büchern hätten, das sie so günstig verleihen wollen. Die BLKB habe nur 82 Prozent der Hypotheken durch Spargelder refinanziert, sagt Banksprecher Christoph Loeb. Und auch die Glarner Kantonalbank beschafft sich einen Teil der Mittel extern, etwa über die Pfandbriefzentrale. Vielmehr ist es die Diversifikation, welche die beiden Banken antreibt.

Mit den Online-Hypotheken wird ein weiteres Tabu gebrochen in der fein austarierten Landschaft der Kantonalbanken; eine weitere Grenzverletzung. Dies, nachdem es inzwischen bereits üblich ist, dass die Staatsbanken im Private Banking in fremden Gefilden unterwegs sind. Die Reaktionen anderer Kantonalbanken auf das Online-Angebot seien «moderat» gewesen, sagt GLKB-Chef Rhyner. Das eine oder andere Mal habe es aber schon geheissen, die GLKB solle da bitte nicht «reinpfuschen». Auch die BLKB grast bei der Konkurrenz, wurden bisher doch 81 Prozent aller Swissquote-Hypotheken ausserhalb der Nordwestschweiz abgeschlossen.

Ähnliche Vorwürfe dürften bald auch bei der Zürcher Kantonalbank landen. Auch sie plant ein nationales Angebot über die Immobilienplattform Homegate, an der sie beteiligt ist. Gestartet werden soll im Sommer, sagt Pressesprecher Urs Ackermann. Im Internet-Zeitalter seien «Kantons- und Landesgrenzen irgendwie Makulatur», sagt er.

Es fällt auf, dass es vor allem die regional eingeschränkten Kantonalbanken sind, die im Netz auf Kundenfang gehen. Einzige Ausnahme ist die Migros-Bank, und auch dies nur bedingt. Seit Mitte März nimmt sie Hypothekar-Anträge online entgegen. Zahlen will die Migros- Bank nicht vorlegen. Standesgemäss sagt Pressesprecher Albert Steck, man sei «über den Erwartungen» gestartet. Anders als bei BLKB und GLKB steckt bei der Migros-Bank hinter der Website aber das normale Angebot. «Wer im Internet startet, bekommt lediglich einen Rabatt von 300 Franken», sagt Steck. Ansonsten sei er ein normaler Kunde wie alle anderen.

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