Kantonalbanker gelten in der Öffentlichkeit mehr oder weniger als biedere Staatsbeamte. Sie nehmen Spargelder entgegen und vergeben damit Hypotheken an Familien oder Kredite an Unternehmen – alles schön fein sauber, etwas bieder, aber grundsolid. Dem CEO der Aargauer Kantonalbank etwa wurde der Lohn schon bei 600 000 Franken gedeckelt.

Die Zürcher Kantonalbank gibt sich in ihrem Marketing ebenfalls den Anstrich von seriöser Biederkeit. Zu diesem Bild will indessen nicht recht passen, was aus der Handelsabteilung der ZKB über Insider immer wieder mal an die Aussenwelt dringt. Da wird hart gearbeitet und auch viel Geld für die Zürcher Kantonalbank erwirtschaftet. Aber da wird auch für eine biedere Kantonalbank offenbar viel verdient. Mit dem Bonus werden gleich zwei Automobile der Luxusklasse gekauft. Es wird Porsche Panamera gefahren, Aston Martin oder auch mal eine Corvette. Es werden Spezialisten von Schweizer Grossbanken oder US-Investmentbanken abgeworben – zu ungewöhnlich hohen Grundlöhnen für eine Kantonalbank.

Da arbeiten Spezialisten für «OTC Equity Derivatives» oder für strukturierte Produkte, die zuvor bei der inzwischen untergegangenen Investmentbank Lehman Brothers oder bei Grossbanken waren. Da wird der Wohnort ins steuergünstige Schwyz verlegt und in einer Villa mit Anschluss an den Zürichsee residiert. Am Wochenende wird in den Langstreckenflieger gestiegen und werden Clubs in Südamerika besucht. «Works hard . . . and more . . .» schreibt eine ehemalige ZKB-Traderin auf einer Social-Media-Website für Geschäftsleute bewundernd über einen früheren Chef.

Für einen Kritiker, der nicht genannt werden will, ist klar: «Solches Gebaren – und die Kultur, die damit einhergeht – hat in einer mit einer Staatsgarantie versehenen Kantonalbank nichts verloren.» Seiner Ansicht nach hat sich in der ZKB eine eigentliche «Händler-Oase» herausgebildet, in der altgediente Trader noch aktiv ihrem Handwerk würden nachgehen können.

Der ZKB ist bei dem Thema wichtig, dass der Handel bei ihr nicht dem gängigen Bild vom «Eigenhandel» entspricht. Eigenhandel ist seit der Finanzkrise verpönt. In den USA wird er auf Vorschlag des früheren Notenbankchefs Paul Volcker verboten. Allerdings wird die öffentliche Diskussion durch ein übles Begriffskuddelmuddel erschwert.

Im Schlussbericht der Expertenkomission zur «Too big to fail»-Regelung werden darum in einem Unterkapitel die verschiedenen Formen von «Handel» ausgebeinelt. Beim reinen «Brokerage» vermittelt der Händler bloss zwischen Käufer und Verkäufer. Die Risiken liegen bei ihnen. Am entgegengesetzten Pol wird im «Proprietary Trading» auf eigenes Risiko gehandelt. Kontakt zu Kunden gibt es erst gar nicht.

Dazwischen finden sich Mischformen, die Flow-Trading, Professional Trading oder Principal Trading genannt werden. Trader setzen hier auch Mittel der eigenen Bank ein. Sie halten Wertpapiere auf eigene Rechnung und verlieren oder gewinnen so durch Kursveränderungen Geld. Dabei tritt der Trader jedoch meist in Aktion, um Kundenbedürfnisse zu erfüllen. Als «Market Maker» etwa kauft oder verkauft er Wertpapiere, um den Handel zu ermöglichen.

Die ZKB sagt denn auch auf Anfrage, man betreibe Principal Trading. «Dieses steht immer in einem Zusammenhang mit kundenbezogenen Aktivitäten, wie etwa Market Making. Dafür setzt die ZKB auch eigene Mittel ein», so eine Sprecherin. Hingegen verfolge die ZKB kein Proprietary Trading.

Die Übergänge sind jedoch fliessend. Ein Insider bemängelt, die ZKB reagiere nicht nur auf Kundenbedürfnisse. Sie preise ihren Service von sich aus an. Bei den Trades stünden häufig nicht Kunden auf der Gegenseite, sondern andere Banken. «Letzten Endes wäre das Management der Risiken, die die ZKB eingeht, besser bei einer Investmentbank aufgehoben, nicht bei der ZKB, für die der Steuerzahler geradesteht.» Derweil hat die ZKB-Handelsabteilung seit Beginn der Finanzkrise trotz Anlagenotstand ein eindrückliches Wachstum geschafft. Im Jahr 2015 hat sie für die ZKB rund 330 Millionen Franken verdient. Gegenüber dem Vorjahr hat der Handel damit seinen Erfolg um 40 Prozent steigern können. An das Plus hat die Übernahme der früheren Kantonalbanken-Fondstochter Swisscanto einen Beitrag geleistet.

2008 steckte der Handel noch im Tief. Damals gab es mit Aktien und Aktienderivaten einen Verlust von 346 Millionen Franken. Der gesamte Handel verdiente damals nur 52 Millionen Franken. Danach stellte die ZKB ihre Strategie und auch die Verpackung radikal um. Der Begriff «Investmentbanking» findet sich im Geschäftsbericht 2014 nicht mehr. 2008 gab es noch eine Geschäftseinheit mit diesem Namen.

Der Handel mit Aktien verlor an Bedeutung, hingegen wurde der Handel mit festverzinslichen Papieren sowie das Ausleihen von Wertpapieren (Securities Lending) zu den neuen Zugpferden. Die Übernahme von Swisscanto wird dem Ausleihgeschäft zusätzlich Schwung verleihen. Die eigenständige Swisscanto schwor dem Ausleihen noch ab. Die Risiken würden die Erträge nicht aufwiegen. Durch die ZKB-Übernahme wird das Ausleihgeschäft auf Swisscanto-Fonds dem Vernehmen nach wieder betrieben.

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