Wieder einmal häufen sich die Anzeichen für eine globale Zinswende. Sergio Ermotti, CEO der UBS, würde sich wohl für seine Bank kaum etwas sehnlicher wünschen. «Ich würde es sehr begrüssen, wenn die Zinsen in den USA deutlich steigen würden», sagte Ermotti diese Woche bei der Präsentation der Jahreszahlen. Mit höheren Zinsen verdient es sich besser am Aufnehmen und Verleihen von Geld. Doch Ermotti ist skeptisch. Selbst für die USA, wo es am meisten nach einem wirtschaftlichen Aufschwung aussieht.

Ermotti mag nicht recht daran glauben. «Ich darf daran erinnern, was 2016 geschehen ist», sagt der UBS-Chef. «Die Märkte rechneten für die USA mit fünf Zinserhöhungen zu jeweils einem Viertelprozentpunkt. Es gab eine einzige Erhöhung.» Nun würden die Märkte abermals ein Anziehen der Zinsen erwarten. «Doch man wagt schon gar nicht mehr, auf fünf Zinsschritte zu hoffen.» Es werde nur mit zwei oder drei Zinsschritten geplant. «Man muss abwarten, ob die Zinsen in den USA tatsächlich steigen werden.»

Für den Fall, dass es doch so kommt, richtet Ermotti einen Appell an die Europäische Zentralbank. «Dann werden die Europäer mittelfristig hoffentlich nachziehen», sagt Ermotti. «Es wäre fatal, täten sie dies nicht.» Auf keinen Fall solle Europa die Zinsen im Vergleich zu den USA tief halten, um so den Dollar gegenüber dem Euro zu schwächen und die Wettbewerbsfähigkeit der eigenen Unternehmen zu stärken. «Das wahre Problem ist mehr und mehr der Kollateral-Schaden, den die tiefen Zinsen anrichten; im Versicherungssektor oder in den Sozialsystemen.»

Das Inflationsgespenst geht um
Immerhin zog im Euroraum die Teuerung zuletzt auf rund 1 Prozent an. Eine Direktorin der Europäischen Zentralbank (EZB) sieht bereits alle Bedingungen für ein stabiles Ansteigen der Inflation gegeben. Somit könne die EZB sich bald von ihrer ultra-expansiven Geldpolitik verabschieden. «Ich bin optimistisch gestimmt, dass wir uns bald der Frage des Ausstiegs widmen können.» Die deutschen Medien schreiben bereits vom Inflationsgespenst, das wieder erwacht sei.

In der Schweiz gibt es erstmals seit Jahren deutliche Anzeichen für eine Rückkehr der Inflation. Die Ökonomen erwarten durchgehend eine Rückkehr zu einer leicht positiven Teuerung, die UBS etwa rechnet mit 0,4 Prozent. Begründet wird dies damit, dass die Aufwertung des Frankens allmählich verdaut sei. Zudem würden die steigenden Erdölpreise die Preise zusätzlich nach oben drücken, etwa für Benzin. Zuvor waren die Preise sechs Jahre lang zumeist gefallen.

Steigende Zinsen in der Eurozone, mehr Inflation in der Schweiz: Damit wäre auch in der Schweiz der Weg für eine kleine Zinswende frei. Die Zinsen für Hypotheken über zehn Jahre – die bereits nach der Trump-Wahl anstiegen – würden noch einmal etwas nach oben klettern. Die besten Zeiten wären endgültig vorbei, um eine Hypothek aufzunehmen. Höchste Zeit, eine langfristige Hypothek abzuschliessen.

Doch am Schweizer Hypothekarmarkt ist von Nervosität kaum etwas zu spüren, wie Ansgar Gmür berichtet. Der Direktor des Hauseigentümerverbandes wundert sich selber etwas über die Gelassenheit der Hypothekarschuldner. «Es liegt wohl daran, dass es bereits mehrmals nach einer Zinswende aussah», sagt Gmür. «Danach fielen die Hypothekarzinsen jedoch jeweils auf neue Tiefststände.»

Die Schwäche der anderen
Der Blick auf die amerikanische Konjunktur rechtfertigt diese Gelassenheit. In den USA sieht es nicht nach einem wirklich kräftigen Aufschwung aus. So fiel etwa das Wachstum im 4. Quartal deutlich schwächer aus als erwartet. Die Renditen auf Staatsanleihen sanken darauf wieder etwas ab. Was die USA zurückhält, ist die konjunkturelle Schwäche in der übrigen Welt. Sobald die US-Wirtschaft anzieht, erstarkt der Dollar. Darunter leiden wiederum die amerikanischen Exporte, während die Importe anziehen.

In Europa wiederum deutet wenig auf ein starkes Anziehen der Inflation hin, wenn man genauer hinschaut. Zwar hat die Teuerung wieder die Marke von einem Prozent erreicht. Aber der Treiber waren vor allem die steigenden Erdölpreise. Was hingegen weiterhin fehlt, ist eine wirtschaftliche Wende in den südeuropäischen Staaten. Mit kräftig steigenden Löhnen ist so nicht zu rechnen. «Damit ist in Europa die einzige Kraft immer noch gelähmt, die für steigende Preise sorgen könnte», schreiben die Ökonomen im Fachportal «Makroskop».

Die Europäer scheinen die Finanzkrise noch immer nicht völlig abschütteln zu können. Die EZB wird darum noch eine Weile länger die Eurozone mit billigem Geld versorgen müssen. Was für Schweizer Hypothekarschuldner wiederum bedeutet, dass es auch hierzulande nicht nach einer baldigen Zinswende aussieht. Wohneigentümern, die für den Eigenbedarf gekauft haben, müssen sich also kaum sorgen.

Vermieter von Wohnungen hingegen haben inzwischen ein handfestes Problem. 45 000 Wohnungen stehen in der Schweiz leer. «Das sind mehr Wohnungen als in der Stadt St. Gallen», erklärt Gmür vom Hauseigentümer-Verband die Bedeutung dieser Zahl. «Das tut den Vermietern weh, das ist nicht zu bestreiten.» Rechne man mit jährlichen Mieteinnahmen von bloss 12 000 Franken, komme man bereits auf fehlende Mieteinnahmen von fast 500 Millionen Franken pro Jahr.

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper.