Ohne Deutsche läuft nichts im Schweizer Tourismus. Sie sind mit Abstand die wichtigste ausländische Gästegruppe. Mit 4,6 Millionen Hotelübernachtungen erbrachten sie im vergangenen Jahr mehr Logiernächte als Grossbritannien, Frankreich und die USA zusammen.

Umso empfindlicher war der Einbruch, den die Schweizer Ferienorte in den letzten Jahren bei den deutschen Gästen hinnehmen mussten. Allein im vergangenen Jahr betrug der Rückgang 583 000 Logiernächte und damit 11,2 Prozent. Seit dem Jahr 2008 ist die von den Besucherinnen und Besuchern aus Deutschland erbrachte Zahl der Logiernächte um 1,7 Millionen zurückgegangen. Dies entspricht einem Minus von 26,7 Prozent (siehe Grafik). Über einen längeren Zeitraum betrachtet muss man bis ins Jahr 1960 zurückgehen, um eine tiefere Logiernächtezahl der Deutschen als jene von 2012 zu finden.

Doch jetzt ist der Krebsgang gestoppt. Die meisten Ferienorte berichten von besseren Buchungen als vor einem Jahr – vor allem dank den Deutschen. «Wir spüren, dass sich der deutsche Markt wieder erholt», sagt Melanie Keller, Sprecherin der drei Bündner Ferienorte Laax, Flims und Falera. Ähnlich optimistisch tönt es aus dem Oberengadin: «Nachdem die deutschen Gäste eher in den Euroraum gingen, gewinnen wir sie nun wieder zurück», sagt Angela Rupp, Sprecherin von Engadin St. Moritz Tourismus.

Gute Laune herrscht auch in Zermatt, Engelberg, Davos/Klosters, Meiringen/Hasliberg, der Jungfrauregion und der Aletscharena (Riederalp, Bettmeralp, Fiesch). Sie alle verzeichnen im Vergleich zur Wintersaison 2012/13 mehr Buchungen aus Deutschland. In Engelberg zum Beispiel sind es 5 bis 10 Prozent mehr.

«Die Zunahme bei den deutschen Gästen ist ein Lichtblick», sagt Edith Schweizer von Zermatt Tourismus. Auch Andermatt, Arosa, Lenk-Simmental, Samnaun-Unterengadin und die Ferienregion Heidiland rechnen damit, dass die Nachfrage der Deutschen in diesem Winter wieder anzieht. Jürg Schmid, Direktor von Schweiz Tourismus, bestätigt die Trendwende. «Alles deutet darauf hin, dass der Herkunftsmarkt Deutschland den Boden endgültig erreicht hat.» Er erwartet eine «sanfte Erholung, wenn auch auf einer tiefen Basis». In Graubünden, das von den deutschen Urlaubern besonders stark abhängt, ist die Erleichterung gross. «Seit Anfang dieses Jahres registrieren wir bei den deutschen Gästen nach mehreren ununterbrochen negativen Jahren wieder Monat für Monat Zuwächse, teilweise sogar im zweistelligen Bereich», sagt Gieri Spescha, Marketingleiter von Graubünden Ferien. Er rechnet damit, dass sich dieser Trend in den nächsten Monaten fortsetzt.

Die Erholung hat mehrere Gründe. Erstens hat sich die Konjunktur in Deutschland erholt. Zweitens ist der Franken gegenüber dem Euro weniger überteuert als vor drei Jahren – die tiefere Inflation macht die Schweiz günstiger. Drittens haben die Schweizer Ferienorte selber Gegensteuer gegeben. Die Hotelpreise im Wallis, in Graubünden und im Berner Oberland liegen heute zum Teil deutlich tiefer als vor zwei Jahren.

Damit nicht genug: Wie schon vor einem Jahr liefern sich die Hotels eine wahre Rabattschlacht. Im Oberengadin etwa kostet der Skipass ab zwei Hotelübernachtungen nur noch 25 Franken pro Tag. In Davos/Klosters ist in der Vorsaison für die Gäste der meisten Hotels der Skipass geschenkt. In Arosa ist die Skischule für alle Kinder gratis. Die Jungfrauregion lockt mit einem «2 für 1»-Angebot: Bei zwei Hotelübernachtungen plus Skipass zahlt nur einer von zwei Reisenden. Und 18 Hotels aus allen Schweizer Regionen bieten die Aktion «Bezahle, was du willst».

Gegenüber Österreich ist die Schweiz auch bei den Skipässen wieder konkurrenzfähig geworden. Das zeigt ein Preisvergleich des Onlineportals www.ab-in-den-urlaub.de. Eine Tageskarte kostet in der Schweiz durchschnittlich 38 Euro, in Österreich sind es mit 36 Euro nur unwesentlich weniger. Der Grund: In Österreich wurden die Liftpässe zum zweiten Jahr in Folge deutlich teurer, während in der Schweiz nur jedes dritte Skigebiet die Preise erhöhte.

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