Striclty confidental», steht auf dem Dokument, und «Internal Use Only». In dem Dokument finden sich Details zu einer Weissgeld-Strategie der Credit Suisse: «Client Tax Policy», zu Deutsch Steuerpolitik für Kunden.

Mit dieser Strategie will die Grossbank vom Standort Schweiz aus weltweit die Schwarzgeld-Vergangenheit bereinigen. «Regularisierung» ist das Wort, das die Banker gerne dafür verwenden. Gleichzeitig trennt man sich von Kunden, die ein zu geringes Vermögen haben. Kunden, die im Ausland leben, aber in der Schweiz ein Konto haben, werden von einer eigenen Abteilung systematisch angegangen. Etwa 50 Banker arbeiten die Kundenbeziehung ab, und zwar global, Land für Land. Die Grossbank hat für fast jedes Land der Welt eine eigene Strategie, selbst für karibische Inselstaaten wie Trinidad und Tobago.

Die Kunden sollen der Bank bestätigen, dass sie ihr Geld tatsächlich versteuern. Ab einem gewissen Vermögen wird zusätzlich von einem registrierten Steuerberater eine Bestätigung verlangt. Sonst wird die Beziehung beendet. Notfalls werden die Konten mit hohen Strafgebühren belastet. Mehrere hundert Franken zieht die Bank ab – monatlich.

Nun schreiben Banker noch schnell einmal «strictly confidential» auf ein Dokument. Und sei es nur, um sich gegen Vorwürfe der Aufpasser-Kollegen aus dem «Controlling» zu schützen. Doch die Aufräumaktion hat für die CS tatsächlich hohe Priorität. Die Zeit drängt.

In den Industriestaaten greift in den nächsten Jahren der automatische Informations-Austausch (AIA). Die «Early Adopter»-Staaten werden bereits Anfang des Jahres 2017 damit beginnen, untereinander Steuerdaten des Jahres 2016 auszutauschen. 2018 werden weitere Staaten folgen. Das mit der OECD verbundene Global Forum wird dannzumal prüfen, ob sich die Schweiz an die dann geltenden Standards hält.

Die Grossbank will sich für die neue Zeit rüsten und die Risiken für sich und die Angestellten möglichst klein halten. Konkret will man nicht mit «Steuerstraftaten der Kunden» in Verbindung gebracht werden, so das Dokument. Darin findet sich unter den Leitprinzipien auch die klare Vorgabe, die «Client Tax Policy» müsse so bald als möglich abgeschlossen werden. «Auf jeden Fall bevor der AIA in Kraft tritt.»

Um die Umsetzung der Strategie zu überwachen, hat die Credit Suisse ein «Regulatory Strategy Meeting» eingerichtet, das global über die Strategie entscheiden soll. Für die Steuerung der ganzen Strategie ist im Dokument der ehemalige Chefjurist der Schweizer Finanzmarktaufsicht, Urs Zulauf, angegeben. Als die Credit Suisse ihn 2013 abwarb, galt dies als Signal. Die Grossbank meinte es ernst mit dem Abschied vom Schwarzgeld. Damals hiess es, Zulauf übernehme die Verantwortung für die Steuerpolitik gegenüber Kunden.

Die Bereinigung der Schwarzgeld-Vergangenheit hat ihre Tücken. So können die Kunden etwa oft nicht einfach per Post informiert werden. Denn sie haben sich mit der Bank häufig vertraglich auf eine banklagernde Zustellung der Post geeinigt. Das hat die absurde Folge, dass der Brief an den Kunden postwendend wieder bei der Bank landet.

Versuchen die Banker, ihre Kunden zu kontaktieren, stossen sie auf weitere Hürden. Häufig funktionieren die Telefonnummern nicht, die Adressen sind veraltet. Wird der Kunde telefonisch erreicht, ist das Gespräch knifflig. Der Banker muss den Kunden erst identifizieren. Dann teilt er ihm mit, bei der Bank warte wichtige Post auf ihn. Jedoch darf er dem Kunden nicht von sich aus mitteilen, worum es geht. Dies wäre ein Verstoss gegen bankinterne Weisungen. Er muss den Kunden dazu bringen, von sich aus nach dem Inhalt des Briefes zu fragen usw. Ausmisten will gelernt sein.

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