Das «U-Boot» nennen Mitarbeiter Martin Scholl, den Chef der Zürcher Kantonalbank (ZKB). Diese Woche hat das U-Boot einen unpopulären Entscheid getroffen – und ist mal wieder abgetaucht.

Scholl entliess zwei Mitarbeiter, weil diese sich in dem Finanzblog Inside-Paradeplatz kritisch gegenüber der Bank geäussert haben. Sie wurden per sofort freigestellt.

Wenn Martin Scholl meinte, dass damit Ruhe in die Bank einkehrt, liegt er falsch. Ganz im Gegenteil: Die Entlassungen werden als verheerendes Zeichen für die Kultur der Bank gedeutet, sagt ein Kadermann. Die Entlassung komme einem Tabubruch gleich. Eingeschüchterte Mitarbeiter sprechen unverblümt von Stasi-Methoden.

Eine Paranoia wird angestachelt, die so weit geht, dass Informanten für Telefongespräche mit dieser Zeitung auf das Handy der Frau oder des Freundes ausweichen, weil sie Angst haben, von der «ZKB-Stasi» gefasst zu werden.

Im konkreten Fall hatte die Informatik ein leichtes Spiel, die Kommentarschreiber ausfindig zu machen. Ob die Kündigungen hingegen vor dem Arbeitsgericht standhalten würden, ist fraglich. Laut einem Vertrauten seien die erhobenen Vorwürfe womöglich nicht so gravierend, als dass sie IT-forensische Abklärungen gerechtfertigt hätten. Die ZKB sagt, die beiden Mitarbeitenden seien freigestellt worden, weil sie gegen mehrere interne Weisungen verstossen sowie die Treue- und Sorgfaltsverpflichtung verletzt hätten.

Die kompromisslose Vorgehensweise passe zum Führungsstil von Chef Martin Scholl. Dieser entscheide am liebsten eigenmächtig, ohne vorher das Gespräch mit den Betroffenen auch nur zu suchen.

Viel souveräner wäre es gewesen, wenn Scholl die aufmüpfigen Mitarbeiter zu einem Mittagessen eingeladen hätte. Die hätten nie mehr ein kritisches Wort über die Bank geschrieben, ist ein Scholl-Vertrauter sicher. Doch der ZKB-Chef klemme schnell Diskussionen ab. Das seien Zeichen, dass Scholl mit seiner Arbeit möglicherweise überfordert sei. Die Medienstelle sagte am Freitag, dass Chef Martin Scholl für eine Stellungnahme nicht zur Verfügung stehe.

Die ZKB befindet sich in einer besonders schwierigen Lage:
> Strukturelle Veränderungen: Die ZKB hat im September das Kostensenkungsprogramm Simplex gestartet. Das Ziel: Abläufe sollen verbessert und Abteilungen zusammengelegt werden. Doch das Programm kommt nicht richtig vom Fleck. Die effizienteste Massnahme war lediglich ein eisern befolgter Einstellungsstopp. Doch der Frust bei den Mitarbeitern ist gross, weil sie stets fürchten, entlassen zu werden.

> US-Deal: In diesem Dossier haben nur noch die extern engagierten Anwälte das Sagen. Sie bestimmen, was nach innen und nach aussen kommuniziert wird. In einer so heiklen Angelegenheit wie dem Steuerdeal mit den USA mag aus juristischer Sicht die gewählte Kommunikationspolitik Sinn machen. Doch als Bank, die der Zürcher Bevölkerung gehört, ist diese Informationsblockade eine Zumutung. Die Bank lässt die Chance verstreichen, der Öffentlichkeit zu erklären, warum sie in die Fänge der US-Justiz geraten ist und wie sie von ihr genötigt wird, eine (hohe) Busse zu bezahlen. Doch die ZKB hat Angst, sich durch eine zu offene Kommunikation in eine noch schwierigere Lage zu bringen. Und so wird man über die Hintergründe wohl nie Genaues erfahren. Denn wer einen Deal mit den Amerikanern eingeht, der unterwirft sich einem ewigen Schweigegelübde. Siehe Wegelin und UBS.

> Gesetzesrevision: Das dritte Problemfeld ist eine Revision des Kantonalbankgesetzes, welche die Bank im Januar 2013 selber angestossen hatte. Die Bank will ihr Eigenkapital verstärken und verlangt deshalb zusätzlich 2 Milliarden Franken vom Staat. Doch die Bank verpasst es, zu erklären, wozu sie dieses Geld braucht, und macht sich dadurch angreifbar. Politiker beginnen, Fragen zu stellen: Braucht die Bank eine Auslandstrategie? Wenn ja, welche? Der Bankratspräsident Jörg Müller-Ganz wäre hier gefordert. Doch der FDPVertreter, der seit zwei Jahren an der Spitze der ZKB steht, meldet sich nur selten zu Wort und äussert sich kaum dazu. Aufsehen und Ärger erregt hat er mit der Forderung, die Bezüge der Bankräte und des Präsidiums auf das Gehalt eines Bundesrats deutlich zu erhöhen. Müller-Ganz war am Samstag für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Das politische Kontrollorgan der ZKB ist die Aufsichtskommission des Zürcher Kantonsrates: Deren Präsident, Benedikt Gschwind, sagt auf Anfrage, dass die Stimmung in der Bank ein Thema für die Kommission sei. Insbesondere geht es darum, wie sich die Kostensenkungsmassnahmen auf die Belegschaft auswirken.

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