Es sind keine erfreulichen Resultate für die SBB-Leitung um Konzernchef Andreas Meyer. Die Personalumfrage 2011 zeigt, dass die Angestellten der Führungsriege misstrauen. Sie bewerten das Vertrauen in die Konzernleitung auf einer Skala von 1 bis 100 mit 44 Punkten. Im langjährigen Vergleich ist dies ein Tiefstwert.

Es ist das erste Mal seit elf Jahren, dass das Vertrauen in die Konzernleitung während zweier Jahre auf solch tiefem Niveau verharrt. Meyer kämpft mit einem dauerhaften Popularitätstief – trotz diverser vertrauensbildender Massnahmen, welche die SBB nach dem brutalen Absturz in den Umfragewerten 2011 eingeleitet haben. Dass es sich bei der neuen Umfrage nicht um eine Vollerhebung handelt, sondern lediglich um eine kleinere Befragung, wie die SBB betonen, dürfte dabei kein Trost sein.

Unter Meyers Vorgänger Benedikt Weibel hat das Vertrauen in die Konzernleitung 2001 zwar ebenfalls einen starken Einbruch erlitten. Weibel, der damals nach Sparmassnahmen und Personalabbau mit Personalmangel kämpfte, konnte die Mitarbeiter aber innerhalb von zwölf Monaten wieder für sich gewinnen. Entscheidend für diese Trendwende war, dass Weibel unter dem Druck der Öffentlichkeit auf eine umfangreiche Lohnerhöhung verzichtet hatte.

Andreas Meyer, der fast doppelt so viel verdient wie Weibel, versucht hingegen das Vertrauen ohne Lohnverzicht zurückzugewinnen. In seinen derzeit häufigen Medienauftritten gibt er sich als basisnaher Bähnler (etwa als Gast in der Sendung «Schawinski») oder zeigt vor der Kamera des SF-Wirtschaftsmagazins «Eco» Herz beim Vortrag vor Kindern von Mitarbeitern.

Gefeilt wird indes nicht nur am öffentlichen Bild des Chefs, sondern auch am Umgang mit Untergebenen. Das unter dem Eindruck der schlechten Umfragewerte verabschiedete neue Führungskonzept der SBB verlangt «mehr Wärme in der Führung» und eine grössere Wertschätzung der Mitarbeiter. Im Workshop «Top SBB» sind bereits 800 Kader dazu geschult worden. In diesem Jahr werden weitere 2000 Basiskader das Programm absolvieren. Das Seminar zeigt jedoch hauptsächlich, dass es im mittleren Kader brodelt. «Ich habe Mühe, mich mit dem Führungsmodell zu identifizieren, wenn ich sehe, dass deren Inhalte ‹oben› nicht vorgelebt werden, sagt ein Teamleiter in der aktuellen Ausgabe der Mitarbeiterzeitung der SBB. Ein anderes Mitglied des Basiskaders hofft, dass die «Führung» bemerke, dass das Wissen langjähriger Mitarbeiter wertvoll sei.

Die SBB sehen sich indes auf gutem Weg, das Misstrauen abzubauen. «Das Vertrauen hat sich stabilisiert, wenn auch auf einem tiefen Stand», sagt Sprecher Reto Kormann. Es müsse zwar am gegenseitigen Vertrauen weitergearbeitet werden, doch der Boden für eine Verbesserung der Mitarbeiterzufriedenheit sei gegeben.

Neben dem Massnahmenpaket zur Stärkung der Führung werden die Kommunikation sowie Prozesse verbessert. Die 560 Unternehmenseinheiten haben zudem eigene Massnahmen definiert.

«Die Führungsschulungen des Kaders bringen offenbar nichts», sagt hingegen der Präsident der Lokführergewerkschaft VSLF. Die Personalzufriedenheit unter den Lokführern sei so tief, dass diese eigentlich gar nicht mehr fahren dürften. Gemäss Huber hat sich in den letzten beiden Jahren die Zahl der Kader beim Lokpersonal mehr als verdoppelt, was unnötig sei. Die Lokführer bräuchten weniger, aber gute Vorgesetzte. Laut Giorgio Tuti, Präsident der Eisenbahnergewerkschaft SEV, wirken die von den SBB getroffenen Massnahmen nur punktuell. Die Kommunikation würde nicht allein dadurch verbessert, dass E-Mails netter formuliert würden.

Die niedrigen Zufriedenheitswerte des Personals haben 2011 für die Konzernleitungsmitglieder eine Bonus- beziehungsweise Lohneinbusse von 4 bis 10 Prozent zur Folge.

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper!