Aus dem Bericht geht hervor, dass in der Schweiz 20 000 Anleger insgesamt 4 Milliarden Franken mit strukturierten Produkten der amerikanischen Pleitebank verloren haben. Die weitaus grössten Verluste fielen bei Kunden der Credit Suisse an. Fakten, die bislang verschwiegen wurden. Der interne Bericht deckt weiter auf, dass zahlreiche Banken den Vertrieb von Lehman-Produkten aufgrund gestiegener Risikoprämien bereits früh gestoppt haben. Er zeigt zudem, dass die Credit Suisse intern die Lehman-Papiere heruntergestuft hatte, sie aber weiterhin an Kunden verkaufte.

In einem später veröffentlichten Finma-Schlussbericht zu Lehman werden diese und andere brisante Fakten verschwiegen. Nationalrat Philipp Müller (FDP/AG) kritisiert die Bankenaufsicht scharf: «Die Finma kommt in den beiden Berichten nicht nur zu unterschiedlichen Schlussfolgerungen. Es bleiben auch Fakten, die im ersten Bericht eine zentrale Rolle spielten, im zweiten Bericht unerwähnt. Ich kann mir nicht erklären, warum dies so ist.» Den offiziellen, veröffentlichten Finma-Bericht finden Sie hier: http://www.finma.ch/d/aktuell/Seiten/mm-lehman-madoff-20100302.aspx

Für den Finanzpolitiker Müller ist klar: «Die Widersprüche zwischen den beiden Berichten zeigen leider, dass beispielsweise die CS im öffentlichen Bericht wesentlich besser beurteilt wird, als dies im ersten Bericht der Fall war. Das wirft die Frage auf, ob die Finma den Schutz der Beaufsichtigten nicht höher gewichtet als den Schutz der Anlegerinnen und Anleger.» Für Müller ist es «sehr problematisch, wenn eine Behörde in einem öffentlichen Dokument andere Darstellungen macht als in einem internen Bericht».

Die Finma wollte zu Veröffentlichung des Berichts keine Stellung nehmen. Die im internen Bericht kritisierte Credit Suisse nimmt wie folgt Stellung: «Dieses interne Finma-Dokument ist längst überholt und berücksichtigt nicht die spätere umfassende Finma-Untersuchung, weshalb es keine Bedeutung hat und wir es selbstverständlich auch nicht kommentieren können. Die Finma hat im März 2010 in ihrem offiziellen und damit einzig massgebenden Bericht festgehalten, dass sie bei der Credit Suisse im Vertrieb von Lehman-Produkten kein systematisches Fehlverhalten festgestellt hat. Sie hat darum ihre Untersuchungen eingestellt.» Beat Schmid

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