Hans-Ulrich Meister hatte vor einer Woche einen schwierigen Auftritt. Im hauseigenen Seminar- und Kongresshaus, Forum St. Peter in Zürich, trat der Chef des Private Banking des Schweizer Geschäfts vor seine Belegschaft. Es war der erste grosse interne Auftritt nach Ankündigung von einschneidenden Massnahmen wie der Integration der Privatbank Clariden Leu und des gross angelegten Rationalisierungsprojekts Future-PB.

Dass nicht alle Stühle besetzt waren im grossen Vortragssaal, gab intern Anlass zu Spekulationen. Die Privatbanker vom Paradeplatz sollen Meister zusehends die Gefolgschaft verweigern. Sein Speech, der auch im Intranet übertragen wurde, soll ein schlechtes Beteiligungsrating erreicht haben.

Im Gespräch mit dem «Sonntag» kontert Meister diesen Punkt. Die Beteiligung habe im üblichen Rahmen gelegen. Er gibt aber zu, dass seine Äusserungen manchem Privatbanker möglicherweise nicht gefallen haben. «Menschen haben grundsätzlich Probleme mit Verhaltensänderungen. Wir sprechen hier nicht von kleinen Anpassungen, sondern von fundamentalen Veränderungen. Es führt leider kein Weg daran vorbei, dass wir das Business neu ausrichten müssen.»

Vor allem etablierte Privatbanker scheinen sich mit den Veränderungsprozessen schwerzutun. «Wenn ein 50-jähriger, sehr erfolgreicher Kundenbetreuer plötzlich einen Teil des Kundenportfolios abgeben muss, völlig neue Prozesse erlernen und am Schluss noch eine Zertifizierungsprüfung ablegen muss, kann das verständlicherweise auch zu Verunsicherung führen», sagt Meister.

Das Schweizer Banking dürfte sich in den nächsten Jahren fundamental verändern, davon ist Meister überzeugt. «Wir sind die Ersten, die diesen schmerzhaften Weg wählen, weil ich überzeugt bin, dass das Tempo matchentscheidend ist, um auch in Zukunft erfolgreich zu sein.» Wer sich nicht den neuen Begebenheiten anpasst, wird es schwer haben. «Die Banker, die noch nicht an den Wandel glauben, werden in den nächsten Quartalen realisieren, dass die Anpassung an die neue Realität unumgänglich ist.»

Darüber spricht man zwar nicht gerne, aber die neue Realität bedeutet vor allem keine oder schwindende Geschäfte mit unversteuerten Geldern, mit denen sich die Schweizer Banken in der Vergangenheit eine goldene Nase verdient haben. Eine neue Realität geben aber auch die Märkte vor. Das anhaltend tiefe Zinsumfeld macht Bankgeschäfte unattraktiv. Kunden, auch sehr vermögende, verabschieden sich im grossen Stil in Sachwerte wie Immobilien oder halten grosse Cash-Bestände auf den Konten.

«Solange die Probleme in Europa nicht glaubhaft gelöst werden, werden auch die Kundenaktivitäten negativ beeinflusst», sagt Meister. Das schlägt auf die Geschäftszahlen durch. Im ersten Quartal zog die Private-Banking-Abteilung 5,8 Milliarden Franken Neugeld an (Net New Money). Im Vergleich zum Vorjahr, als noch Walter Berchtold an der Spitze des Private Banking stand, waren es noch 12 Milliarden. Diese Negativentwicklung setzt Meister unter Druck. Ist er am Ende schlechter als sein Vorgänger?

Zu den schlechten Neugeldzahlen meint Meister: «5,8 Milliarden Franken sind nicht der neue Standard. Es gibt klare Gründe, welche zu diesen Zahlen führten.» Doch daran wird sich so schnell nichts ändern. Denn die Steuerproblematik, welche «kurz- und mittelfristig die Neugeld-Zahlen negativ beeinflusst», schlüge erst jetzt so richtig auf die Bank durch.

So versucht Meister, die Bank weiterhin auf Effizienz zu trimmen. Das Schlüsselwort heisst Future-PB, ein mehrjähriges Programm für Effizienz und Ertragssteigerung, das die «marktbezogenen Rückgänge bei den Erträgen kompensieren oder gar überkompensieren wird». Das Projekt sei «on track», sagt Meister. «Den vollen Effekt des Massnahmenpakets unter dem Projektnamen Future-PB wird man Ende 2014 sehen.» Das ist eine lange Durststrecke. Das Image des Hoffnungsträgers innerhalb der Bank ist er jedenfalls los.

Wie schwierig der Umbau ist, erlebt Meister derzeit beim Geschäft in Europa. «Wir straffen die Kundensegmente in den einzelnen Onshore-Märkten, passen wo nötig – beispielsweise in Italien – das Filialnetz an und wollen die IT-Plattform effizienter betreiben. Die sogenannten Backend-Systeme werden dabei wirksamer zusammengefasst.»

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