Im Flachland knickten diesen Winter besonders viele Baum-Wipfel unter dem nassen Schnee ab. Die beschädigten Stämme bieten nun dem Borkenkäfer so viel Nahrung, dass er sich innert kurzer Zeit dramatisch vermehren könnte.

Wie eine Statistik der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) zeigt, nimmt der Befall durch den Borkenkäfer seit 2012 wieder zu. 160 000 Kubikmeter Fichtenholz – seine Leibspeise – hatte er 2014 befallen. «Häufig ist die Zunahme des Befalls auf regionale Sturm- und Schneedruckschäden zurückzuführen», sagt Beat Forster, Mitarbeiter beim Waldschutz an der WSL. «Davon besonders betroffen waren vergangenes Jahr die Fichten in Graubünden und Wallis.» Dort dürfte es auch dieses Jahr einen erhöhten Befall geben. «Für die anderen Regionen ist es aber schwer, eine Prognose zu machen», sagt Forster.

Viel und vor allem nassen Schnee gab es diesen Winter in verschiedenen Regionen. So lag in St. Gallen, Thurgau und Appenzell am 31. Dezember mehr als ein halber Meter. Und in Zürich, Luzern und Zug waren es über 30 Zentimeter. Mit Folgen. Im Winterthurer Stadtwald müssen jetzt rund 10 000 durch Schneelast beschädigte Bäume gefällt werden. Diese Massnahme ist nötig, um einer Ausbreitung des Borkenkäfers vorzubeugen.

Wie schnell sich der Borkenkäfer verbreitet, ist von der Witterung im Frühling und im Sommer abhängig. «Bei anhaltend heisser, trockener Witterung während der Vegetationsperiode könnte es zu einer Massenvermehrung kommen», sagt Forster. Er rät daher, dem Borkenkäfer wieder erhöhte Aufmerksamkeit zu schenken – insbesondere in den Bergregionen mit deutlich gestiegenem Befall.

Zuständig für den Schutzwald beim WSL-Institut für Schnee und Lawinenforschung in Davos GR ist Peter Bebi. Sorgen bereitet ihm vor allem der Anstieg der Temperaturen. «Durch den Temperaturanstieg in allen Höhenstufen verlängert sich der Zeitraum, in dem eine Entwicklung der Borkenkäfer möglich ist», sagt Bebi.

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