Spirig, das Schweizer Pharmaunternehmen im solothurnischen Egerkingen, ist besonders mit seinem Sonnenschutzmittel Daylong bekannt geworden. Nächstes Jahr wird Daylong seinen zwanzigsten Geburtstag feiern. Doch dann wird der Schweizer Player im Besitz einzelner Verwaltungsräte und Geschäftsleitungsmitglieder wohl einem global tätigen Pharmariesen gehören. Als Bieter haben sich bereits Glaxo Smith Kline, Bayer, Medicis Pharmaceutical, Galderma Pharma oder Alergan sowie Sandoz in Position gebracht. Das geht aus einem Papier von Mergermarket hervor, das dem «Sonntag» vorliegt. Mergermarket ist ein nicht-öffentlicher Nachrichtendienst für Firmenverkäufe.

Spirig habe die Berater von Kurmann Partners mit dem Verkaufsprozess beauftragt, die Anwälte von Lenz&Stähelin begleiteten den Verkauf rechtlich, wird Silvio Inderbitzin von Mergermarket zitiert. Inderbitzin war bis Anfang 2012 CEO und bildete dann zusammen mit Finanzchef Gregor Burch einen strategischen Ausschuss des Verwaltungsrats, der den Verkauf organisieren soll. Den Vorsitz der Geschäftsleitung hat Beat Sägesser, Bereichsleiter Technik, übernommen. In die Position des Finanzchefs rückte Adrian Pflugshaupt, Sohn des früheren langjährigen CEO, und Verwaltungsratsmitglieds Christian Pflugshaupt. Diese Verantwortungsträger wären die Nutzniesser des Verkaufs.

Der neue Finanzchef Adrian Pflugshaupt bestätigt gegenüber dem «Sonntag» die Ausschreibung und erste konkrete Gespräche mit Interessenten: «Wir sind auf der Suche nach einem strategischen Partner.» Das könne eine Zusammenarbeit oder den Verkauf bedeuten. Ziel sei ein breiterer Marktzugang. «Mit unserer bisherigen Produktpalette, unseren Innovationen und Lizenzen suchen wir ein europa- und weltweites Vertriebsnetz», so Pflughaupt. Im Zentrum des Interesses allfälliger Käufer steht eine neue Produktelinie zur Behandlung von weissem Hautkrebs, neben den beiden bekanntesten Marken Daylong für den Sonnenschutz und Excipial zur Pflege von trockener Haut. Nachdem im Juli das Beratungsunternehmen beauftragt worden war, haben nach der Sommerpause die Gespräche begonnen. Die entscheidende Phase soll das vierte Quartal sein.

Von einem Verkauf betroffen sind 270 Mitarbeiter in der Schweiz sowie weitere 120 in sechs ausländischen Tochtergesellschaften. Nach Umsatz die wichtigsten Märkte für Spirig sind Tschechien und die Slowakei sowie Deutschland, gefolgt von Österreich und Frankreich. Diese internationale Strategie ergab sich jeweils nach Gelegenheit, sodass bis heute naheliegende Märkte wie etwa Italien oder Spanien überhaupt nicht bearbeitet werden.

Für einen anstehenden Verkauf spricht zudem die Vorgehensweise der letzten Monate. Im vergangenen November war die Generikasparte an die deutsche Stada Arzneimittel verkauft worden; vor wenigen Wochen folgte der Verkauf der Pharmagrosshandels- und Handelswarensparte. Deshalb waren Anfang Juli 15 und im August weitere 13 Stellen über Entlassungen und frühzeitige Pensionierungen gestrichen worden. Spirig Pharma liegt seither bei einem Umsatz von rund 100 Millionen Franken und hat sich vollkommen auf den Bereich Dermatologie und Dermakosmetik beschränkt – oder anders: Die Braut hat sich für den Verkauf geschmückt.

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper!