Herr Leuenberger, die Swiss muss in Basel einer neuen Billigairline der Lufthansa weichen. Wie beurteilen Sie als Präsident der Swiss Luftfahrtstiftung diesen Schritt ?
Moritz Leuenberger: Das tangiert den Kern der Stiftung, nämlich die Überwachung der Eigenständigkeit der Swiss im Lufthansakonzern. Das war beim damaligen Verkauf die grösste Sorge. Deswegen wurde die Stiftung gegründet. Die Tatsache, dass Swiss-Flüge mit Schweizer Personal ab 2015 durch eine neue Billigairline der Lufthansa mit günstigerem Personal ersetzt werden, lässt sich nicht schönreden. Das ist genau das, was man vor neun Jahren nicht wollte. Was für den Spezialfall Basel vertretbar sein mag, darf nicht zum Modell für die ganze Schweiz werden. Die Stiftung würde sich gegen eine solche Entwicklung öffentlich wehren.

Was können Sie gegen den Rückzug aus Basel unternehmen?
Nichts, denn wir sind eine Art Beirat ohne unternehmerische Kompetenzen. Aber die Stiftung wird das Thema an ihrer nächsten Sitzung im September behandeln und mit den Swiss-Verantwortlichen kritisch erörtern.

Waren Sie überrascht, als Lufthansa-Chef Carsten Spohr den Rückzug der Swiss aus Basel an der Pressekonferenz am Mittwoch bekannt gab, oder wurden Sie vorab informiert?
Ich erfuhr das aus den Medien. Da wurde sehr ungeschickt kommuniziert. Bei so einem bedeutenden Strategiewechsel müssten Basel, das Swiss-Personal und die Luftfahrtstiftung einbezogen und mindestens informiert werden. Das war leider nicht der Fall. Wir wissen aber auch, dass die Swiss es in Basel auf keinen grünen Zweig brachte, defizitär arbeitete und einen Marktanteil von nur 4 Prozent hat. Deswegen wäre auch wichtig zu wissen, wie sehr die Swiss hinter dieser Strategie steht und sie mitträgt.

Sie spielen auf Genf an. Dort testet die Swiss selber ein Modell mit günstigen Preisen, das irgendwann auch in Basel hätte angewandt werden sollen. Angedacht war auch, dass die neuen C-Series ab Basel abheben würden.
Genau.

Dennoch blieb nun der ganz grosse öffentliche Aufschrei aus, vor allem auch in Basel. Weshalb?
Es scheint, als seien die Befürchtungen von damals nicht mehr die Befürchtungen von heute. Vor neun Jahren hatte man Angst, dass die Swiss von der Lufthansa überrollt würde. Damals hätte der Rückzug aus Basel einen riesigen Aufschrei verursacht. Nun äussern sich aber selbst Basler Politiker positiv. Offenbar ist es für sie wichtiger, dass der Flughafen Basel an den internationalen Luftverkehr angebunden ist, egal durch wen.

Gilt das auch für die Kunden?
Es scheint so. Der ausbleibende Aufschrei zeigt, dass die Identifikation mit der Swiss in der Bevölkerung zugunsten einer neuen, globalisierten Konsumentenhaltung schwindet. Der Preis und die Verfügbarkeit von Flügen werden wichtiger als das Kreuz auf der Heckflosse. Parallel dazu nimmt die Identifikation der Swiss-Verantwortlichen mit dem Mutterkonzern zu – eine übliche Entwicklung nach einer Fusion.

Die Stiftung wurde auf zehn Jahre gegründet. Wird sie nächstes Jahr erneuert?
Darüber gibt es Gespräche. Die Eigenständigkeit der Swiss und die Anbindung der Schweiz sind heute nicht von Frankfurt bedroht, sondern von den Golfstaaten oder von Istanbul. Das politische Monitoring der Stiftung müsste in Inhalt und Form dieser Entwicklung angepasst werden.

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