Vor einem Monat lancierte Jürg Schmid in der «Schweiz am Sonntag» die Idee, Wölfe und andere Wildtiere als Chance für den Tourismus zu sehen. Dafür habe er viel Zuspruch aus den städtischen Gebieten erhalten, sagt der Direktor von Schweiz Tourismus – und «viel Schimpf und Schande aus der Berggegend», namentlich aus dem Wallis, wo der Wolf von vielen nicht gern gesehen wird. Schmid hat sogar Drohungen erhalten, die er aber nicht näher beschreiben mag. Er sagt nur: «Drohungen sind immer Quatsch.»

Dass Wildtierbeobachtungen ein Bedürfnis vieler Touristen und Ausflügler sind, belegt die zunehmende Zahl der Angebote. Schweiz Tourismus hat eine ganze Liste zusammengestellt. «Ich höre von vielen aus der Branche, die anfangen mit solchen Produkten», sagt Schmid dazu. Die Angebote sollen schon bald auf der Internetsite von Schweiz Tourismus aufgeschaltet und international vermarktet werden.

Vor allem in Graubünden boomen geführte Wildtierbeobachtungen. In Davos, Savognin, Obersaxen, Bergün, Samnaun und im Puschlav führen einheimische Jäger, Wildhüter oder Förster die Gäste zu Hirschen, Gämsen und Rehen. Mit etwas Glück sind je nach Ort Steinböcke und Adler zu sehen. Auch in anderen Landesteilen werden zunehmend geführte Wildtiertouren angeboten. Etwa am Niederbauen oberhalb von Emmetten NW, auf dem Gipfel des Pilatus, in Elm GL und im Aletschgebiet im Wallis.

Bereits gibt es das erste Angebot für eine Wolfssafari: Während dreier Tage kann man sich in der Bündner Calanda und am Kunkelspass auf die Spuren des ersten Wolfsrudels der Schweiz begeben, das seit Sommer 2012 dort lebt. Die Chance, die Wölfe wirklich zu sehen, ist zwar verschwindend klein. Die Teilnehmer erfahren aber viel über ihre Lebensweise, erhalten Einblick in die Herausforderungen, die der Wolf mit sich bringt, und besuchen eine mit Hunden geschützte Schafalp.

Geführte Steinbockbeobachtungen gibt es am Schamserberg bei Zillis GR und im Parco Nazionale del Locarnese. In Pontresina GR finden Exkursionen zur grössten Steinbockkolonie der Schweiz statt. Der Schweizerische Nationalpark bei Zernez GR veranstaltet wöchentlich geführte Exkursionen zur Beobachtung der Hirsche. Besonders zur Brunftzeit von Mitte September bis Anfang Oktober ist das ein Erlebnis. Im Tösstal im Zürcher Oberland gibt es geführte Wanderungen auf den Spuren der dort ausgesetzten Luchse.

Weltweit einzigartig ist die Möglichkeit, die das Liechtensteiner Bergdorf Malbun bietet: Hier kann man mit einem echten Steinadler, der in Gefangenschaft gehalten wird, eine Wanderung unternehmen und zuschauen, wie der Vogel in seinem natürlichen Lebensraum auf 2000 Meter Höhe jagt.

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