Ein reger Personenverkehr herrscht in diesem Sommer auf der Via Maistra. Die Shopping-Meile in Pontresina ist bevölkert, Läden und Restaurants sind bestens frequentiert. Das Angebot ist vielfältig und unaufgeregt, vom Chäslädeli über den Chocolatier bis zu Kleiderboutiquen und Sportgeschäften. Dazwischen viel Gastronomie. Luxuslabels wie Prada oder Gucci? Fehlanzeige in Pontresina. Für den Glitzer und Glamour ist das zehn Kilometer entfernte St. Moritz zuständig. Wo früher der Jetset das Geld mit vollen Händen ausgab, herrscht zurzeit jedoch Ernüchterung. Viele leer stehende Ladenlokale zeigen das Dilemma. Der Tourismus ist eingebrochen, gleichzeitig verharren die Boden- und Mietpreise auf Topniveau. Immer mehr Shops müssen aufgeben.

Während das auf eine internationale Kundschaft ausgerichtete St. Moritz unter einem happigen Rückgang russischer, europäischer und asiatischer Touristen leidet, ist Pontresina mit einem Gästeanteil von zwei Dritteln vor allem bei den Schweizern beliebt. Und die sind treu. Im Winter 2015/16 kam Pontresina mit einem Minus von fünf Prozent gut weg, während Graubünden insgesamt 16 Prozent verlor. Diesen Sommer ging es schon wieder aufwärts. «Die durchschnittliche Anzahl Logiernächte der 22 Hotels im Dorf lag per Ende Juli über dem Vorjahresniveau», sagt Jan Steiner, Direktor von Pontresina Tourismus. Dies, obschon der mit 141 Zimmern grösste Betrieb vor Ort, das Hotel Schloss, in diesem Sommer durchgehend geschlossen blieb. Das hat einen Grund: Es wird derzeit vollständig erneuert.

Auch sonst wird in Pontresina zurzeit kräftig investiert in den Sommer- wie Wintertourismus, die ähnlich viele Gäste anziehen. Tausende Wanderer begingen heuer bereits den im Vorjahr erneuerten Gletscherweg zum Morteratschgletscher, eine der Hauptattraktionen. Dazu werden in diesem Jahr mehrere neue Mountainbike-Strecken gebaut. Im Dezember wird eine moderne Alpine Lodge mit achtzig Betten ihre Tore öffnen. Und ab 2017 soll am Dorfeingang ein neues Sporthotel mit hundert Zimmern entstehen. Dazu hat eine griechische Investorenfamilie mit einem grösseren Engagement soeben die Gründung der neuen Bergbahngesellschaft Diavolezza Lagalb unterstützt, die den nachhaltigen Skibetrieb auf der Lagalb sicherstellt. «Alle Investoren haben uns in der Planungsphase ihren Glauben an eine rosige touristische Zukunft für Pontresina versichert», erklärt Jan Steiner.

Um dem Erfolg der Destination auf die Spur zu kommen, hilft ein Blick auf den «Prix Bienvenu», den Schweiz Tourismus mit viel Aufwand zur Steigerung der touristischen Servicequalität im Land lanciert hat. Gleich fünf Hotels aus Pontresina belegen im Rating Spitzenränge und gehören in puncto Gastfreundschaft zu den beliebtesten.

Darunter ist das Viersternehaus Saratz, seit Jahren auch für hohe Prominenz ein Favorit für gemütliche Familienferien abseits des elitären Rummels. «Für viele unserer Gäste ist Pontresina wie ein zweites Zuhause in den Bergen», sagt Hoteldirektor Thierry Geiger. Weit über die Hälfte sind Stammgäste, die bei der Abreise oft gleich wieder buchen. So läuft das auch in anderen Betrieben wie dem Hotel Walther Relais & Châteaux, das sich beim «Prix Bienvenu» sogar den ersten Rang in der Kategorie «30 Ferienhotels gross» holte. Die Hotels in Pontresina bieten einen «dezenten Luxus mit einer sehr hohen Dienstleistungsbereitschaft», wie es Jan Steiner ausdrückt. Das Preis-Leistungs-Verhältnis stimme deshalb für die Kundschaft.

Bei Schweiz Tourismus ist man erfreut, dass sich Investitionen in Gastfreundlichkeit und hohe Servicestandards in wirtschaftliche Erfolge ausmünzen lassen. In Pontresina stimme sowohl die Qualität dieser «Software» als auch der touristischen «Hardware», sagt Direktor Jürg Schmid. «Pontresina ist ein gelungenes Beispiel dafür, wie der alpine Schweizer Tourismus auch künftig erfolgreich sein kann.»