Beznau I ist mit 44 Jahren das älteste AKW der Welt. Auch Beznau II ist schon seit 41 Jahren am Netz. Und beide sollen noch lange laufen, bis mindestens zum 60. Geburtstag. Diesen Eindruck jedenfalls vermittelte AxpoChef Heinz Karrer den Politikern der Energiekommission, wo er Ende August aufgetreten ist – und sich klar gegen eine Laufzeiten-Regelung aussprach.

Offiziell will die Axpo kein Abschaltdatum nennen. Der Stromkonzern rechne aber damit, «die beiden Reaktoren bis deutlich über 2020 hinaus betreiben» zu können, hält Axpo-Sprecher Erwin Schärer fest. Intern kalkuliert die Axpo zwar noch immer mit einer Laufzeit von 50 Jahren. Bis dann müssen die Investitionen amortisiert sein. Faktisch habe sich das Ziel aber mittlerweile von 50 auf 60 Jahre verschoben, sagt ein Axpo-Manager, der nicht genannt werden will.

Verglichen mit Mühleberg befindet sich die Axpo durchaus in einer komfortableren Situation. Das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (Ensi) hat derzeit keine Forderungen offen, deren Erfüllung teure Investitionen bedeuten würde. Die Axpo kann Beznau vorerst unbeschränkt laufen lassen. Mit Kosten von 5 bis 7 Rappen pro Kilowattstunde liegt Beznau heute teilweise über dem Marktpreis an der Strombörse. Doch die Axpo sei überzeugt, dass «die momentanen Marktverzerrungen nicht von Dauer sein können», sagt Schärer. Das heisst: Die Strompreise dürften gemäss Schätzung der Axpo in Zukunft wieder steigen und den Beznau-Strom rentabler machen. Anders die Einschätzung bei der Konkurrenz: BKW-Präsident Urs Gasche geht von anhaltend tiefen Preisen aus, weshalb sich Investitionen für Mühleberg nicht mehr gerechnet hätten.

Total 1,6 Milliarden hat die Axpo seit Inbetriebnahme in die beiden Beznau-Reaktoren nachinvestiert. Mehr als es beim Bau gekostet habe, betont Schärer. Und so kam Konzernchef Karrer im vergangenen Jahr im Interview mit der «Schweiz am Sonntag» zum Schluss: «Beznau ist Weltklasse!»

Alleine in den sieben Jahren der aktuellen Planungsperiode bis 2015 investiert die Axpo 700 Millionen Franken ins Kraftwerk – unter anderem für einen neuen Reaktordeckel und zwei Notstromaggregate. Ob es auch für nach 2015 eine Investitionsplanung gibt, kann indes niemand beantworten. Es ist zu vermuten, dass das nicht der Fall ist.

Denn die Axpo befindet sich derzeit in einer Planungsstarre. Im Spätsommer hat Karrer seinen Rücktritt angekündigt, und noch ist kein Nachfolger bekannt. Zudem verlassen auch die Leiter der wichtigen Sparten Handel und Netze/Anlagen 2014 den Stromkonzern. Bevor die Nachfolger für die drei Leitungspositionen nicht im Amt seien, würden keine grossen Entscheide mehr gefällt, heisst es im Umfeld des Konzernsitzes. Offenbar könnte noch vor Weihnachten ein Nachfolger für Karrer bekannt werden, wird gemunkelt. Dieser werde seit einiger Zeit nur noch selten am Axpo-Sitz gesichtet.

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