Die Credit Suisse präsentiert ihre Geschäftszahlen für das Jahr 2013 am 6. Februar, doch schon jetzt steht gemäss zuverlässigen Informationen der «Schweiz am Sonntag» fest: Die meisten CS-Banker erhalten deutlich weniger Bonus als im Vorjahr. Die Gesamtvergütung (total compensation) geht um rund 10 Prozent zurück.

Der Rückgang ist bemerkenswert, weil die Credit Suisse bessere Ergebnisse zeigt als im Vorjahr. Der Vorsteuergewinn in den ersten neun Monaten 2013 betrug 4,47 Milliarden Franken, verglichen mit 3,8 Milliarden in der Vorjahresperiode. Und im vierten Quartal setzte sich die positive Entwicklung fort.

Trotz des guten Geschäftsgangs verbuchte die CS in den ersten neun Monaten fixe und variable Vergütungen im Gesamtbetrag von «nur» 8,49 Milliarden Franken, verglichen mit 9,71 Milliarden in der Vorjahresperiode. Der Rückgang um 12,5 Prozent erklärt sich nur zu einem kleinen Teil mit dem Personalabbau (der Bestand sank um 4 Prozent). Rund 9 Prozent beträgt der Rückgang der Vergütungen pro Mitarbeiter.

Im Jahr 2012 war zwar der ausgewiesene Personalaufwand auch rückläufig gewesen. Doch Gehälter der Geschäftsleitung legten deutlich zu: Die 13 Spitzenmanager steigerten ihre Bezüge um 5,6 Prozent auf 74,1 Millionen Franken. Im Schnitt verdienten sie 5,7 Millionen Franken. Konzernchef Brady Dougan erhielt ein Gesamtpaket von 7,8 Millionen Franken, im Vorjahr 2011 waren es noch 5,8 Millionen Franken. Das höchste Gehalt mit 10,6 Millionen Franken bezog Robert Shafir, der Co-Chef des Bereichs Private Banking & Wealth Management.

Für die gesamte Gruppe wurde der Bonustopf um 15 Prozent auf 3,4 Milliarden Franken erhöht, am stärkten profitiert haben die Investmentbanker. Davon wurden 65 Prozent nicht sofort ausbezahlt, sondern aufgeschoben. Da die Boni, die zu einem späteren Zeitpunkt ausbezahlt werden, auch vom Geschäftsverlauf abhängig sind. So lässt sich die effektiv ausgeschüttete Gesamtentschädigung nur sehr schwer ermitteln.

Der im Geschäftsbericht aufgeführte Lohnaufwand ergibt somit kein korrektes Bild. Das zeigt sich auch daran, dass die Grossbank 2012 die gesamte Lohnsumme um 4,8 Prozent auf 10,9 Milliarden Franken senkte. Gedrückt wurde der Aufwand damals wie auch im vergangenen Jahr durch den Abbau von 2300 Arbeitsplätzen auf 47 400 Vollzeitstellen.

Gemäss zuverlässigen Quellen ist es das Bestreben des Verwaltungsrats, nun auch die Vergütungen der höchsten Kader herunterzubringen. Das gilt auch für den obersten CS-Mann selbst: CS-Präsident Urs Rohner. Er bekam 2012 noch 5,23 Millionen Franken, er muss sich nun für 2013 mit weniger begnügen. Die Entschädigung des VR-Präsidenten im Langfristvergleich widerspiegelt einen Trend der ganzen Branche, und zwar deutlicher als anderswo: Walter B. Kielholz, CS-Präsident von 2003 bis 2009, erhielt zur besten Zeit rund 16 Millionen Franken.

Die obersten Führungsebenen der CS erhalten nicht nur eine tiefere Gesamtvergütung. Auch deren Zusammensetzung ändert sich: Weniger Bargeld, dafür relativ gesehen mehr Aktien – und neu sogenannte Cocos. Deren Wert hängt auch von der Geschäftsentwicklung in den nächsten drei bis fünf Jahren ab und kann auf null fallen.

Gemäss «Financial Times» wird rund ein Fünftel der zeitverzögerten Zahlungen für 2013 als Cocos entrichtet. Fällt das harte Eigenkapital der CS unter 7 Prozent, setzt die Pflichtwandlung der Papiere ein. Der CS-Verwaltungsrat will die Vergütungspolitik wieder stärker leistungsabhängig machen. Im Jahr 2012 erhielten Geschäftsleitungsmitglieder einen Viertel der Bezüge (17,7 Millionen) in Form von Fixsalären.

Im Gegensatz zur CS werden bei der UBS die Bonustöpfe besser gefüllt sein als 2012. Dies kündigte UBS-Chef Sergio Ermotti kürzlich in einem «Schweiz am Sonntag»-Interview an. Die höheren Boni begründete er so: Die UBS habe «operativ hervorragende Resultate gehabt, und wir haben all unsere strategischen Ziele erreicht».

Zwischen den beiden Grossbanken verschärft sich derweil der Kampf um die besten Leute. Gemäss Recherchen ist insbesondere die UBS aggressiv: Sie lockt in Einzelfällen gar mit hoch dotierten 3-Jahres-Verträgen. «Das sind ungewöhnliche Methoden, offenbar hat die UBS Mühe, Spitzenleute zu bekommen», mutmasst ein Vertreter der Konkurrenz.

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