Keine drei Monate ist Tidjane Thiam bei der Credit Suisse als Konzernchef im Amt. Gemäss Informationen der «Schweiz am Sonntag» wird er bereits Anfang Oktober bekannt geben, wie es mit seiner Bank weitergehen soll. Ursprünglich sahen die internen Planungen vor, die Resultate der «tiefgreifenden strategischen Überprüfung», die Thiam Ende Juli ankündigte, im November zu präsentieren.

Jetzt hat es der gebürtige Ivorer plötzlich eilig. Gemäss mit den Vorgängen vertrauten Quellen hängt der vorgezogene Termin mit einer geplanten Kapitalerhöhung zusammen, die möglichst früh angekündigt werden muss, damit die Märkte genügend Zeit haben, sich darauf einzustellen. Die wichtigsten Eckpunkte der neuen Strategie sind ausgemacht. Überraschend ist, dass die Grossbank den Verkauf ihrer Private-Banking-Aktivitäten in den USA plant, wo die CS laut Insidern 100 Milliarden Franken von vermögenden Kunden verwaltet. Aber im Unterschied zur Konkurrentin UBS nicht recht vom Fleck kommt.

Nicht verkauft, aber massiv verkleinert werden soll das sogenannte Prime-Brockerage-Geschäft. Dabei handelt es sich um eine Palette von kapitalintensiven Dienstleistungen für Grossanleger wie Hedge Funds, die von der Bank unter anderem Kredite erhalten, um im grossen Stil riskante Wetten auf den Finanzmärkten einzugehen. Ebenfalls deutlich zurechtgestutzt wird das Geschäft mit festverzinslichen Finanzanlagen. Mit beiden Massnahmen soll Kapital freigesetzt werden, um die Kapitaldecke zu stärken und in neue Geschäfte zu investieren.

Das passt zur Ankündigung, die Thiam anlässlich der Präsentation der Halbjahreszahlen Ende Juli machte. Damals sagte er, dass die Bank Optimierungen des Geschäftsportfolios prüfe, um die «Kapitalintensität zu verringern und Überschusskapital zu generieren».

Auch die Geschäftsleitung will Thiam umkrempeln. In der Grossbank herrscht bereits grosse Aufregung darüber, wer vom obersten Management abtreten wird. Auf Thiams Streichliste stehen offenbar zwei Namen von Vertrauten seines Vorgängers Brady Dougan. Robert Shafir, Co-Chef der Private-Banking-Abteilung und früherer Asset-Management-Chef, dürfte aus der Geschäftsleitung ausscheiden. Dass der langjährige Gefolgsmann von Dougan gehen muss, ist keine Überraschung.

Brisant hingegen ist, dass Thiam sich offenbar auch von Finanzchef David Mathers trennen möchte. Dieser soll durch Gaël de Boissard ersetzt werden, der derzeit das Investmentbanking leitet. Mathers könnte auf seine zusätzliche Rolle als Leiter IT und Operations zurückgestuft werden.

Eine CS-Sprecherin wollte sich zur neuen Strategie und zu anstehenden Personalveränderungen nicht äussern und verwies auf frühere Aussagen von Thiam. Die neuen Massnahmen müssen erst noch durch den Verwaltungsrat formell abgesegnet werden. Insbesondere die angedachte Umbesetzung wichtiger Geschäftsleitungsposten könnte für Widerstand im Verwaltungsrat sorgen. Das oberste Gremium dürfte voraussichtlich am ersten Oktober-Wochenende die neue Strategie definitiv beschliessen.

Thiam ist angetreten, die zweitgrösste Bank der Schweiz in eine bessere Zukunft zu führen. Bei der Ausformulierung der neuen Strategie setzte er auf die Unterstützung von zwei grossen Beratungsunternehmen, McKinsey und Boston Consulting Group. Was sich bis jetzt abzeichnet, ist keine Riesenüberraschung. Dass Thiam das US-lastige Investmentbanking zurechtstutzt, konnte erwartet werden. Die UBS hat das vor drei Jahren vorgemacht, als sie damals ihre neue und mittlerweile erfolgreiche Strategie ankündigte.

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