An der Spitze der Credit Suisse rumort es. «Der Verwaltungsrat prüft jetzt oberste Personalentscheide mit höchster Priorität», sagt ein CS-Topshot im vertraulichen Gespräch. Ein anderer Kadermann der Grossbank berichtet von «spürbarer Personaldebatte ganz oben».

Entscheidend sind CS-Präsident Urs Rohner und seine Kollegen im 15-köpfigen Spitzengremium. «Die Bank hat ein Führungs- und ein strategisches Problem», bringt Ex-Bankenprofessor Hans Geiger die Lage auf den Punkt. «Für beides ist der Verwaltungsrat verantwortlich.»

Geiger verweist auf den selbst im Konkurrenzvergleich dramatischen Kurszerfall. «Vor drei Jahren wurde die Credit Suisse vom renommierten Magazin ‹The Economist› aufgrund ihrer Leistung in der Krise zu einer der zwei besten Banken der Welt erkoren. Seither hat die Aktie 57 Prozent an Wert verloren, die in der Krise angeschlagene UBS ‹nur› 34 Prozent.»

Ab 2002 war die CS-Aktie vom Tiefst von knapp 20 Franken auf ein Höchst von über 96 Franken im 2007 gestiegen. Dann übergab Oswald Grübel das CEO-Steuer an Brady Dougan. Unter dem Amerikaner ist der Titel jüngst auf ein neues Rekordtief von gut 19 Franken abgestürzt. Damit ist die Bank weniger als 25 Milliarden wert, gut die Hälfte von Erzrivalin UBS.

Für Dougan & Co. ist die Rechnung trotzdem aufgegangen. Mit dem berühmt-berüchtigten PIP sackte der CS-Chef vor 2 Jahren 71 Extra-Millionen ein. Während weitere Vehikel namens PAF der CS-Spitze weiterhin Sonderboni versprechen, müssen sich die Aktionäre weiter gedulden.

Selbst auf Mitarbeiter-Stufe würde rege über Dougans Ablösung debattiert, sagt eine Quelle. «Dann ist ein CEO nicht mehr zu halten, unabhängig von seiner Leistung.» Ein CS-Sprecher wollte sich nicht zur Nachfolgedebatte äussern; das sei Sache des Verwaltungsrats.

Gegen aussen stärkt Präsident Urs Rohner CEO Dougan weiterhin den Rücken. Und Marathonläufer Dougan fällt Personalentscheide, als ob er noch eine lange Zukunft bei der CS hätte. Vor zwei Wochen trennte er sich vom IT-Chef, am Freitag gab die CS den Abschied des US-Chefs aus der obersten Führung bekannt.

Die Wechsel sind Notlösungen. Den Amerika-Job erledigt neu der Chef des Asset Managements in Personalunion, die IT-Chefaufgabe liegt beim Finanzchef, dessen umstrittene Machtfülle weiter wächst. Alles Flickwerk, meint Beat Wittmann, ein Zürcher Asset Manager mit CS-Vergangenheit. «Der Trend kehrt erst, wenn der CEO kein Investmentbanker mehr ist, das Investmentbanking abgespaltet oder redimensioniert und die Bedürfnisse der Vermögensverwaltung befriedigt werden.»

Sogar CS-freundliche Analysten haben den Glauben verloren, dass der Finanz-Multi unter seinem CEO Dougan noch eine Zukunft hat. Die Vontobel-Bank hat das Kursziel soeben von 25 auf 23 Franken zurückgenommen. Sie rät nicht zum Kauf der CS-Aktie.

Mit dem angeschlagenen Brady Dougan steht VR-Präsident Urs Rohner ein Jahr nach dem Sprung an die CS-Spitze vor seiner grössten Herausforderung. Nun muss sich der Branchenfremdling – Rohner ist Anwalt und leitete eine deutsche Privatfernsehgruppe – von Mentor Walter Kielholz emanzipieren.

Mit dem Ende der Investmentbanking-Ära kommt nur ein Banker mit Verwurzelung im deutschsprachigen Raum und der Vermögensverwaltung infrage. Intern ist das Angebot klein.

In die Poleposition hat sich überraschend Walter Berchtold geschoben. Der 49-jährige Zürcher war 2007 Grübels CEO-Favorit. Weil ihn Kielholz für zu leicht befand, machte Dougan als Kompromiss das Rennen, und Berchtold musste mit dem obersten Private-Banking-Job vorliebnehmen.

Berchtolds Comeback überrascht. Letzten August hatte Dougan HansUlrich Meister zum obersten Vermögensverwalter gekürt und «Wädi», wie Berchtold intern genannt wird, zum Minister ohne Portefeuille gemacht. Im März packte Berchtold gegenüber den US-Behörden im Steuerstreit aus.

Weil Meister nicht überzeugt, könnte Berchtold bald zurückkehren. Als externe Kandidaten werden einzig die Ex-CS-Spitzenleute Ulrich Körner, Leonhard Fischer und Hugo Bänziger genannt. Reelle Chancen kann sich nur Körner ausrechnen. Doch der Deutsche ist bei der UBS gefordert.

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